Mutmaßliches Vergewaltigungs-Opfer sagt aus

Mutmaßliches Opfer spricht vor Gericht sehr leise und abgewandt von dem Angeklagten.
Mutmaßliches Opfer spricht vor Gericht sehr leise und abgewandt von dem Angeklagten.
Foto: Volker Hartmann
  • Marsberger Polizistin: Frau wirkte in sich gekehrt, aber gefasst
  • Verteidiger fordert von mutmaßlichem Opfer Imitation der Hilfeschreie vor Gericht
  • Polizist: Angeklagter habe Sex erst abgestritten, aber dann doch zugegeben

Brilon/Bredelar..  Der Prozess um den angeklagten Mann aus Korbach, der eine Prostituierte in einem Bordell in Bredelar vergewaltigt haben soll, geht weiter. Der 41-Jährige, so die Anklage, soll die Frau auf einer Doppelliege im Saunabereich misshandelt haben, während er gegen ihren Willen Sex mit ihr hatte. Richter Schwens und Richterin Arens sowie die Schöffen hören am zweiten Verhandlungstag im Briloner Gericht unter anderem das mutmaßliche Opfer aus Bulgarien.

Die 24 Jahre alte Frau spricht sehr leise. Fast schon eingeschüchtert wirkt die Prostituierte, als sie neben ihrer Übersetzerin Platz nimmt. Obwohl sie mittig im Raum sitzt mit Blick nach vorn, ist ihre Position leicht schräg – mit dem Rücken zum Angeklagten. Es scheint, als wolle sie seinen Blicken ausweichen.

Klient fordert mehr

Der Klient habe zunächst an der Bar gesessen, getrunken und sie zu sich gerufen. „Er hat gefragt, was ich anbiete und wie teuer das ist. Ich habe ihm die Preise für 30 und für 60 Minuten genannt“, sagt die 24-Jährige. Kurz darauf seien sie in den Saunabereich gegangen. Zunächst hätten sie einvernehmlichen Sex gehabt, der Kunde habe 30 Minuten gebucht. Während des Geschlechtsverkehrs sei der Prostituierten aber aufgefallen, dass die Zeit abgelaufen sei. „Ich habe ihm das gesagt, doch er wollte nicht aufhören. Er war noch nicht fertig.“ Die Frau habe ihm dann weitere 30 Minuten angeboten, doch dieses Angebot habe er abgelehnt. „In so einem Fall muss ich aufstehen und gehen. Das ist mir nicht gelungen. Ich habe Angst bekommen und gerufen. Er wollte nicht von mir lassen“, so das mutmaßliche Opfer. Während der Angeklagte weitergemacht habe, habe er ihr den Mund zugehalten und sie gewürgt. „Ich habe gesehen, dass das Kondom auf der Liege lag. Wieso, weiß ich nicht.“ Zögerlich schildert die Frau alles im Detail.

Ungewöhnliche Aufforderung

Verteidiger Knepper will es genauer wissen. Er fordert die Frau auf, im Gerichtssaal genauso zu schreien, wie sie es in der Tatnacht auch getan habe. Die Frau möchte nicht. „Sie machen mich verlegen“, sagt sie. Doch der Verteidiger besteht darauf.

Auch zwei Polizeibeamte schildern ihre Eindrücke vom Einsatz in der Nacht im Februar dieses Jahres. Der Angeklagte sei stark alkoholisiert gewesen, aber bewusst uneinsichtig, so die Beamtin. „Das Opfer war sehr in sich gekehrt, aber gefasst. Ich würde sagen tough.“ Zunächst habe der Angeklagte im Bordell abgestritten mit der Frau geschlafen zu haben. „Auf der Wache hat er gesagt, dass er doch Sex hatte, aber unzufrieden mit der Leistung war.“

Zudem sagt die Arbeitskollegin der mutmaßlichen Geschädigten aus. Damit endet der zweite Verhandlungstag. Morgen, 18. August, geht es ab 12.30 Uhr weiter.

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