Mit Pinsel und Farbe in der Kuppel arbeiten

Der türkisch-islamische Kulturverein baut in Brilon eine neue Moschee. Die Wandmaler Gentian Horanlli und Besmir Muça sind für die malerische Ausgestaltung zuständig.
Der türkisch-islamische Kulturverein baut in Brilon eine neue Moschee. Die Wandmaler Gentian Horanlli und Besmir Muça sind für die malerische Ausgestaltung zuständig.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der türkisch-islamische Kulturverein baut in Brilon eine neue Moschee. Zurzeit ist ein Künstler mit der Wandbemalung beschäftigt.

Brilon..  Der Brand im Mai 2012 ist ein schwerer Schlag für den türkisch-islamischen Kulturverein. Ein Mensch kommt ums Leben. Fünf Personen werden verletzt. Und das Haus, in dem sich auch der Gebetsraum der Gemeinde befindet, wird so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass nur noch Abriss und Neubau in Frage kommen. Ein mutiges Unterfangen, dem sich die 80-köpfige Gemeinde mit großer Eigeninitiative stellt. Vieles haben die Mitglieder selbst gestemmt. Doch jetzt geht es an die Innen-Bemalung. Da muss ein Fachmann ran. Er kommt aus Albanien, ist in seiner Heimat der einzige, der so etwas professionell betreibt und hat seine Zelte für einige Zeit in Brilon aufgeschlagen.

Farb- und Ornamentspiel

Der Weg über mehrere Gerüste und Leitern bis fast unter die Kuppel hat sich gelohnt: Ein beeindruckendes Farb- und Ornamentspiel. Hier arbeiten sich Gentian Horanlli und sein Kollege Besmir Muça seit Tagen von oben nach unten vor. Eine gleichmäßige rot-gelbe Zopf-Bordüre bildet den sauberen Abschluss zwischen Wand und Kuppelansatz. Die zahlreichen Rundfenster entlang des kreisförmigen Deckengewölbes sind mit bunten Ornamenten verziert. Darunter schlängelt sich in akkurater Koranschrift einmal ganz um die Moschee-Rundung eine Sure, ein Abschnitt des Korans. „Das ist der Vers 255. Er besagt: Allah ist er; es gibt keine Gottheit außer ihm“, erklärt Ahmet Yildiz vom Vorstand der Gemeinde.

Moschee-Maler Horanlli braucht keine Blaupausen oder Vordrucke, um die Koranschrift abzuzeichnen. Keine fertigen Wand-Tattoos oder Schablonen. Freihändig zaubert er die für unsereins fremden Buchstaben und Schnörkel auf den Putz. Über das Internet sind die Briloner auf den Mann aus Albanien gestoßen. Bilder, Ideen und Preisvorstellungen wurden ausgetauscht. Seine Art, solche Moscheeräume zu gestalten, hat den Verantwortlichen spontan gefallen. Und nach einigen Vorgesprächen kamen beide Seiten zueinander.

„Wir haben keine starren Vorschriften, wie die Gestaltung aussehen muss. Der Künstler orientiert sich an alten Schriften und Ornamenten, wie sie im osmanischen Reich üblich waren. Hier und da diskutieren wir schon mal wegen der Farbgebung. Ob der Grundton dunkler oder heller sein soll. Aber ansonsten hat er freie Hand“, sagt Ahmet Yildiz. In Brilon werden viele Rot- und Türkis-Töne verarbeitet. Das sind aber längst keine Farben mehr, die eigens angemischt werden, sondern fertige Künstlerfarben. Zum Beispiel Acryl, aber auch echtes Blattgold“, so Horanlli.

Zu Hause hat der Künstler einen Betrieb mit vier Angestellten, die u.a. in Bulgarien, Mazedonien oder Albanien arbeiten. Das Projekt im Sauerland ist eher ein kleiner Auftrag für ihn. Daher ist Horanlli mit nur einem Helfer nach Deutschland gekommen. Nach einem Architekturstudium in der Türkei hat er eine mehrjährige Spezialausbildung für die Innengestaltung von Gebetsräumen gemacht. Aber das Malen und die Schönschrift sind ihm in die Wiege gelegt. Die Ausmalung jeder Moschee ist für ihn eine neue Herausforderung: „Ich versuche meine Arbeit bestmöglich zu machen. Wenn alles gut isoliert ist und im Innenraum Feuchtigkeit vermieden wird, dann halten meine Malereien ein Leben lang und länger.“

Keine figürlichen Darstellungen

Da sich die muslimische Kultur von Gott kein Bild machen darf, gibt es keine figürlichen Darstellungen in der Moschee. Daher arbeitet der Kaligraph viel mit Dekors und Schriften. Aber auch die Namen von Allah, Mohammed, den vier Kalifen und deren Nachfolgern finden sich in Koranschrift an den Wänden wieder. Wann genau die Moschee eröffnet wird, steht noch nicht fest. Vielleicht im Frühjahr, vielleicht auch erst im Sommer.

Zurzeit wartet die Gemeinde auf eine Lieferung aus der Türkei, die die Holzintarsien für das äußerste Stücke Kuppelmitte und diverse Einrichtungsgegenstände im Gepäck hat. Dazu gehören z.B. die Gebetsnische (Mihrab), eine Art Kanzel (Kürsi und Minber) für den Imam und kunstvolle Geländer. Bis die dann aufgebaut sind, haben Gentian Horanlli und sein Kollege Brilon längst wieder verlassen.