Landwirt aus Brilon zu Milchpreisen: „Man muss eben Rücklagen bilden“

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Was wir bereits wissen
Im Sommer wird die Superabgabe für Milchbauern fällig. In Südwestfalen wurden 6,4 Prozent mehr Milch erzeugt als im Vorjahr. Um etwa die gleiche Prozentzahl ist die Zahl der Milchviehbetriebe gesunken - auf jetzt noch rund 1100. Einen solchen Hof führt Heinz Bernd Schmidt in Brilon.

Brilon/Hagen.. 2014 war ein gutes Jahr für die südwestfälischen Milchbauern. Doch genau das könnte 2015 ein Problem darstellen. Denn im Sommer wird die Superabgabe fällig, die Strafzahlung für die Überschreitung der zugeteilten Quote. Und so wie es derzeit aussieht - das Milchjahr endet immer erst am 31. März - haben die Kühe in NRW 4,5 Prozent mehr Milch gegeben als vorgesehen.

In Südwestfalen ist die Milcherzeugung im Vergleich zum Vorjahr um 6,4 Prozent gestiegen. Um etwa die gleiche Prozentzahl ist die Zahl der Milchviehbetriebe gesunken - auf jetzt noch rund 1100.

Einen solchen Hof führt Heinz Bernd Schmidt in Brilon. Er ist Vorsitzender des Milchausschusses im Hochsauerlandkreis. Und auch er ist mit dem abgelaufenen Jahr, das einen Durchschnittspreis von 37,5 Cent pro Kilo Milch brachte, zufrieden. Weniger aber mit der Tendenz: „Das Jahr hat sehr gut angefangen, dann gab es eine Delle im Sommer und dann kam die Russlandkrise.“

Die sei spürbar, weil ein Drittel des deutsches Käses früher nach Russland gegangen sei. Und es greife die Preis-Psychologie: „Bei einem vermuteten Überangebot will jeder weniger zahlen.“ Jedenfalls ist der Kilopreis von 40 Cent am Jahresanfang auf jetzt durchschnittlich 30 Cent gefallen. Das war schon schlechter. Aber wenn in eine nicht optimale Phase die Super-Abgabe schlage, dann „könnten viele Landwirte an ihre Liquiditätsgrenze kommen“, sagt Hans Stöcker, Vorstand der Landesvereinigung der Milchwirtschaft (LV Milch) NRW.

Quotensystem endet im März

„Man muss eben Rücklagen bilden“, meint Schmidt. Und zwar ordentliche. 14 Cent pro Kilo über der Quote habe jeder Milchbauer 2014 ans Hauptzollamt abführen müssen, 2015 dürfte die Zahlung noch deutlich höher liegen. Genau lasse sich kaum ausrechnen, was auf einen zukomme, meint Frank Feuerriegel von der LV Milch in Krefeld: „Das ist eine Wundertüte.“ Ob sich die Überproduktion gelohnt hat, zeigt sich erst hinterher. Warum macht man es also? „Weil wir mit Tieren arbeiten und nicht einfach den Schalter umlegen können“, sagt Heinz Bernd Schmidt.

Dabei wird künftig flexibles Reagieren noch wichtiger. Denn das System der EU-Milchquoten endet am 31. März dieses Jahres. Dann regiert der Markt. Und der Schweinezyklus hält Einzug in die Milchwirtschaft, befürchtet Schmidt, also das Phänomen, dass die Produzenten immer erst mit Verzögerung auf die Preise reagieren können. Deshalb fordert er von der Politik, Rücklagen für daraus entstehende Risiken wenigstens zum Teil steuerfrei zu stellen.

Aber auf die Politik ist der Landwirt aus Brilon-Rösenbeck ohnehin nicht so gut zu sprechen. Die ständig gestiegenen Auflagen sind es seiner Meinung nach, die viele kleine Betriebe zur Aufgabe gezwungen haben. Schmidt selbst hat zur Zeit 80 Milchkühe. Für 90 wäre Platz im Stall.

Handel senkt die Preise

Und so viele werden es auch werden. Denn langfristig sieht er gute Perspektiven: „Wir werden kaum hinterherkommen, die wachsende Zahl der Menschen auf der Welt zu ernähren.“ Kurzfristig haben er und seine Kollegen aber zunächst damit zu kämpfen, dass die großen Lebensmittelhändler zum Jahresende die Milchpreise deutlich abgesenkt haben.