Klangbrücken zwischen den Kulturen errichten

Schirin Partowi bei einem spektakulären Konzert im Berliner Hauptbahnhof. Am 3. Juli kommt das Ensemble zu einem Konzert nach Brilon
Schirin Partowi bei einem spektakulären Konzert im Berliner Hauptbahnhof. Am 3. Juli kommt das Ensemble zu einem Konzert nach Brilon
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Musikalische Brücken zwischen den Kulturen will ein ganz besonderes Konzert im Rahmen des Spirituellen Sommers schlagen. Die Briloner Sängerin Schirin Partowi kommt mit ihrem Ensemble nach Brilon.

Brilon..  Nein, dies ist kein normales Konzert. Das ganze Projekt ist eine Musik gewordene Idee. Eine Idee, die ein Ideal verfolgt. Ein Versuch, mit Tönen und Worten Brücken zu bauen. Brücken der Verständigung zwischen unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Weltanschauungen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Spiritueller Sommer“ findet eines der herausragendsten Konzerte am Freitag, 3. Juli, im Bürgerzentrum Kolpinghaus statt. Die in Brilon geborene Sängerin Schirin Partowi kommt mit dem Ensemble „Avram“, um Klangbrücken zwischen den Kulturen zu errichten.

Kein Thema könnte aktueller sein. Denn immer mehr Menschen aus anderen Ländern sind auf der Flucht und auf der Suche nach einer neuen Heimat. Die Flüchtlingswelle ist auch im Sauerland angekommen; aber sie bietet auch die Chance, sich mit anderen Kulturen auszutauschen, sie kennenzulernen, sich ihnen mit Interesse und gegenseitigem Respekt zu nähern.

Menschen zusammenbringen

Die Veranstaltung in Brilon soll mehr als nur ein Konzert mit symbiotischer Musik aus Jazz, Klassik, Klezmer oder Weltmusik werden. „Wir arbeiten daran, ganz bewusst Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen in unserer Stadt zusammenzubringen. Wir werden sie einladen und vielleicht kann auch jeder etwas zu seiner Herkunft und zu seinen religiösen Wurzeln sagen“, hofft Brilons Bürgermeister Dr. Christof Bartsch. Und vielleicht sind das sogar nicht nur die offiziellen Vertreter der jeweiligen Gemeinden.

Diese integrative Idee verfolgt auch die 2010 in Essen gegründete, interkulturelle Gruppe „Avram“. Die sechsköpfige Formation plus Sprecher besteht aus gestandenen Künstlern, die mit Westernhagen, BAP oder Sting zusammenarbeiten. Ihre Musik ist nicht nur ein musikalischer Genuss, weil sich die unterschiedlichen Strömungen zu einer neuen Stil-Form der Musik vereinen.

Alt-Stimme

Das Ensemble versteht sich als klingendes Beispiel dafür, dass Friedensfähigkeit zwischen verschiedenen Kulturen erlernbar und möglich ist. Ob christlicher, jüdischer oder muslimischer Hintergrund – hier wird die Vision eines harmonischen Zusammenlebens im Zusammenspiel Realität.

„Letztlich sind wir doch alle auf der gleichen Reise, wir wollen in Frieden und Freiheit zusammenleben“, sagt die gebürtige Brilonerin Schirin Partowi, die in Bonn lebt und arbeitet. Sie ist die Alt-Stimme von „Avram“ und war an der Musik für den Kinofilm „Der Medicus“ beteiligt (wir berichteten). Es könne in einer multikulturellen Gesellschaft im Hinblick auf eine lebenswerte Zukunft nur darum gehen, das Andere in seiner Verschiedenheit und seiner Vielfalt anzuerkennen, das Gemeinsame, den wechselseitigen Einfluss zu erkennen und daraus ein tiefer gehendes Verständnis füreinander zu entwickeln, sagt sie. Schirin Partowi singt in mehr als zehn Sprachen. „Einen Großteil spreche ich selber, aber nicht alle. Beim Erlernen der Texte helfen mir Muttersprachler.“

Herzensangelegenheit

Selbst die Bibel erzählt von Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher religiöser Herkunft. Wenn die Königin von Saba zum Beispiel den König Salomo besucht, um seine Weisheit zu prüfen und überwältigt von dem ist, was sie sieht. Den Musikern sei es eine Herzensangelegenheit, in einer Zeit der religiös motivierten politischen Unruhen ein Statement gegen Extremismus zu setzen und einen Weg des Friedens in gegenseitigem Kennen- und Schätzenlernen zu formulieren.