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Frühjahrsmüdigkeit

Munter werden unter freiem Himmel

23.02.2010 | 09:00 Uhr
Munter werden unter freiem Himmel

Brilon. Der Frühling steht vor der Tür. Warum uns der Wechsel auf die helle Jahreszeit gähnen lässt und was man dagegen tun kann.

Langsam, ganz langsam schrumpfen die Schneeberge an den Straßen des Hochsauerlands. Lugt die Sonne einmal hinter den Wolken hervor, wärmt sie angenehm das winterbleiche Gesicht. Keine Frage: Der Frühling klopft an. Ganz leise.

Gerade jetzt, in der Zeit vor dem eigentlichen Beginn der blühenden Jahreszeit, macht bei vielen plötzlich der Körper schlapp. Kaum aufgestanden, möchten sich die Frühjahrsmüden sofort wieder im Bett verkriechen - und das, obwohl die Vögel draußen ihr Morgenkonzert von den Bäumen schmettern.

Woher kommt das Phänomen der Frühjahrsmüdigkeit eigentlich und was kann man dagegen tun?

Weniger Serotonin

„Das ist eine unspezifische Sache”, sagt Andreas Witteler. Der Facharzt für Allgemeinmedizin betont den Einfluss des Tageslichts: „Frühjahrsmüdigkeit wird vor allem durch Lichtmangel während des Winters verursacht. Es kommt zu verminderter Serotoninfreisetzung.”

Serotonin ist ein Botenstoff des Körpers, der unter anderem zumindest kurzfristig unser Glücksgefühl und Wohlbehagen steigern kann. Bekommt der Körper nun monatelang wenig Licht, fehlt es am Glücksstoff. Da hilft nur: Raus an die frische Luft. Bewegung tut ebenfalls gut. „Es muss nicht die Muckibude sein”, so Witteler. Spaziergänge täten es auch. Möglichst unter freiem Himmel.

Ernährung fürs Wohlbefinden

Aber auch die Ernährung spielt eine Rolle. Wer in der Weihnachtszeit und darüber hinaus vorwiegend von Braten und Schokolade gelebt hat, dem fehlen Vitamine und Mineralstoffe. Witteler: „Fettarme Ernährung, viel Obst und Gemüse verbessert das Wohlbefinden enorm.”

Heilpraktikerin Karin Schreckenberg schließt sich an: „Vitaminreiche Kost ist wichtig. Viele fasten auch, um den Körper zu entschlacken.” Ansonsten rät auch sie zu Bewegung im Freien: „Zu Beginn des Frühjahrs ist der Akku leer.” Das Lichtdefizit mache dem Körper ebenso zu schaffen wie die Umstellung auf die neue Jahreszeit allgemein: Melatonin - bekannt als „Schlafhormon” - wird ab- und Serotonin aufgebaut, „das ist Hochleistungssport fürs Immunsystem.” Schreckenberg rät außerdem zu einem geregelten Schlafrhythmus und einem Mittagsschlaf, „wenn es sich einrichten lässt”.

Fata Morgana?

Internist Dr. Hans-Gerd Weiste dagegen zweifelt am Phänomen: „Vielleicht ist Frühjahrsmüdigkeit eine Fata Morgana.” Bei allgemein ungesunder Lebensführung schöben manche Leute ihre körperlichen Probleme auf den Frühling, obwohl sie vielleicht auch zu anderen Jahreszeiten auftreten würden. Allerdings: In Studien sei nachgewiesen worden, dass Leber und Niere bei Sonnenlicht den Körper besser entgiften würden. Weiste: „Das könnte ein Indiz dafür sein, dass der Stoffwechsel im Winter tatsächlich weniger gut arbeitet.”

Und nun: Raus mit Ihnen.

Linda Fischer

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