Kreuzweg als großes Konzerterlebnis

Marsberg..  „Diese Geschichte erfasst mich jedes Mal tief innerlich, zusammen mit der Musik, den Texten und den Bildern.“ Die Konzertbesucherin brachte zum Ausdruck, was wohl allgemeiner Eindruck war: Die Aufführung des Kreuzweges von Marcel Dupré in der Marsberger Propsteikirche erfasste das Publikum an den tiefsten Emotionen.

Etwa 170 Gäste waren der Einladung der Propsteigemeinde und der Kantorei Marsberg gefolgt. Die Erwartungen waren sehr hoch – bezogen auf die Musik, aber auch auf das historische Gesamtkunstwerk mit den passenden Texten des französischen Schriftstellers Paul Claudel. Und diese Erwartungen wurden noch übertroffen.

Jede Kreuzwegstation wurde eingeleitet von einer Betrachtung Claudels – einfühlsam gelesen von Edel Schulte-Bunse. Die dazu auf eine Leinwand eingeblendeten Kreuzwegstationen aus der Propsteikirche rückten auf diese Weise in eine ungewohnte Aufmerksamkeit.

Musik erzeugt Gänsehaut

Und dann erklang die Musik. Mal laut und bebend wie beim Erdbeben, mal tumultartig, wie die Menschenmenge im Praetorium des Pontius Pilatus, als sie „Kreuzige ihn“ rief und die Freilassung des Barabas skandierte. Im nächsten Moment, als Jesus seiner Mutter Maria auf dem Kreuzweg begegnete, der Veronika mit ihrem dargereichten Schweißtuch oder den weinenden Frauen, erklang aus der Musik unglaubliche Tiefe und schmerzverzerrte Zärtlichkeit.

Die Leitmotivik der sieben letzten Worte Jesu, verklingend in der Einsamkeit Golgothas, und die Hammerschläge der Kreuziger, alles zusammen besorgte die Gänsehaut, die das Publikum erfasste.

„Er ist ein wahrer Meister seines Fachs“, so hatte Propst Kemper den noch jungen Organisten Sebastian Freitag aus Paderborn zur Begrüßung vorgestellt – und dies unterstrich der Künstler mit jeder Note seines virtuosen Spiels.

Einmal mehr bescherte er den Marsberger Gästen ein großes Konzerterlebnis, das gleichzeitig den Glauben in der Zeit der Vorbereitung auf Ostern mit einem wichtigen Impuls versah.

Dabei unverzichtbar behilflich war Sebastian Freitag die Fischer- und Krämer–Orgel, die eines der Hauptwerke des Komponisten höchst authentisch wiederzugeben vermochte, obwohl es seinerzeit für die deutlich größeren Orgeln der französischen Romantik geschrieben war.