Musik als Brückenbauer zwischen den Welten

Avram - Konzert in Brilon
Avram - Konzert in Brilon
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ein Abend - so heiß wie der Orient und so erfrischend wie das sonst eher kühle Sauerland. Das Ensemble „Avram“ hat vor 170 Zuhörern im Kolpinghaus gespielt.

Brilon..  Imam Abdulkerim trägt hellen Umhang und Kopfbedeckung. Pastorin Kathrin Koppe-Bäumer kommt im schwarzen Talar. Propst Dr. Reinhard Richter hat ein schwarz-weißes Messgewand angelegt und Bürgermeister Dr. Christof Bartsch legere Sommerkluft. Es ist brütend heiß am Freitagabend im Bürgerzentrum Kolpinghaus; zumal die Klima-Anlage nach einem Stromausfall in der Derkerestraße nicht ganz rund läuft.

Die 170 Zuhörer fächeln sich mit dem Programmheft Luft zu. Aber das Kommen und Schwitzen hat sich gelohnt. Im Rahmen der überregionalen Veranstaltungsreihe „Spiritueller Sommer“ ist die Briloner Sängerin Schirin Partowi mit ihrer Formation „Avram“ ins Kolpinghaus gekommen. Ein unvergesslicher Abend der Begegnung - musikalisch, religiös und menschlich betrachtet.

Viele Gemeinsamkeiten

„Avram“ heißt Abraham und verweist auf gemeinsame Wurzeln unterschiedlicher Religionen mit doch so vielen Parallelen. Die Gruppe mit exzellenten Musikern, die u.a. auch bei Sting oder Westernhagen mitspielen - versteht sich als musikalische Brückenbauerin zwischen unterschiedlichen Glaubens- und Weltanschauungen. Und dass noch vor Konzertbeginn die Vertreter der katholischen und der evangelischen Kirche gemeinsam mit dem Imam der türkisch-islamischen Gemeinde und dem Stadtoberhaupt beten, ist ein eindrucksvolles Bild und ein hoffnungsvolles Zeichen für mehr Toleranz, Verständnis und Akzeptanz.

„Wir müssen dem Fremden näher kommen, wir dürfen uns nicht auf das beschränken, was uns trennt, sondern uns auf das besinnen, was uns vereint. Wir müssen uns mehr öffnen in einer zunehmend multikulturellen und multireligiösen Welt“, fordert Dr. Christof Bartsch mehr gegenseitige Offenheit, Wertschätzung und ein sympathisierendes Miteinander ein.

Eindringliche Bitte

Die gesungenen Worte des Imam übersetzt der Bürgermeister. Es ist eine eindringliche Bitte. „Wir werden so lange beten, bis Frieden auf dieser Welt herrscht.“ Und es geht um den Wert der Schöpfung, „denn in ihr liegen Zeichen für all diejenigen, die Verstand besitzen.“

In die gleiche Richtung zielen die Worte der beiden christlichen Kirchenvertreter. Es ist das zweite Gebet mit dem der Papst seine brandneue Enzyklika „laudato si“ zum Schutz der Schöpfung schließt: „Die Armen und die Erde flehen Herr, ergreife uns mit deiner Macht und deinem Licht, um alles Leben zu schützen, um eine bessere Zukunft vorzubereiten...“ Worte, die wohl jeder unterschreiben würde.

Kraft- und temperamentvoll

Und dann gehört die Bühne der Musik von Avram. Unglaublich, wie sich orientalische Klänge mit Jazz oder klassischen Anwandlungen zu einem ganz neuen Stil verpaaren. So, als hätten sich verschiedene musikalische Strömungen auf ihre Gemeinsamkeiten besonnen, aber aus ihrem DNA-Material die jeweils besten Gene in eine neue musikalische Schöpfung eingebracht. Das funktioniert instrumental. Aber das geht noch viel intensiver dank der über allem schwebenden, nie aufdringlichen und doch so ausdruckstarken Alt-Stimme von Schirin Partowi.

Mal kraft- und temperamentvoll, mal zärtlich und mit Gefühl nimmt „Avram“ das Publikum mit auf eine Reise von Ost nach West. Es gibt halt eben doch mehr Parallelen zwischen Abendland und Morgenland, als man im Zeitalter moderner Religionskriege denken mag. Das macht auch der Schauspieler und Sprecher Peter Glass immer wieder durch Parabeln und nachdenklich stimmende Gleichnisse deutlich. Ein Abend - so heiß wie der Orient und so erfrischend wie das sonst eher kühle Sauerland.