Musik weckt Sehnsucht nach der Heimat

Brilon..  „Heimat ist da, wo ich mich wohlfühle und wo Musik aus verschiedenen Traditionen zusammenkommen kann“ - diese beiden Sätze hat Pfarrer Rainer Müller von der ev. Kirchengemeinde Brilon sich von der israelischen Jazzsängerin Efrat Alony geliehen.

Mit ihnen begrüßte er die zahlreiche und kulturell gemischte Gemeinde am Pfingstsonntag. Fünf Stunden Musik, Poesie, biblische und literarische Texte zum Thema Heimat, Abschied, Sehnsucht, Ankunft auf Erden und im Himmel standen auf dem Programm.

Die zweite Nacht der Offenen Kirche in der Briloner Stadtkirche war etwas Besonderes. Viele Menschen, die zuvor noch die helle, lebhafte und wohlschmeckende Geburtstagsfeier vom Café International auf dem Gelände zwischen Gemeindezentrum und Kirche gefeiert hatten (wir berichteten), folgten den spontanen Trommelklängen in die Kirche und eröffneten gemeinsam die Nacht, in der fünf Stunden lang leise und wohlklingende, experimentelle und traditionsreiche Töne im Zusammenklang mit Worten Bilder von Heimat und der Sehnsucht danach malten.

Nachdenkliche Gedichte wie das „Ei“

Die Blechbläser unter Leitung von Presbyter Sigmar Paschkewitz luden mit dem Kultsong „Yesterday“ ein, sich an zu Hause zu erinnern, Efrat Alony improvisierte mit Childo Thomas aus Mozambique über die Liebe zur Heimat, das Immanuel-Quartett aus Leverkusen interpretierte zusammen mit der polnischen Sängerin Anna Pehlken eigens für diese Nacht arrangierte Lieder von Schubert, Chopin, Scymanowski, Rachmaninoff und Piazolla. In der Stunde nach Mitternacht sangen Künstler und Publikum liturgische Stücke.

Susanne Lamotte mit vier Choristinnen und dem Gitarristen Heinrich Bohnkämper trug pfingstliche und andere gregorianische Kompositionen vor.

Eine musikalische und stimmungsreiche Heimatsuche, unterbrochen von nachdenklichen Gedichten wie dem „Ei“ von Günther Grass, der in diesem Gedicht dazu einlädt, sich vorzustellen, man sei in der Eierschale - verbunden mit dem Gedanken, was wohl passiert, wenn die Schale aufplatzt. Vielleicht landet man dann sogar in der Pfanne.

Die biblische Geschichte von Rut, die ihre Interessen zurückstellt und mit ihrer Schwiegermutter in die Fremde zieht, das Märchen von der Wassernixe Rusalka, die sich unsterblich und unglücklich in einen Prinzen verliebt, bis zum Kinderbuch über ein Flüchtlingskind aus Afrika, das in Europa ankommt.

Pausen am Pfingstfeuer

Das Publikum, das mit fortschreitender Zeit zahlenmäßig nachließ, aber applausmäßig stark blieb, genoss die Pausen am Pfingstfeuer vor der Kirche und das Brot mit verschiedenem leckeren Dips von den „köchelnden Kerlen“.

Kirche, wenn sie offen ist, kann vielen Menschen Heimat anbieten, kurzfristig, als Unterbrechung auf der Lebensreise, immer aber in der Hoffnung, dass Gottes Geist vom Himmel kommt und deshalb überall auf Erden wirken kann.

Diese Botschaft nahmen die Gäste von der Veranstaltung mit in die eigenen vier Wände.