Mit Fingerspitzengefühl aufgearbeitet

Obermarsberg..  Wenn auf Palmsonntag die Gläubigen den Kreuzweg beten, Prozession halten entlang der historischen sieben Fußfälle und die Kalvarienkapelle erreichen, wird die Grablege darin nicht mehr leer sein. Die fast mannshohe Christusfigur aus Eiche wird dann wieder an ihrem angestammten Platz auf dem Altar liegen.

Mehr als ein Jahr war die Grablege verwaist. Am Holzkorpus hatte der Zahn der Zeit seine Spuren hinterlassen. Mehrmals wurde die Figur aus dem 19. Jahrhundert mit Farben auf Kunstharzbasis übermalt. „Die Farbe musste unbedingt runter, damit das Eichenholz wieder atmen konnte“, erklärt Restauratorin Sina Theile. Gemeinsam mit ihrem Bruder Chris, der ebenfalls Restaurator ist, haben sie in ihrer Werkstatt den Korpus rundum restauriert.

Alte plakative Farbschichten haben sie sorgfältig abgetragen, so dass die gute Holzarbeit und brillanten Schnitzereien, wie die Experten betonen, wieder sichtbar wurden. Die fehlenden kleinen Finger an beiden Händen haben sie ergänzt und den Korpus mit Farbe aus Leinölbasis mehrschichtig in verschiedenen Farbtönen lasiert, so dass der plastische Aufbau der Muskelpartien, Brustkorb und Bauchhöhle wieder hervorgehoben und erkennbar sind. Das einstmals blaue Leinentuch ist jetzt wieder weiß dargestellt.

Initialen

Die roten Wundmale an Arme, ­Beine und Brust hat Sina Theile als letztes aufgetragen. Auf der Rückseite des linken Oberschenkels der Christusfigur sind die Initialen M.B. leicht in das Holz eingestochen. Ob es sich hierbei um die Initialen des Erbauers oder eines späteren ­Kirchenmalers handelt, ist unbekannt.

Von der gelungenen Aufarbeitung überzeugten sich jetzt Bürgermeister Klaus Hülsenbeck, Stadtarchivar Siegfried Stolz und Martin Halsband, Ortsbürgermeister von Obermarsberg, in der Werkstatt der Restauratoren.

Auch der Altar mit der Grablege soll noch restauriert werden. Der Altar in der 1868 erbauten neugotischen Kapelle auf dem Kalvarienberg ist Sinnbild des Endpunktes des Leidensweges Christi und als Heiliges Grab dargestellt. Die sieben Fußfälle Christi säumen den Weg zum Kalvarienberg. Der liegt außerhalb der alten Stadtmauern. Auf dem 373 Meter hohen Kalvarienberg steht die Kapelle. Der Gang zu den sieben Fußfällen ist eine der ältesten Formen des Kreuzweges.