Känguru "Skippy" hüpft durchs Sauerland

Ein Anrufer gab an, das Känguru auf einem Feldweg in Bigge gesehen zu haben.
Ein Anrufer gab an, das Känguru auf einem Feldweg in Bigge gesehen zu haben.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die legendäre Vogelspinne in der Yuccapalme, den Alligator im Forellenteich oder das Seeungeheuer von Loch Ness – sie alle gab es vermutlich nie. Dass aber im Sauerland ein Känguru frei herumläuft, das ist inzwischen mehrfach dokumentiert.

Brilon/Olsberg.. „Skippy“ hat es die Westfalenpost in Brilon kurzerhand in Anlehnung an eine Fernsehserie aus den 70er Jahren getauft. Und seitdem entsteht sogar überregional ein regelrechter Hype um den australischen Einwanderer, der eigentlich nichts Verbotenes tut, außer herrenlos durchs Sauerland zu streunen. Oder wandert er bzw. sie auf dem Rothaarsteig? Ist doch schließlich Urlaubszeit! Die Knifte in den hauseigenen Beutel und los geht’s.

Unzählige Videos kursieren im Internet. Mal macht das Tier dabei große Sprünge im Briloner Forst, wo es ein Jäger nach dem Ansitzen auf einen Rehbock entdeckt hat. Mal sucht es Schatten zwischen den Grabsteinen auf dem Friedhof in Olsberg-Bigge. Einige haben es im Innenhof der Elisabeth-Klinik gesehen, andere an einer Skihütte. Gestern Mittag soll es im Scharfenberger Wald Richtung Rüthen gesichtet worden sein.

Die Berichterstattung über den schnellen Hüpfer erreicht im Online-Portal unserer Zeitung unter wp.de/skippy oder wp.de/kaenguru ungewöhnlich hohe Klickzahlen. Und seit Montag hat das Beuteltier im sozialen Netzwerk Facebook sogar eine eigene Seite. Die hat ein bislang unbekannter Känguru-Freund angelegt und damit binnen 24 Stunden über 2500 Zugriffe erreicht.

Aber nicht nur echte „Skippy“-Bilder und Videos kommen dort in Umlauf. Das Sauerländer Känguru setzt ungeahnte Kreativität frei. Eine Fotomontage zeigt das Tier hinter einem Gitter aus Bauzäunen. Es sei gefangen worden, aber durch ein „Sommerloch“ wieder ausgebüxt... Ein anderer Scherzbold hat das Känguru mit Schützenkappe unter eine ­Vogel­stange montiert. Kommentar: Wo mag das Tier an einem Montagmorgen sein – vermutlich bei einem Schützenfest im Sauerland?

Mit vier Rehen gesichtet

Aber Spaß beiseite: Vor einer Woche hatte der Briloner Förster Sebastian Schönnenberg den ersten Anruf von Spaziergängern erhalten. Sie berichteten von einem Känguru, das sie mit vier Rehen auf einer Wiese gesehen hatten. Weil der Förster schon einmal dem Radio-Schreck „Elvis Eifel“ auf den Leim gegangen war, hielt er das Ganze für einen Scherz. Als aber auch beim Ordnungsamt der Stadt weitere Känguru-Sichtungen gemeldet wurden und die ersten Videos auftauchten, waren die Zweifel dahin. Das Tier scheint zahm zu sein und hoppelt unverdrossen durch ein Briloner Wohngebiet.

Trotz des großen Medienrummels konnte der Besitzer von „Skippy“ bislang nicht gefunden werden. Der Circus Americanos, der zurzeit durchs Sauerland zieht, hat keines im Programm; Fehlanzeige auch bei angrenzenden Tiergehegen. Da nicht alle Beuteltiere registriert werden müssen, ist auch beim Veterinäramt des HSK kein solcher australischer Einwanderer gemeldet. Dabei ist die Haltung dieser Tiere im Sauerland gar nicht so ungewöhnlich.

Bei Medebach hegt und pflegt die Familie Lange seit zwölf Jahren sogenannte Wallabys oder Bennett-Kängurus. Aber auch dort ist die Familie komplett. Vor Jahren ist mal eins entwichen und 160 km weiter in der Nähe eines Tierparks bei Hanau wieder aufgetaucht. „Die Tiere suchen Gesellschaft, vielleicht kommt der Streuner ja zu uns. Wir würden ihn nehmen“, sagt Doris Schneider-Lange. Auch Leser Rainer Vetter aus ­Lenne­stadt-Bilstein würde „Skippy“ zwischen Emus, Waschbären und einem Artgenossen Asyl gewähren.

Zwei Kängurus zum Geburtstag

Känguru Aber dazu müsste das Tier erstmal gefunden werden. Der Besitzer muss übrigens keine Angst haben, dass durch bisherige Polizeieinsätze Kosten auf ihn zukommen. „Uns als Polizei interessiert das Känguru in erster Linie nur, weil es eine potenzielle Gefährdung für den Straßenverkehr darstellt. Wir sind aber nicht auf der Suche nach ihm. Dann müssten wir ja auch jedem Wildschwein nachstellen“, sagt Polizeisprecher Ludger Rath. Wenn es Meldungen gäbe, werde man versuchen, es zu betäuben und zum Beispiel zur Familie Lange nach Medebach bringen.

Und wie ist Doris Schneider-Lange dort damals auf Kängurus gekommen? „Mein Mann wollte mir zum runden Geburtstag etwas Besonderes schenken. Und da gab’s zwei Kängurus.“ Überraschung gelungen!