Mehr Menschen bei Suchtberatung

Olsberg/Brilon..  Die Fallzahlen steigen: 25 Menschen suchten im Jahr 2008 die Suchtberatung des Caritasverbandes Brilon auf, weil sie abhängig von Cannabis waren. Im Jahr 2013 hatte sich die Zahl mehr als verdoppelt – auf 58 Ratsuchende. „Meist steht der Konsum von Alkohol im Vordergrund, aber auch die Abhängigkeit von Cannabis und Amphetaminen gewinnt im Sauerland zunehmend an Bedeutung“, weiß Suchttherapeutin Liliane Schafyiha-Canisius, Leiterin der Caritas-Suchtberatung.

Angebot auch für Angehörige

Zeit, darauf zu reagieren, findet der Caritas-Verband: In Kooperation mit dem Jungen Kreuzbund wird jetzt deshalb erstmalig in Olsberg eine Selbsthilfegruppe für Mehrfachabhängige und Konsumenten illegaler Drogen – vorwiegend Cannabis und Amphetamine – angeboten. Das Angebot richtet sich auch an Angehörige.

Drogenkonsum und Abhängigkeit sind Brennpunktthemen: „Konsum und Kriminalität gehen leider zu oft zu schnell Hand in Hand“, sagt Suchttherapeutin Schafyiha-Canisius mit Blick auf die Beschaffungskriminalität.

Darüber hinaus bereitet auch das Alter beim Erstkonsum Sorgen: „Aus den Geschichten unserer Klienten wissen wir, dass Alkohol häufig schon im Alter von 12 Jahren, Cannabis dann mit 14 und Amphetamine mit 16 Jahren konsumiert werden.“

Meist würden andere synthetische Drogen ausprobiert und kombiniert. „Viele bleiben dann bei allen drei Suchtmitteln und konsumieren den Alkohol, um enthemmter zu werden, Amphetamine, um fit zu sein für Partys oder die Arbeit und Cannabis, um abzuschalten und zu entspannen“, weiß die Expertin aus ihrem Beratungsalltag.

Gerade dieser Kreislauf verhindere in der Jugend, sich auch stressigen Situationen und unangenehmen Gefühlen klaren Kopfes zu stellen und dadurch innerlich wachsen zu können. „Die künstliche Steuerung von Gefühlszuständen durch Drogen wird zunehmend zur Normalität und damit auch die Abhängigkeit vom Suchtstoff. Je länger dieses Verhalten anhält, desto schwieriger wird es, Missstimmungen zu tolerieren und ohne Suchtmittel auszuhalten“, erklärt Liliane Schafiyha-Canisius.

Geschützter Raum

In der neuen Selbsthilfegruppe bekommen Abhängige wie Angehörige einen geschützten Raum, um solche Erfahrungen anzusprechen, ebenso über Rückschritte wie Fortschritte auf dem Weg in ein suchtmittelfreies Leben zu reden.

Das erste Treffen findet am Dienstag, 26. Mai, von 19.30 bis 21 Uhr im Kolpinghaus Olsberg statt. Die Folgetermine sind immer dienstags zur gleichen Zeit am selben Ort.