Marsbergerin legt mit Umsicht Ganoven das Handwerk

Für couragiertes Verhalten geehrt: die Bankangestellten Christine Backhauß (l.) aus Marsberg-Westheim und Maike Neumeier  (Bad Aroslen) verhinderten, dass Trickbetrüger in Bad Arolsen einen Senior um ihre Ersparnosse brachten
Für couragiertes Verhalten geehrt: die Bankangestellten Christine Backhauß (l.) aus Marsberg-Westheim und Maike Neumeier (Bad Aroslen) verhinderten, dass Trickbetrüger in Bad Arolsen einen Senior um ihre Ersparnosse brachten
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Für ihr umsichtiges Verhalten, mit dem sie einen dreisten Trickbetrug verhinderten, haben Christine Backhauß aus Marsberg und ihre Kollegin Maike Neumeier die „Kasseler Polizeimedaille“ erhalten

Westheim/Kassel..  „Zivilcourage und der aufmerksame Blick, was um einen herum geschieht, sind nicht selbstverständlich. Dass sich Menschen einmischen, ist gelebte Gemeinschaft und deshalb unverzichtbar für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.“ Zu denen, an die die hessischen Justizministerin Eva Kühle-Hörmann diese Worte richtet, gehört Christina Backhauß aus Westheim.

Die 35-jährige Bankangestellte ist ein Vorbild. Und deshalb wurde sie Mittwochabend in einem Festakt im Polizeipräsidium Kassel mit der „Kasseler Polizeimedaille“ ausgezeichnet. Damit ehrt der Verein Bürger und Polizei couragiertes Verhalten in unserer Gesellschaft. Eckhard Sauer, Präsident des Polizeipräsidiums Nordhessen: „Diese Menschen haben durch ihr Handeln ein besonderes Zeichen gesetzt für ein vertrauensvolles Miteinander von Bürgern und ihrer Polizei“. Sie hätten „hingesehen, wo andere weggeschaut haben, sie haben gehandelt, wo andere lieber untätig geblieben sind“. Sauer weiter: „Ihr Verhalten war vorbildlich und hat für uns alle ein Zeichen gesetzt.“

Donnerstag, 2. Oktober 2014. Christine Backhauß, Leiterin der Geschäftsstelle Mengeringhausen der Waldecker Bank, und ihre Kollegin Maike Neumeier (36), erhalten Kundschaft. Ein 84 Jahre alter Kunde kommt und will Geld abheben. Ein hohe Summe. 14 000 Euro.

Christine Backhauß und Maike Neumeier werden stutzig. Hatte der Senior doch bereits am Tag zuvor bei ihnen 2800 Euro abgehoben. Bei den beiden Frauen schrillen die Alarmglocken: Haben doch auch sie von der perfiden Enkeltrick-Masche gehört, mit der dreiste Gauner gut- und leichtgläubige Menschen um ihre Ersparnisse bringen.

Unglaubliche Geschichte

Diskret fragen die beiden den alten Mann also nach der geplanten Verwendung des Geldes, denn: „Ich habe doch Veantwortung für meine Kunden, wenn es nach Betrug riecht“, sagt die Westheimerin.

Und die beiden Frauen hören eine unglaubliche Geschichte. Am Vortag hätten zwei reisende Scherenschleifer bei ihm geklingelt, erzählt der Senior. Der 84-Jährige nimmt ihre Dienste in Anspruch - und erhält eine horrende Rechnung. 2800 Euro soll er zahlen - und tut es. Da wittern die beiden Gauner weiteres leicht zu verdienendes Geld. Sie bitten den Senior um einen Kredit in Höhe von 14000 Euro. Dabei, so die Polizei später, gehen sie so geschickt vor, dass der Mann tatsächlich noch einmal zur Bank geht, um das Geld abzuheben. Das, so die Polizei, hätte er wohl nie wieder gesehen.

Zehn neue Träger der Polizeimedaille

Zum Glück trifft er in der Filiale erneut auf Christine Backhauß und Maike Neumeier. Beiden wird in dem Gespräch klar: Da ist was faul. Sie verweigern die Auszahlung des Geldes und setzen sich mit Einverständnis des Kunden mit der Polizei in Verbindung. Die eingeleiteten Observationsmaßnahmen verpuffen. Doch ein paar Tage später hilft Kommissar Zufall, wie Chrisgtine Backhauß weiß.

Während die Polizei noch einmal bei dem 84-Jährigen zu Hauses ist, um Formalien zu dem Fall zu erledigen, klingelt es. Die Gauner stehen vor der Tür. Sie werden vorläufig festgenommen. Es handelt sich um Mitglieder einer polizeibekannten Familie aus Frankenberg/Eder, deren Mitglieder wegen ähnlicher Fälle bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten sind.

Überraschende Einladung

Christine Backhauß und ihre Kollegin vergessen den Zwischenfall mit der Zeit. Bis sie im Januar die Einladung nach Kassel erhalten. Am meisten staunen sie, dass gerade sie zu dem kleinen Kreis der Geehrten gehören. Polizeichef Sauer: „In einer Zeit, in der man oft den Eindruck haben kann, dass sich viele nur noch selbst der Nächste sind, haben diese Menschen durch ihr Handeln in sehr lobenswerter Weise Zivilcourage und Bürgersinn bewiesen und gezeigt, dass es auch anders gehen kann.“