Kulinarisch andere Länder kennenlernen

Beim Fest der Völker im ev. Gemeindezentrum Brilon tragen diese beiden Kinder einen Eine Welt-Erdball-Ballon.
Beim Fest der Völker im ev. Gemeindezentrum Brilon tragen diese beiden Kinder einen Eine Welt-Erdball-Ballon.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ein Fest der Völker wurde an Pfingsten zwischen evangelischer Stadtkirche und Gemeindezentrum Brilon gefeiert.

Brilon..  „Wenn die Integration bei allem so gut klappen würde wie beim Essen, hätten wir keine Probleme“, so das Fazit von Integrationspate Hauke Möller beim „Fest der Völker“ am Pfingstsonntag in Brilon.

Zwischen evangelischer Stadtkirche und Gemeindezentrum hatten Flüchtlinge aus mehr als 15 Nationen ein reichhaltiges Buffet mit Speisen aus ihren Heimatländern bereitet, denn es gab einen Grund zum Feiern: das „Café International“, von Presbyterin Monika Große-Vollmer gegründet, besteht jetzt schon ein Jahr. Einmal im Monat treffen sich im Gemeindehaus 20 bis 40 Flüchtlinge und auch ihre Integrationspaten sind mit dabei.

Kommunikations-Schnittstelle

„Das Café ist eine supertolle Idee mit einer guten Atmosphäre“, berichtet Jasna aus Kroatien. Die 16-jährige Schülerin lebt seit einem Jahr in Brilon und besucht das Gymnasium Petrinum. Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer sieht das Café als „Kommunikations-Schnittstelle von ca. 15 Nationen“ und findet, dass besonders die zahlreichen Kinder der Migranten das Gemeindezentrum beleben.

Vaskat ist vor 18 Monaten aus Bangladesh in den Raum Brilon gekommen. Dort hatte er bereits das Abitur und verfügt schon über erstaunliche Deutschkenntnisse. „Das Essen ist lecker“, meint er zu den Speisen aus Pakistan und Afghanistan, die er gerade probiert. Im Oktober beginnt er eine Ausbildung als Altenpfleger. Und wie schmecken den zahlreichen Brilonern die Gerichte aus der Heimat der Flüchtlinge? „Scharf, aber interessant“, findet Ludger Schütte das Essen aus Ghana. „Der albanische Mandelkuchen ist einfach fantastisch“, lobt seine Frau Hanna. In Afghanistan essen sie „süß, aber etwas scharf“, meint die 16-jährige Sofie Möller.

Auch aus Nigeria, Eritrea, Tibet, dem Iran oder Guinea bieten Migrantinnen und Migranten, die teils landestypische Kleidung tragen, Deftiges und auch süße Speisen an. Bunte Flaggen aus ihren Herkunftsländern schmücken die Essensstände und indische Musik tönt aus dem Lautsprecher. Briloner und Menschen verschiedener Nationalitäten sitzen gemeinsan an den Tischen und genießen auch Sauerländer Bier zu Wok-Gerichten aus China. Zahlreiche Kinder haben ihren Spaß mit bunten Luftballons. Eins der jüngsten schläft auf dem Arm seiner Integrationspatin Manuela Henke aus Hoppecke: Han Ingrid ist vor dreieinhalb Monate in Brilon geboren worden. Ihre Eltern kommen aus Ghana und werden in Brilon bald eine Wohnung beziehen. Seit einigen Monaten nehmen sie an einem Deutschkurs bei der VHS teil. „Die wollen sich integrieren und hoffen, dass sie hier bleiben können“, beschreibt Manuela Henke deren Situation. Aus seiner Tätigkeit als Integrationspate in Gudenhagen weiß Hauke Möller: „Vieles wird unbürokratisch und spontan geregelt, es ist irgendwie immer eine Lösung da.“ Die Möglichkeit der Kontaktaufnahme zu Flüchtlingen hat für Monika Große-Vollmer auch das Ziel, die „Gesichter hinter den Zahlen und die Beziehungen untereinander deutlich werden zu lassen.“

Bürger wollen aktiv mithelfen

Sehr angetan vom multikulturellen Miteinander beim „Fest der Völker“ zeigt sich auch Brilons Bürgermeister Dr. Christof Bartsch: „Stark, was hier abgeht! Das persönliche Engagement der Integrationspaten ist ein Wert für unsere Gesellschaft! Und die Asylbewerber packen hier mit ins Rad!“ Beim regen Austausch zum Thema „Hilfe für Flüchtlinge“ äußern Briloner ihre Bereitschaft, bei einzelnen Aktionen gezielt mitzuhelfen, als Alternative zu einer eher zeitintensiven Aufgabe als Integrationspate. Und: „Auch Einheimische leiden Not, die sollten wir nicht vergessen“, geben manche zu bedenken.

Das „Fest der Völker“ wird als gelungenes Beispiel für gelebte Integration dazu beigetragen haben, dass Brilon und seine Menschen für Flüchtlinge ein Stück mehr zur neuen Heimat „Home – away from home“ geworden ist.