Kaum Wildwest, aber trotzdem ein Highlight

Dallas/Winterberg..  Weg von vielen Bergen, grünen Wäldern und kalten Wintertemperaturen: Für 25 Schüler und Schülerinnen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums hieß es wieder: Trockene Wiesen, viele Kakteen und warme Temperaturen. Am 23. März machten wir uns auf in ein für uns vollkommen neues Abenteuer: Amerika! Nachdem die Lufthansa uns mit ihrem Streik sprichwörtlich einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und wir erst einen Flieger zwei Tage später nehmen konnten, warteten drei spannende Wochen auf uns, in denen wir für unser weiteres Leben viel mitgenommen haben. Wir lebten für zwei Wochen in Gastfamilien, gingen mit unseren Austauschschülern in die High-School und lernten das amerikanische Leben kennen.

Cheerleading als Schulfach

Zunächst einmal ist uns allen sofort aufgefallen, wie freundlich und offen die Menschen dort sind. Egal, ob in der Schule, im Supermarkt oder auf der Straße: Fast immer wird man mit einem ,,Hey, how are you doing?“ begrüßt. Man hörte jedoch nach einigen Tagen immer öfter, z.B. von deutschen Einwanderern in Texas, dass diese Freundlichkeit doch nicht immer echt gemeint ist und viele Menschen ihre Nettigkeit vorspielen. Auch ein ,,I love you“ geht in Amerika sehr viel schneller über die Lippen, was daher auch die Bedeutung verliert.

In den zwei Wochen, in denen wir die Boswell High-School besucht haben, sind uns viele Unterschiede zu unserer vergleichsweise kleinen Schule im Sauerland aufgefallen: Nicht nur die Schulzeiten waren anders, auch bei der Zusammenstellung ihrer Fächer hatten die Schüler viel mehr Freiheiten. So hatte eine Cheerleaderin ihr Hobby als ein richtiges Schulfach, genauso wie es Theater, Football oder Band als ein Fach zu wählen gab. Man hat dort die Möglichkeit, das zu lernen, was einem Spaß macht. Auch insgesamt gestaltet sich der Unterricht dort sehr viel entspannter und die meisten Schüler sitzen im Unterricht mit ihren Musikstöpseln in den Ohren.

In der letzten Woche sind wir in den Süden von Texas gereist, um mehr von diesem einzigartigen Land kennen zu lernen. Zunächst sind wir nach San Antonio gefahren, einer der schönsten Städte der Welt mit dem legendären „Riverwalk“. Dieser kleine Fluss mit vielen Restaurants und Geschäften liegt inmitten der Stadt und zieht viele Touristen an. Anschließend sind wir mit unserem gelben Schulbus nach Fredericksburg gefahren, eine von deutschen Einwanderern gegründete Stadt mit viel deutschem Einfluss. So war es natürlich für uns als Deutsche sehr interessant, wie denn ein Wiener Schnitzel in Amerika schmeckt, was sich als gar nicht so schlecht erwiesen hat. Ein weiteres Highlight war der Besuch im American Airlines Stadium der Dallas Mavericks mit ihrem deutschen Star Dirk Nowitzki.

Insgesamt hatte man vor der Reise bestimmte Vorurteile von Texas, die wahrscheinlich viele von euch auch haben. Tatsächlich ist es dort nicht mehr so, wie in den alten Western Filmen. Es gibt zwar eine Touristenattraktion, in der Cowboys wie damals im Wilden Westen mit ihren Longhorns rumlaufen, grundsätzlich trifft man dort aber nur wenige echte Cowboys an.

Waffen sind ihnen sehr wichtig

Auch die Landschaft ist weitaus grüner und schöner als man es sich vorgestellt hat, was sich aber im Hochsommer verändert. Das Motto „Everything is bigger in Texas“ hat sich schon in vielen Punkten bestätigt, sei es in der Schule, in Einkaufsmalls oder bei Autos. Auch die Vorurteile zum Thema Essen haben sich teilweise bestätigt: Zwar ist das Essen dort sehr viel fettiger als in Deutschland, so viele übergewichtige Menschen wie erwartet hat man dort aber nicht gesehen.

Was mir von vielen Texanern mit auf den Weg gegeben wurde, ist, dass Texas schon ein Volk für sich ist. Geprägt von sehr viel Nationalstolz sind vor allem Waffen für die Texaner, egal welchen Alters oder Geschlechts, sehr wichtig. Außerdem hört man überall abweisende Kommentare gegen ihren Präsidenten und sogar im Souvenirshop kann man einen „Countdown bis zu Obamas letztem Tag“ erhalten.

Alles in allem haben wir viel von dieser Reise mitgenommen, auf unterschiedliche Weise. Dem einen hat die entspannte Lebensweise der Amerikaner mehr gefallen, die anderen haben gemerkt, wie wichtig ihnen doch unsere deutsche Genauigkeit ist. Bei einem Punkt sind wir uns aber wirklich einig: Eine solche Reise erleben zu dürfen war eine super Chance und diesen Austausch wird niemand vergessen!