„Kampf um Marsberg“ prägte Kreisreform

Die Frage, zu welchem Kreis die Orte Westheim (hier die Autobahnauffahrt), Oesdorf, Essentho und Meerhof gehören sollten, wurde zum Zankapfel.
Die Frage, zu welchem Kreis die Orte Westheim (hier die Autobahnauffahrt), Oesdorf, Essentho und Meerhof gehören sollten, wurde zum Zankapfel.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Genau vor 40 Jahren war die kommunale Gebietsreform beendet. Damit entstand der neue Hochsauerlandkreis.

Brilon..  Dem BRI auf dem Nummernschild trauert mancher auch nach 40 Jahren noch nach. Am 1. Januar 1975 endete, was 1817 mit der Zusammenlegung der Ämter Brilon und Marsberg begonnen hatte: der Kreis Brilon war Geschichte. Der Wälzer, der die Landkarte veränderte, liegt noch im Redaktionsarchiv. Er ist 648 Seiten stark und wiegt 1620 Gramm. Am 15. März 1974 hatte das Innenministerium in Düsseldorf seinen „Vorschlag zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Sauerland/Paderborn“ vorgelegt. Das Werk lieferte die Strukturdaten zu dem Mammut-Unternehmen. Es betraf in den Regierungsbezirken Arnsberg und Detmold ein Gebiet von 7795 qkm und 1 946 177 Einwohner – oder 23 Prozent der Landesfläche und 11,3 Prozent der damaligen Bevölkerung.

Größter Kreis in NRW

Mit dem Zusammenschluss der drei selbstständigen Kreise Arnsberg, Brilon und Meschede entstand der mit 1960 qkm bis heute flächengrößten Kreis NRWs; bundesweit nimmt der HSK heute unter den 295 Landkreisen Platz 33 ein.

Bis 1975 bestand der Kreis Brilon aus 63 Gemeinden und Städten, die in sechs Ämtern (Thülen, Bigge, Niedersfeld, Hallenberg, Medebach und Niedermarsberg) sowie die drei amtsfreien Städte Brilon, Obermarsberg und Winterberg zusammengefasst waren. Grimlinghausen, bis dahin Amt Thülen und mit der Reform nach Bestwig gewechselt, war mit 43 Einwohnern die kleinste, die Kreisstadt Brilon mit 14 278 Einwohnern die größte.

Politisches Ziel der Gebietsreform war eine, wie es hieß, „strukturelle Maßstabvergrößerung“: Kommunen müssten mindestens 5000 Einwohner groß sein, um ihnen Entwicklungsperspektiven zu bieten, meinte man damals.

Dr. Müllmann alter und neuer OKD

Einer, der maßgeblich die kommunale Neugliederung mitgeprägt hat, ist der damalige Oberkreisdirektor des Kreises Brilon, Dr. Adalbert Müllmann. Im November 1958 hatte der heute 92-Jährige den Platz an der Verwaltungsspitze des Kreises Brilon angetreten, und auch dem HSK stand er noch bis 1987 vor. Der „Kampf um Marsberg“ sei eine besondere politische Herausforderung gewesen. Denn die Stadt Niedermarsberg zog es nach Paderborn, während die dem Amt Niedermarsberg angehörenden Gemeinden und auch die selbstständige Stadt Obermarsberg nach Brilon wollten. „Politische brisant“, so Dr. Müllmann wurde die Auseinandersetzung dadurch, dass der damalige Landrat des Kreises Brilon, Bertram Biederbick, ein Niedermarsberger war und die Paderborn-Lösung bevorzugte. Was im Herbst 1974 zu seinem Rücktritt führte.

Auch um die vier Gemeinden aus dem Amt Wünnenberg gab es eine Kontroverse. Der Oberkreisdirektor des Kreises Büren wollte sich lediglich von Westheim (12,03 qkm/ 1851 Einwohner) trennen, Essentho (12,22 qkm/1115 Einwohner), Oesdorf (8,73 qkm/710 Einwohner) und Meerhof (812,18 qkm/1067 Einwohner) wollte er wegen der Verflechtungen mit Wünnenberg und Fürstenberg behalten.

Abschiedsfeier der Gemeinden

Das Land folgte aber dem Vorschlag von Dr. Müllmann, am östlichen Rand des Kreises Brilon durch die „Beseitigung überholter Gemeindestrukturen und hinderlicher Kreisgrenzen bessere Voraussetzungen für eine gemeinsame mitttelzentrale Entwicklung dieses mannigfach miteinander verflochtenen Gebietes zu schaffen“ (siehe Grafik).

In der Kur- und Konzerthalle Olsberg gab es für die Gemeinden des Kreises Brilon eine Abschiedsfeier. Dr. Müllmann damals: „Immer, auch in Zukunft, werden die Berge und Täler des Sauerlandes, werden die kleinen und großen Orte des jetzigen Kreises Brilon das bleiben, was sie heute sind: Unsere Heimat, die Heimat unserer Kinder, der wir uns in guten und schlechten Tagen verpflichtet und verbunden fühlen.“