Martyrium für 17-Jährige - Umfassendes Geständnis abgelegt

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Was wir bereits wissen
Er setzte sich in seinen Wagen, fuhr die gut 170 Kilometer von Köln nach Olsberg, besuchte das Grab seiner Eltern, um sich von ihnen zu verabschieden, verließ den Friedhof und wollte sich auf dem Parkplatz an der Konzerthalle umbringen. Der Selbstmordversuch misslang

Olsberg/Köln.. Seit Anfang Februar muss sich ein 52 Jahre alter gebürtiger Olsberger vor dem Landgericht Köln unter anderem wegen besonders schwerer Vergewaltigung verantworten. Heute läuft der dritte Verhandlungstag.

„Er wollte sich ernsthaft umbringen“, sagt sein Anwalt Volker Schröder (Essen), „er hat nach wie vor keine Erklärung für seine Tat.“ Die „Tat“ ist ein zweieinhalbtägiges Martyrium, das eine damals 17 Jahre alte Frau Ende September 2014 erleben musste. Unter einem Vorwand hatte der 52-Jährige, der nach Angaben seines Verteidigers zuvor noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, sein Opfer in sein Firmenfahrzeug gelockt und zu seiner Garage in Köln-Lindenthal gebracht.

Auf der Ladefläche seines Kastenwagens hatte er die geknebelte, gefesselte und einen Motorradhelm tragende Frau sexuell missbraucht. Sie konnte von der Polizei gerettet werden, nachdem der gebürtige Sauerländer seine Ehefrau in einem Telefonat aufgefordert hatte, in der Garage nachzuschauen.

Chef einer Gartenbaufirma

Seinem Rechtsanwalt zufolge hat der Wahl-Kölner gleich am ­ersten Verhandlungstag ein ­umfassendes Geständnis abgelegt. Er habe die Fragen des Gerichts ­detailliert ­beantwortet, habe alle ihm ­vorgeworfenen Taten ­eingeräumt und sich nicht hinter einer Ver­teidigererklärung versteckt, so Schröder.

„Er ist nicht in ­Selbst­mitleid versunken, er ist sich seiner großen Schuld bewusst.“ Der Chef einer Gartenbaufirma und eines Hausmeisterservices, bei dem die Mutter der 17-Jährigen als Reinigungskraft arbeitete, wird als voll schuldfähig eingestuft.

Ermittlungen Wegen des Geständnisses habe das junge Opfer nur zu den Folgen des Martyriums befragt werden müssen. Die junge Frau befinde sich nach wie vor in therapeutischer Behandlung. Eine persönliche Entschuldigung („wie beabsichtigt“) habe der Angeklagte noch nicht an sein Opfer richten können. „Die Frau wurde bei ihrer Befragung per Videokonferenz in den Gerichtssaal geschaltet.“ Sie wollte ihrem Peiniger nicht gegenübertreten.

Die Ehefrau des Angeklagten hält im übrigen nach wie vor zu dem Mann, dem eine Haftstrafe zwischen 5 und 15 Jahren droht (Schröder: „Eine anschließende Sicherungsverwahrung kann nicht verhängt werden, weil es sich um seine Straftat handele“). Das Paar sei seit 30 Jahren zusammen und führe eine glückliche Ehe. „Die Frau sieht schon das Leid des Opfers, liebt aber ihren Ehemann weiterhin.“

„Er wird mit der Tat nicht fertig“

An den beiden Verhandlungstagen heute und morgen sollen Polizeibeamte und Sachverständige aussagen. Möglicherweise kann bereits am morgigen Freitag das Urteil gesprochen werden. Anwalt Schröder: „Mein Mandant sagt immer wieder, dass er mit dieser für ihn nicht erklärbaren Tat einfach nicht fertig wird.“