Käufer haben kein Interesse mehr an ehemaliger Grundschule

Die seit Jahren leerstehende Grundschule in Essentho ist inzwischen zum Streitobjekt geworden.
Die seit Jahren leerstehende Grundschule in Essentho ist inzwischen zum Streitobjekt geworden.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Seit Jahren steht die Grundschule in Essentho leer. Jetzt hat der Verkauf der Immobilie für Wirbel gesorgt. Der Rat beschäftigt sich in nichtöffentlicher Sitzung mit dem Thema.

Essentho..  Für erheblichen Wirbel hat der Verkauf der leerstehenden Grundschule in Essentho gesorgt. Sie ist inzwischen zum Streitobjekt geworden. Vielleicht wechselt sie am Donnerstag sogar ihren Besitzer. Oder die Stadt nimmt sie wieder zurück. Oder der Kaufvertrag bleibt bestehen und die beiden jungen Leute bleiben Eigentümer. Je nachdem, wie der Rat der Stadt Marsberg sich nichtöffentlich in seiner Sitzung am Donnerstagabend entscheidet.

Wie berichtet, hatte die Stadt das Gebäude im Dezember an ein junges Paar aus Essentho veräußert. Den Käufern ist inzwischen die Freude an dem Objekt ordentlich vergangen.

Sie wollen es nun nicht mehr haben und möchten von ihrem Kaufvertrag zurücktreten. Zu heftig seien üble Nachrede und Verleumdung auch per Facebook gewesen, wie sie im Gespräch mit der WP sagen. Ihre Namen möchten sie nicht in der Zeitung veröffentlicht sehen.

Nach WP-Informationen hat sich am vergangenen Donnerstag der Haupt- und Finanzausschuss im nichtöffentlichen Teil seiner Sitzung in geheimer Abstimmung mit zehn Ja- und acht Nein-Stimmen für die Rückabwicklung des Kaufvertrages ausgesprochen. Das letzte Wort bleibt nun dem Stadtrat.

Rechtsanwalt eingeschaltet

Das Schulgebäude war zum Zankapfel geworden, nachdem im Dezember öffentlich geworden war, dass die Stadt die Immobilie per einstimmigem Ratsbeschluss für 25 000 Euro an die zwei jungen Leute aus Essentho verkauft hatte. Ein weiterer Kaufinteressent, Josef Steiner, war von einem viel höheren Verkaufspreis ausgegangen und fühlte sich von der Stadt nicht informiert.

Der Linken-Ortsverband Marsberg und deren Mitglied im Stadtrat, Erich Latzelsberger, witterte dahinter gar Mauschelei. Anlass: Einer der jungen Schulkäufer ist der Enkel des Ortsbürgermeisters aus Essentho, Eberhard Banneyer, zudem Vorsitzender der CDU-Fraktion im Stadtrat. Der Enkel sagt: „Wir haben mit der Politik nichts zu tun.“ Die Stadt weist alle Vorwürfe von sich.

Josef Steiner, selbst Mitglied der Linken in Marsberg, hat sein Interesse an dem Schulgebäude jedenfalls nicht verloren. Das habe er auch schon der Stadt kundgetan. Wie er auf Anfrage der WP sagt, laufen die Kaufverhandlungen diesmal über seinen Rechtsanwalt. Steiner: „Damit ich mir nicht noch einmal nachsagen lassen muss, ich hätte ein Schreiben von der Stadt erhalten, das ich nicht bekommen habe.“

Zur Ratssitzung am Donnerstag werde sein Angebot der Stadt vorliegen. Steiner: „Laut Auskunft des Bauamtes wird dann nichtöffentlich darüber entschieden.“

Von weiteren Gebäuden trennen

Die Stadt Marsberg weist darauf hin, dass sie sich von allen Gebäuden trennt, die nicht mehr der kommunalen Aufgabenerfüllung dienen und somit entbehrlich sind. Dabei handelt es sich um ehemalige Grundschulen, z. B. in Bredelar, Beringhausen, Heddinghausen und Erlinghausen, aber auch um Wohn- und Geschäftsgebäude, die vermietet sind.

Sämtliche Gebäude werden seit mehr als zwei Jahren über ein Immobilienportal bundesweit angeboten. Allerdings sei es schwierig, für stillgelegte Schulen Interessenten zu finden, so Bauamtsleiter Werner Besche. Mit den Interessenten werde dann vertraulich über mögliche Nutzungen und den Verkaufspreis verhandelt.

Die Preisgestaltung hänge im Wesentlichen von der Lage, der baulichen Substanz und dem Nutzungskonzept des Interessenten ab. Besche: „In der Regel werden diese Gebäude mitunter weit unter dem Bilanzwert gehandelt, wobei zu berücksichtigen ist, dass Gebäudetechnik und bauphysikalische Gegebenheiten oft einen erheblichen Investitionsbedarf für den Käufer bedürfen.“

Die Stadt sei in jedem Falle froh, einen Käufer zu finden, so Besche weiter. So spare sie die jährlichen so genannten Stilllegungskosten (Versicherung, Abwassergebühren etc.) Besche zur WP „Mit einem Verkauf zieht auch wieder Leben in ein Gebäude ein.“ Durch Leerstand sei eine Immobilie schließlich nur dem Verfall preisgegeben.