Müde, nachdenklich oder in Ekstase

Hallenberg..  „Hätte ich damals so ein Foto gesehen und gewusst, wie Janis Joplin wirklich aussah, wäre ich nicht ihr Fan gewesen. Wir kannten früher ja nur die geschönten Bilder auf den Plattenhüllen“, stellte ein Besucher am Donnerstagabend im Kump leicht erschüttert fest. Anlass war die Eröffnung der Ausstellung von Linda McCartney mit 85 Fotos von Stars aus den legendären sechziger Jahren, die „Sixties“.

Trotz des allerersten lauen Sommerabends hatten viele Interessierte den Weg in den Kump gefunden, wo sie von Bürgermeister Michael Kronauge und Moderator Andreas Melliwa von Radio Sauerland begrüßt wurden. Melliwa trug extra zu diesem Anlass sein bestgehütestes T-Shirt vom Europapokalfinale 1966, das seinerzeit der BVB gewonnen hatte. Michael Kronauge musste zu seinem Bedauern feststellen, dass sein altes Batikhemd aus den Sechzigern leider eingelaufen war. Die beiden erinnerten gemeinsam an ihre Jugendphasen in der damaligen, ganz besonderen Musikszene. „Zeitzeugen vermutet man ja eigentlich eher im Altersheim, jetzt bin ich selber einer“, kommentierte Andreas Melliwa seine Rolle als Gastredner und stellte in einer launigen Ansprache Überlegungen an, welche Situationen und Menschen Linda McCartney fotografiert hätte, wenn sie in den sechziger Jahren in Hallenberg gewesen wäre.

In Erinnerungen schwelgen

Die Fotojournalistin und spätere Ehefrau von Ex-Beatle Paul McCartney zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass sie die Künstler in völlig ungezwungenen und legeren Momenten festhalten konnte (wir berichteten). Manche ihrer nun in Hallenberg ausgestellten Fotos wirken daher wie aus dem eigenen Familienalbum entnommen und zeigen die bis heute bekannten Stars in ganz alltäglichen, menschlichen und manchmal auch verletzlichen Posen: müde, gelangweilt, nachdenklich, ausgelassen oder ganz bodenständig, aber auch in Ekstase bei Auftritten. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Aufnahmen so künstlerisch wertvoll sind“, stellte Kunstlehrerin Barbara Ortwein aus Winterberg nach ihrem Rundgang anerkennend fest.

Die Ausstellungsgäste teilten sich deutlich in zwei Lager – diejenigen, die die Sixties selber erlebt hatten und angesichts der Idole ihrer Generation mit glänzenden Augen in Erinnerungen schwelgten, und die jüngeren Besucher, denen bewusst wurde, dass sie diese Zeiten nicht mehr kannten, in denen man die Musik seiner Stars nicht einfach herunterladen konnte, sondern für mühsam gesparte fünf Mark eine Schallplatte kaufte oder live nach selbst geschriebenen Noten gespielt in Musikkneipen hörte, weil es noch keine Discos gab.

Beatles und Rolling Stones vereint

Ein Ensemble der Stadtkapelle Hallenberg sorgte mit Stücken von den Beatles und Rolling Stones für den passenden musikalischen Rahmen. „Das hätte es früher nicht gegeben, entweder stand man auf die Beatles oder die Rolling Stones. Beides ging auf keinen Fall“, erzählte Hans Walter Schneider aus Siedlinghausen aus seiner Jugend. „Aber heute war es einfach nur schön, alle mal wieder zu hören und gleichzeitig auf so besonderen Bildern zu sehen.“