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Marsberger Hotelprojekt liegt erstmal auf Eis

20.01.2016 | 09:00 Uhr
Marsberger Hotelprojekt liegt erstmal auf Eis
Der Musterhof, oder Gut Wieringsen, liegt idyllisch auf einem Hochplateau am Fuße des Eresberges. Im Hintergrund die Stadt Marsberg. Hier möchte ein holländischer Investor einen Naturerlebnispark bauen.Foto: Dülme

Marsberg.   Die Zukunft des Gut Wieringsen bei Marsberg ist weiter ungewiss. Ein Investor, der dort ein Landhotel errichten wollte, hat mit Blick auf das Thema Windenergie Bedenken bekommen.

Das Gut Wieringsen wird wohl vorerst weiterhin im Dornröschenschlaf verharren. Daraus erwecken wollte es eigentlich Investor Helmut Fitz, Hotelfachmann aus Bad Arolsen. Er steht mit seiner Hotelentwicklung für Marken wie Ramada oder Treffhotels. Er wollte auf Gut Wieringsen (ehemals Musterhof) ein Landhotel errichten, für Menschen, die Erholung suchen in idyllischer Landschaft. Jetzt geht er auf Abstand.

Bürgermeister Klaus Hülsenbeck stellte Fitz auf dem Neujahrsempfang vor einem Jahr im Kloster Bredelar offiziell als interessierten Investor vor. Beim Neujahrsempfang vor einer Woche sagte der Bürgermeister, dass Helmut Fitz das Hotelprojekt erst einmal auf Eis gelegt habe und das Eis nur noch sehr dünn sei (WP berichtete).

Grund: die vielen Windenergieanlagen, die sich schon jetzt im Umfeld, besonders auf hessischer Seite drehen und die Unsicherheit bezüglich der noch zu erwartenden Windenergieriesen. Zumal der Regionalplan, Teilplan Energie, der Bezirksregierung noch nicht beschlossen ist. Fitz befürchtet dann noch eine weitere „Zukleisterung der Landschaft“. Die Argumentation gegen das Hotelprojekt bestätigt er jetzt auch gegenüber der WP und spricht von „Touristen abschreckenden Installationen“.

Andere Projekte werden vorgezogen

Denn die landschaftliche Top-Lage des Gutes sieht er als einen wesentlichen Erfolgsgaranten für das Hotelprojekt: „Uns schwebt ein Ferienerlebnis im Landgut vor.“ Und da würden die riesigen „Stromspargel“, wie er sich ausdrückt, stören. An das, was da möglicherweise noch hinzukommen könnte, zum Beispiel in Richtung Diemelsee, mag er gar nicht erst denken. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Urlauber aus Holland oder dem Ruhrgebiet kommend, kilometerweit durch von Windriesen zerspargelte Gegend fahren wollen und dann noch daran glauben, eine landschaftlich intakte Ferienanlage vorzufinden.“

Er habe in zwei europäischen Ländern gutgehende Hotelprojekte entwickelt – an Standorten, an denen der Erfolg nicht zu verhindern sei. Am Standort in Marsberg sieht er Probleme, die er auch schon im Kleinen erlebt habe. Einen Pferdebetrieb in direkter Nachbarschaft des Gutes hat er aufwendig saniert. Er hat ihn verkauft, aber nicht zu dem Preis, den er sich vorgestellt hatte.

Im vergangenen Jahr hat er elf Hotels modernisiert, 28 Mio. Euro in zwei Jahren investiert. In den 1970er Jahren hat er als 28-Jähriger den Sauerlandstern in Willingen gebaut. An Erfahrung und Risikobereitschaft mangelt es ihm also nicht, lässt er durchblicken. Aufgrund seiner Erfahrung könne er aber sagen: „Die Menschen wollen Qualität erleben.“ Er habe das Hotelprojekt noch auf seiner Liste stehen, werde aber andere, erfolgversprechende Projekte vorziehen. Wenn dann noch die momentan günstigen Zinsen ansteigen würden, sieht er ganz schwarz für das Hotelprojekt in Marsberg.

So düster sieht indes Bodo Strototte, kaufmännischer Betriebsleiter des Bau- und Liegenschaftsbetriebes des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL), als Eigentümer des 25 Hektar großen Anwesens dessen Zukunft nicht. Er findet es schade, wie er auf Anfrage der WP sagt, dass Helmut Fitz das Hotelprojekt nicht weiter verfolgen wolle.

Verhandlungen weiter möglich

Der LWL sei aber weiterhin auf der Suche nach möglichen Investoren. Strototte ist sich sicher, dass „das Anwesen im Sinne der Stadt Marsberg weiter entwickelt wird“. In den nächsten Wochen seien mehrere Gespräche mit möglichen Investoren geplant. „Wir denken in alle Richtungen.“ Strototte sieht die Verhandlungen mit Fitz als Vertreter der Ramada-Gruppe Deutschland, noch nicht endgültig als gescheitert an. „Wir können jederzeit wieder in Verhandlungen treten.“

Mit dem Gut Wieringsen hatten Stadt und LWL große Pläne. Ein Ferienpark sollte dort entstehen. Ein holländischer Investor wollte dies verwirklichen, war aber im Frühjahr 2012 abgesprungen. Dann wollte die Firma s.a.b. AG aus Friedrichshafen dort ein großzügiges „Gesundheitsressort Marsberg“ bauen, ein Feriendorf mit Gesundheitscharakter. Die s.a.b. AG hatte auch das Oversum in Winterberg realisiert. Nach den Turbulenzen dort hatte die Stadt Marsberg im April 2013 Abstand von einer weiteren Zusammenarbeit genommen.

Annette Dülme

Kommentare
20.01.2016
19:35
Marsberger Hotelprojekt liegt erstmal auf Eis
von gigalic | #1

In der heutigen Zeit ist es meines Erachtens vermessen zu glauben, daß eine Energieversorgung ohne Windkraftwerke auskommen wird. Ein potentieller...
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2016-01-20 09:00
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