Nach dem Krieg der Welt die Kunst zurück geben

Bei der Eröffnung der Ausstellung „MeisterSchüler" in der Sparkasse Hochsauerland in Brilon: (v.l.) WP-Kulturchef Andreas Thiemann, E.R. Nele Bode, Tochter von Arnold Bode, Pitt Moog und Dirk Schwarze (Kassel)
Bei der Eröffnung der Ausstellung „MeisterSchüler" in der Sparkasse Hochsauerland in Brilon: (v.l.) WP-Kulturchef Andreas Thiemann, E.R. Nele Bode, Tochter von Arnold Bode, Pitt Moog und Dirk Schwarze (Kassel)
Foto: WP
Was wir bereits wissen
„MeisterSchüler“ ist Titel einer Ausstellung in der Sparkasse Hochsauerland in Brilon zu Leben und Werk von documenta-Gründer Arnold Bode und seinem Schüler Pitt Moog.

Brilon..  „Haste das studiert oder machste das bloß so?“ Ein Satz, den Pitt Moog auch nach Jahrzehnten nicht vergessen hat. Ein Elektriker-Lehrling warf ihm ihn im Vorbeigehen die Leiter hoch, als er in jungen Jahren einmal einer repräsentativen Firmenzentrale einen künstlerischen Anstrich gab. Ja, der im Aatal bei Brilon lebende Pitt Moog hat Kunst studiert. An der Kunstakademie Kassel, bei Prof. Arnold Bode (1900 - 1977). Bode hatte nicht nur 1948 die Akademie in seiner zerbombten Heimatstadt zu neuem Leben erweckt, sondern dort 1955 gemeinsam mit Freunden aus der Kunstszene die documenta initiiert.

Das Motiv? Der von den Nazis mit Berufsverbot belegte Kunsterzieher und Maler und seine Szene waren der Meinung „etwas sagen zu müssen zu der Zeit zwischen 1933 und 1945“ und die als „entartet“ klassifizierten Werke der Welt - auch und gerade in Deutschland - vor Augen zu führen. Seit 1952 in diesem Umfeld: der 30 Jahre alte Pitt Moog aus dem Spessart.

Pitt Moog 1964 Teilnehmer der documenta III

„Es gab das riesige Bedürfnis, diese Kunst wieder ins Land zu holen“, sagte Moog Montagabend bei der Eröffnung der Ausstellung „MeisterSchüler“ in der Sparkasse Hochsauerland in Brilon. Die Schau greift Leben, Lehren und Wirken von Arnold Bode und Pitt Moog auf und vor allem auch das besondere Verhältnis der beiden zueinander. Bei der documenta III 1964 gehörte Moog mit drei Werken zum Kreis der 148 ausstellenden Künstlern.

In einem Podiumsgespräch unter Moderation von Andreas Thiemann, Ressortleiter Kultur dieser Zeitung, erinnerte Pitt Moog gemeinsam mit E.R. Nele Bode, der Tochter seines Lehrmeisters, sowie Dirk Schwarze, Publizist und Vorsitzender des 1972 von Arnold Bode gegründeten Fördervereins documenta-forum, an die Impulse, die von Arnold Bode und der documenta für die Kunstwelt ausgingen. Nele Bode (83), gerade von der am Wochenende eröffneten Biennale in Venedig zurück, weiß noch, wie sehr ihr Vater seinerzeit um Gelder für die Umsetzung seiner Vision kämpfen musste: „Es war damals mutig, bei dem geringen öffentlichen Interesse moderne Kunst dieser Art zu finanzieren.“

Über 100 Ausstellungen im In- und Ausland

„Solange er lebte, kämpfte Arnold Bode für seine Ideen“, sagte Dirk Schwarze, der seit 1972 die documenta journalistisch begleitete und ihren spiritus rector gut kannte. Der Förderkreis führt seine Ideen fort. Etwa mit einer Ausstellung im Oktogon auf der Wilhelmshöhe, dem imposanten Bauwerk mit der markanten Herkules-Pyramide, dem Wahrzeichen der Stadt Kassel. Zu Bodes Lebzeiten scheiterte das Ausstellungs-Projekt am Geld. Nach der jüngsten Sanierung des Schlosses, so Schwarze, könnten Bodes Anregungen jetzt wahr werden.

Von Bodes „Mut und Weitblick“ habe auch er sich inspirieren lassen, sagte Pitt Moog. Bode habe ihn dazu gebracht, von der Kunsterziehung zur Kunst zu wechseln. In über 100 Ausstellungen im In- und Ausland hat Moog sein vielfach an archaische Formensprache angelehntes Werk gezeigt - ein erfülltes Künstlerleben, auf das er am Montag, seinem 83. Geburtstag, zurück blickte: „Ich machte es einfach so. Obwohl ich es studiert hatte.“

1500 Euro Spende für Schule an der Ruhraue

Die Ausstellung in der Sparkasse Hochsauerland läuft bis zum 30. Oktober. Das Joscho Stephan Quintett umrahmte die Vernissage mit rassigem Gypsy-Swing. Den Erlös des Abends in Höhe von 1500 Euro überreichte Privatbanking-Bereichsleiter Wolfgang Weber an die Leiterin der Schule an der Ruhraue in Olsberg, Barbara Wolf. Mit dem Geld will die Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung den Bereich Musik unterstützen.

Bürgermeister Dr. Christoph Bartsch sagte, dass Pitt Moog „ein Botschafter unserer Stadt“ sei und dankte ihm nochmals für die Überlassung 14 seiner Werke.