Nach Flugzeugabsturz in Elpe - Kritik am Krisenmanagement

Trümmerteil auf einer Weide nach dem Flugzeugabsturz. Rund um Olsberg-Elpe werden immer noch Wrackstücke gefunden. Die Bürger kritisierten das Krisenmanagement.
Trümmerteil auf einer Weide nach dem Flugzeugabsturz. Rund um Olsberg-Elpe werden immer noch Wrackstücke gefunden. Die Bürger kritisierten das Krisenmanagement.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Bewohner von Elpe bei Olsberg im Sauerland äußern heftige Kritik am Krisenmanagement nach dem Fluguzeugabsturz vom 23. Juni 2014 in ihrem Dorf. Die Unglücksstelle sei nicht gründlich genug abgesucht worden. Außerdem sind viele Fragen offen: Wer zahlt für die Ausfälle der Landwirte, was passiert mit dem belasteten Boden?

Olsberg-Elpe.. Rotweißes Absperrband kennzeichnet die Fundstelle des Learjets, der vor knapp einem Monat in Elpe abgestürzt ist. Dieses Bild haben die Bürger jeden Tag vor Augen - dabei brauchen sie keine Erinnerung an das Unglück. Bis heute werden immer wieder Trümmerteile gefunden.

„Der Umgang mit der Fundstelle war unmöglich. So etwas darf nicht passieren“, sagt Didi Burmann aus Elpe und spricht damit den Bürgern aus der Seele. Denn auch Tage nach dem Absturz haben Unbeteiligte nicht nur Wrack-, sondern auch Leichenteile gefunden - obwohl Spürhunde eingesetzt wurden.

Bestürzte Gesichter bei Sensburg und Kerkhoff

Das sorgt für bestürzte Gesichter beim Bundestagsabgeordneten Patrick Sensburg, Landtagsabgeordneten Matthias Kerkhoff, Landrat Karl Schneider und Olsbergs Bürgermeister Wolfgang Fischer. Die vier heimischen Politiker sind der Einladung von Ortsvorsteher Dominik Beule zum Gespräch mit den Bürgern ins Dorfgemeinschaftshaus gefolgt.

Flugzeuabsturz Dort bleiben die Elper sachlich, auch wenn sie das Unglück bis heute beschäftigt. „Das sitzt tief in den Leuten drin“, weiß Didi Burmann aus eigener Erfahrung. 20 Bürger sind zum Gespräch mit den Politikern gekommen - das sind längst nicht alle unmittelbar Betroffenen. Einige haben für sich mit dem Thema abgeschlossen oder versuchen es zumindest, anderen setzen die Erlebnisse noch immer stark zu. Mehrere Elper bekommen psychologische Hilfe.

Der Umgang mit der Absturzstelle wird stark kritisiert: „Wieso wurde das Gelände schon am nächsten Tag freigegeben?“ „Der beauftragte Entsorger war überfordert.“ „Da wurde geschlampt.“ „Wer kann mir sagen, ob noch etwas auf meinem Grundstück liegt?“ „Wer kümmert sich um die Wrackteile, die immer wieder irgendwo gefunden werden? Die will kein Mensch haben.“

Politiker haben keine konkreten Antworten

Auf all diese Fragen haben die Politiker keine konkreten Antworten. Grundsätzlich können bei so einem Radius nicht alle Teile gefunden werden. „Ich notiere alles und wir werden es prüfen“, verspricht der Landrat. Mitte August wollen die Ordnungsbehörden der Stadt und des Kreises mit der Polizei Bilanz ziehen. „Wir wollen herausfinden, was gut gelaufen ist und was nicht gut gelaufen ist“, sagt Karl Schneider weiter. Und Bürgermeister Fischer ergänzt: „Für so einen Fall gibt es kein Handbuch.“

Schadensregulierung für die Landwirte mit Hilfe des HSK

Eine deutlichere Antwort gibt es auf die Frage der Schadensregulierung: Der Hochsauerlandkreis (HSK) steht in Kontakt mit dem Versicherer und leitet die Fälle weiter. Für die Aufarbeitung der Schäden fehlt bislang eine klare Linie. Laut Landrat passiert derzeit folgendes: Ein Sachverständiger des Landwirtschaftsverbandes soll den Ausfall für die Landwirte schätzen. Außerdem soll er prüfen, wie mit den betroffenen Flächen umgegangen werden soll - wie können die Wrackteile nach dem Flugzeugunglück entfernt und entsorgt werden.

Flugzeugunglück Und die Untere Bodenschutzbehörde des Kreises hat einen Gutachter darauf angesetzt, wie tief der Boden an der Absturzstelle ausgekoffert werden muss. Daraufhin sagt eine Elperin leise zur Nachbarin: „Wenn der Boden ausgekoffert werden muss, esse ich doch kein Gemüse mehr aus dem Garten.“

Besonders betroffen sind die Landwirte, für deren Wiesen und Weiden ein Nutzungsverbot ausgesprochen wurde. Eine Landwirtin ist extra aus Altenfeld gekommen, wo ebenfalls Wrackteile gefunden wurden: „Das Gras steht so hoch, wir wissen gar nicht, was auf unseren Wiesen noch alles liegt.“

Wrackteile im Gras könnten Mähwerk beschädigen

Trotzdem muss das Gras gemäht und entsorgt werden. Große Wrackteile könnten das Mähwerk beschädigen. „Den Schaden kann man als Normalsterblicher gar nicht abschätzen.“ Ein Landwirt aus Elpe kommt ihr zu Hilfe und gibt Tipps - ein Anwalt des Landwirtschaftverbandes vertritt bereits mehrere Bauern. Klar ist vor allem eins: Der Absturz wird die Elper noch lange beschäftigen.