Kölner Pansch-Skandal erschüttert Sauerländer Bier-Szene

Marsberg-Westheim: Die ortsansässige Brauerei soll in den Kölner Panscher-Fall verwickelt sein.
Marsberg-Westheim: Die ortsansässige Brauerei soll in den Kölner Panscher-Fall verwickelt sein.
Foto: Hans Blossey
Was wir bereits wissen
Ein Kölner Getränkehändler soll Fässer umgefüllt haben. Die Westheimer Brauerei aus dem Hochsauerland ist seit sechs Jahren Lieferant.

Hagen/Marsberg/Köln.. Ein neuer Bierpansch-Skandal erschüttert mitten in der absatzstarken heißen Jahreszeit die Verbraucher in NRW. Ein Kölner Getränkegroßhändler soll eigens für ihn unter seiner Hausmarke „Bachsteiner“ hergestelltes obergäriges Bier unter dem Namen renommierter Brauereien als teures Marken-Kölsch an Gastronomen verkauft haben. Auch Pils und Weizen sollen gepanscht worden sein. Die Westheimer Brauerei in Marsberg soll in den Fall verwickelt sein.

1400 Fässer beschlagnahmt

„Wir haben 1400 Bierfässer beschlagnahmt“, bestätigt der Kölner Polizeisprecher Krey unserer Redaktion. Derzeit werde analysiert, ob die Biersorten darin mit den Etiketten übereinstimmten. Gegen zwei Verantwortliche eines Kölner Getränkemarktes liefen Ermittlungen. Dabei soll es sich nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeigers“ um zwei 42- und 34-jährige Brüder handeln. Dem Sprecher zufolge werde nicht gegen Brauerei-Inhaber ermittelt. Auch seien keine Brauereien durchsucht worden.

Betrug Als „Bachsteiner“ gehen „einige hundert Fässer obergäriges Helles“ im Jahr vom Sauerland ins Rheinland, sagt Freiherr von Twickel, Seniorchef der Gräflich zu Stolberg’schen Brauerei Westheim, wie das Unternehmen heißt. Er sagt: „Die Fässer gehören dem Kunden.“ Er sei von der Entwicklung überrascht worden. Am Donnerstag habe er von den Vorwürfen erfahren. Nächste Woche ist der Unternehmer zu einer polizeilichen Vernehmung geladen - „als Zeuge“.

Kleine Marken sind nicht so verdächtig

„Hinter der Tat des Kölner Händlers steht eine hohe kriminelle Energie“, sagt Ulrich Biene, Sprecher der Veltins-Brauerei. „Man nimmt nicht die großen Marken, sondern kleine. Die sind unverdächtiger.“ Zuletzt habe es in den 1980er- und 90er-Jahren eine Zahl ähnlicher Fälle gegeben. Viel spreche dafür, dass ein Händler leere Fässer gesammelt habe - „die sind rar und werden schnell zurückgeführt.“ Solche Aktionen seien immer befristet, da es eine große Zahl von Mitwissern gebe: Jemand, der die leeren Fässer umschleust, einer, der neu abfüllt, Lkw-Fahrer.

„Der Fall ist wegen des Umfüllens der Fässer nachts auf dem Betriebshof aufgefallen“, ergänzt Krombacher-Sprecher Weihrauch. Nachbarn hätten sich über den Lärm beschwert. Weihrauch nimmt auch die belieferten Gastronomen in Haftung: „Die müssen wissen, dass es Markenbier zu diesem Preis nicht gibt.“ Das Ausmaß habe ihn überrascht, räumte Weihrauch ein. Aber Köln sei ein besonders schwieriger Markt.

Auftrag besteht seit sechs Jahren

Seit etwa sechs Jahren besteht in Westheim der Brauauftrag für den Getränkehändler aus Köln. Der führt in seinem Sortiment die gängigen Kölsch-Klassiker wie Gilden, Gaffel, Früh und Sünner. Und eben auch die Hausmarke „Bachsteiner“ - als Pils, Hefeweizen und Obergäriges in den üblichen Gebinden von 20, 30 oder 50 Litern.

Neben dem eigenen Sortiment von Pils über Dunkles bis hin zu Hefeweizen brauen die Westheimer Sonderchargen nicht nur im fremden Auftrag, sondern auch unter eigenem Namen. Etwa für den chinesischen Markt. Das läuft zum einen unter der Hausmarke, aber auch als „Hirschbräu“. „Vor allem die 5-Liter-Partyfässchen sind dort ein Renner“, sagt von Twickel. Rund 50 000 Hektoliter beträgt der Ausstoß pro Jahr. Das 1862 gegründete Familienunternehmen beschäftigt derzeit 30 Mitarbeiter.