„Klangkosmos“-Reihe wechselt die Konfession
28.09.2012 | 18:03 Uhr 2012-09-28T18:03:00+0200
Brilon. Die Reihe „Klangkosmos Weltmusik“ wird nicht mehr in der St.-Michael-Kirche Gudenhagen stattfinden. Die Konzerte wechseln nach rund sechsjähriger Tradition in die Evangelische Stadtkirche (WP berichtete kurz). „Der Kirchenvorstand hat mich vor einigen Wochen zu einem Gespräch über weitere Konzerte in den Briloner Kirchen eingeladen“, sagt Thomas Mester von Brilon Kultour. Anlass sei eine neue Richtlinie für Kirchenkonzerte im Erzbistum Paderborn gewesen, die sich mit den weltmusikalischen Konzerten nicht immer in Einklang bringen ließe. Mester: „Wir sind deshalb nicht zerstritten, es gibt auch keine Spannungen zwischen der Kirchengemeinde und uns. Das Programm der Kerzenkonzerte in St. Nikolai und auch das Weihnachtskonzert in der Propstei sind davon nicht betroffen.“
Die Richtlinien aus Paderborn sind in der Tat noch relativ frisch. Sie wurden im November 2011 im Kirchlichen Amtsblatt veröffentlicht. „Sie gehen aber schon auf einen Erlass des Vatikans aus dem Jahre 1987 zurück, der 2005 von den deutschen Bischöfen konkretisiert wurde“, sagt Thomas Throenle von der Pressestelle des Erzbistums in Paderborn. „Als für Kirchenkonzerte geeignete musikalische Werke gelten nur solche, die mit der Würde des Kirchenraums in Einklang stehen und liturgische oder wenigstens geistliche Musik sind“, heißt es da u.a. im Absatz 2.
Nicht in Entscheidung eingebunden
Brilons Propst Dr. Reinhard Richter erklärte gegenüber der WP, er sei in diese Entscheidung gar nicht eingebunden gewesen. Er persönlich könne jeder Musik eine religiöse Dimension abgewinnen. „Jedoch wollen die Bischöfe verhindern, dass die Kirchen als Gebäude für jegliche Konzertveranstaltung zur Verfügung stehen und damit einen sakralen Charakter verlieren“, so der Propst und verweist auf einen weiteren Passus der Diözesanordnung: „Als Ort der gottesdienstlichen Versammlung und der liturgischen Feiern und des sich in ihnen vollziehenden Heilsgeschehens hat der Kirchenraum seine ihm eigene Würde. Es verbietet sich daher, den Kirchenraum beliebig - z. B. aus rein finanziellen Gründen - als Konzertsaal anzusehen. Auch das Fehlen eines geeigneten Saales am Ort ist kein Grund, die Kirche für jedwedes Konzert, auch wenn es ein hohes künstlerisches Niveau aufweisen würde, zur Verfügung zu stellen.“
Als sogenannter Rector Ecclesiae (Kirchenrektor) komme ihm letztlich die Entscheidung zu, aber verboten habe er nichts. Dr. Richter: „Herr Mester hat sich eben so entschieden und warum soll sich unsere evangelische Schwestergemeinde nicht auch mal über ein Konzert in ihrer Kirche freuen dürfen? Ich finde es immer wieder beachtlich, wie emsig sich Herr Mester zur Belebung der Kulturlandschaft in Brilon bemüht und in guter Kooperation auch mit der Propstei neue Wege erstrebt.“
Konzert am 19. Oktober
Die Evangelische Kirchengemeinde gab spontan grünes Licht, um die Weltmusikreihe in die Stadtkirche zu holen. Pfarrer Rainer Müller: „Man sollte den Begriff Kirchenmusik nicht zu eng fassen. Wenn Menschen Musik machen, dann hat das was mit ihrer Seele und mit ihrem Innersten zu tun. Ich sehe darin eine gute Möglichkeit der Begegnung, auch der Begegnung mit anderen Menschen und anderen Kulturen und eine Möglichkeit Kirche und Kirchenraum zu entdecken.“
Am Freitag, 19. Oktober, um 20 Uhr gibt es ein Konzert mit dem Motto „Waves - Jazz wird Kirchenmusik“. Am darauffolgenden Sonntag soll die Formation den Gottesdienst in der Stadtkirche mitgestalten.
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