Mit 52 Stolpersteinen gegen das Vergessen

Olsberg..  Wenn es im Politikunterricht um Menschen und Schicksale vor der eigenen Haustür geht, dann wird der Lernstoff so richtig greifbar und spannend. Dabei ist „vor der Haustür“ hier wörtlich gemeint.

Die Klasse 6d der Sekundarschule Olsberg beschäftigt sich seit Oktober vergangenen Jahres mit dem Schicksal jüdischer Mitbürger in Olsberg während der Zeit des Nationalsozialismus. „Es ist wichtig, dass die Menschen heute wissen, was damals passiert ist“, sagt zum Beispiel Lukas Köster. Und Mirijam Paul ergänzt: „Damit es nicht noch einmal passiert.“

Persönliche Ansichten der Schüler

Mit ihrer Arbeit tragen die 27 Schülerinnen und Schüler zur Aufarbeitung der Geschichte der Menschen jüdischen Glaubens bei. Die Stadt Olsberg und der Olsberger Heimatbund beschäftigen sich seit Ende 2013 mit diesem Thema.

52 so genannte Stolpersteine werden im Sommer im Stadtgebiet verlegt. Doch das Projekt ist weitaus umfangreicher. Von Juni bis August wird es dazu im Rathaus eine Ausstellung geben.

Außerdem können Interessierte demnächst den „Weg der Erinnerung“ gehen und dabei Stationen und Gedenkstätten jüdischen Lebens in Olsberg besuchen.

Die Ausstellung im Rathaus wird am Mittwoch, dem 24. Juni eröffnet. Dazu wird auch ein Zeitzeuge erwartet, der früher in Olsberg lebte, während der NS-Zeit fliehen musste und nun wieder aus den USA anreist.

Die Klasse 6d der Realschule gestaltet Plakate für die Ausstellung: zum einen mit den Lebensdaten der jüdischen Mitbürger, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen, zum anderen mit ganz persönlichen Ansichten der Schülerinnen und Schüler zum Thema. Zum Beispiel von Mete Özdag: „Es ist unvorstellbar, dass ein einzelner Mann Millionen von Menschen umbringen wollte.“

Oder denen von Lara Engelmann: „Viele hatten Angst, den Menschen jüdischen Glaubens zu helfen. Aus Angst, selbst umgebracht zu werden.“

Zusammen mit ihren Klassenlehrern Carina Häger und Jürgen Recksik besuchten die Mädchen und Jungen im Oktober vergangenen Jahres die Anne-Frank-Ausstellung im Sauerlandmuseum in Arnsberg, thematisierten das Dritte Reich und den Holocaust immer wieder im Politikunterricht und waren im Rathaus zu Gast, als der Olsberger Heimatbund über die Stolpersteine informierte.

Ausstellung im Rathaus

Neben der Sekundarschule arbeitet auch die Schule an der Ruhraue an der Aufarbeitung dieses Themas mit. „Uns war es von Anfang an wichtig, junge Menschen einzubeziehen“, betont Ursula Balkenhol, Vorsitzende des Olsberger Heimatbundes. Am 14. August wird der Künstler Gunter Demnig in Olsberg, Bigge und Assinghausen die ersten 15 der insgesamt 52 Stolpersteine verlegen. Bis zu diesem Tag wird die Ausstellung im Rathaus zu sehen sein.

Große Resonanz auf Spendenaufruf

„Über die Kosten des Projekts kursieren leider viele falsche Zahlen“, stellt Ursula Balkenhol fest. Von bis zu 12.000 Euro sei die Rede gewesen. Die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins kostet 120 Euro. Macht bei 52 Steinen insgesamt 6.240 Euro. Dazu kommen noch die Kosten für die Herstellung der Flyer zum „Weg der Erinnerung“ und weitere Kosten, unter anderem für die Projektarbeit an den Schulen.

„Wir freuen uns, dass unser Spendenaufruf eine so große Resonanz hat. Das zeigt, für wie wichtig die Menschen dieses Projekt halten“, sagt Ursula Balkenhol.

Für die Beschäftigung der Klasse 6d mit dem Thema spielen solche Diskussionen keine Rolle. Die Schülerinnen und Schüler freuen sich darauf, bei der Ausstellungseröffnung im Juni ihren Beitrag vorstellen zu können.

„Wenn die Menschen demnächst über die Stolpersteine gehen, werden sie sicher an die Menschen jüdischen Glaubens denken“, ist sich Marlon Padberg sicher.