Mädchenkleider aus Gardinenstoffen

Die 70-jährigen Kommunionjubilare vor der Bigger Pfarrkirche
Die 70-jährigen Kommunionjubilare vor der Bigger Pfarrkirche
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Weiße Sonntag 1945 war in Bigge geprägt durch die Ereignisse der letzten Kriegstage. Am Wochenende feiern die Kommunionkinder von damals ihr 70-jähriges Erstkommunion-Jubiläum.

Bigge..  Wenn am kommenden Samstag in der Bigger St. Martinus Pfarrgemeinde gut zwei Dutzend Frauen und Männer ihr 70-jähriges Kommunionjubiläum begehen, wird sicherlich auch der Weiße Sonntag 1945 ein Thema sein. Damals an jenem 7. April, als sich der Zweite Weltkrieg endlich dem Ende näherte, sollten in Bigge eigentlich 33 Mädchen und Jungen zur ersten Heiligen Kommunion gehen.

Wie einem Artikel vom damaligen Pfarrer Josef Schröder in der Chronik „Bigge im Strom der Zeit“ über die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs zu entnehmen ist, war das an dem Tag unter den chaotischen Umständen leider nicht möglich: „Bigge bot einen erschütternden Anblick, aber es war doch vor dem Abwurf eines Bombenteppichs bewahrt geblieben. Unsere Kirche war vorerst nicht zu benutzen, darum wurde der „Saal“ im Pfarrhaus zur Kapelle.“

Kein Glockengeläut

Auch rief kein Glockengeläut die Kinder zur Erstkommunionmesse, denn die Glocken waren bereits 1942 geklaut oder vielleicht auf Anweisung von oben klamm-heimlich konfisziert worden.

Pfarrer Schröder berichtet weiter über jenen Ostermontag, 2. April, als das gesamte obere Sauerland von den Alliierten unter Beschuss genommen wurde: „Zahlreiche Häuser (Hellermanns, Schettels, Kochs und die Adler-Apotheke) wurden auch in Bigge zerstört oder schwer beschädigt und was noch viel schlimmer ist, jede Menge Opfer waren zu beklagen. Als eine Granate in das Gewölbe der Kirche einschlug, kamen allein sieben Menschen in einem Schutzraum ums Leben. Zuvor war schon der Küster, Rendant und Organist Wilhelm Tielke (45) bei einem Kontrollgang durch die Kirche tödlich getroffen worden. In der Kirche selbst hatte der Beschuss eine Spur der Verwüstung hinterlassen: Säulen waren fortgerissen, die Orgel und Kirchentür zerstört und aus den Trümmern mussten noch etliche Verwundete geborgen werden.“ Und in Feuerpausen seien die Toten mit einem kleinen Wagen zum Friedhof gefahren worden, so Pfarrer Schröder in seinem Bericht.

Als der unsägliche Krieg zu Ende war, wurde die Feier der Erstkommunion am Pfingstsonntag (20. Mai) dann nachgeholt. Auch herrschte in St. Martinus wieder halbwegs Ordnung und die Messe brauchte nicht mehr im provisorisch hergerichteten Pfarrsaal stattfinden. Alles sei trotzdem recht feierlich gewesen, die Mädchen im weißen Kleid, welche die so genannte Nähtante aus Gardinen- oder anderen Stoffen gezaubert habe, die Jungen in einer Art dunklem Anzug mit kurzer Hose, schildern Klaus Isenberg und Karl-Heinz Krengel den „großen“ Tag. An großzügige Geschenke sei allerdings nicht zu denken gewesen. Er habe ein Weihwasserkesselchen, Hortensien und 380 Reichsmark bekommen. Ohnehin seien Geldgeschenke in jener Zeit äußerst gängig gewesen, auch wenn das Geld kaum noch etwas wert war, erinnert sich Klaus Isenberg. Und das obligatorische Kommuniongeschenk, ein Sursum Corda, habe es überhaupt kaum gegeben.

Nachbarschaftskaffee

Lediglich der Kommunionkaffee nach der Andacht mit Eltern, Geschwistern, Opa und Oma und Paten sei für damalige Verhältnisse recht opulent ausgefallen. Vom selbstgebackenen Kuchen sei genug, sogar für den so genannten Krümelkaffee (Nachbarschaftskaffee) am Montag da gewesen. Man machte in der damaligen Zeit, kurz nach dem Krieg, einfach das Beste daraus.