Junge Autofahrer besonders gefährdet

Die Zahl der Verkehrsunfälle ist 2014 rückläufig gewesen.
Die Zahl der Verkehrsunfälle ist 2014 rückläufig gewesen.
Was wir bereits wissen
Immer mehr junge Leute sind in Unfälle verwickelt. Ab dem 18. Lebensjahr drücken viele offenbar aufs Gaspedal.

Meschede/Hochsauerlandkreis..  Wehe, wenn sie 18 Jahre alt werden. Dann werden die jungen Sauerländer im Straßenverkehr zur Gefahr für sich und für andere. Bis sie 24 Jahre sind, bleiben sie die am stärksten gefährdete Gruppe. Ihr Risiko, Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden, ist dreimal so groß wie bei Älteren. Das ist die besorgniserregende Botschaft der Unfallstatistik 2014.

Begleitetes Fahren ein Erfolg

„Ein Phänomen, um das wir uns kümmern müssen“, sagt Josef Jakobi, Leiter der Direktion Verkehr der Kreispolizeibehörde. Denn bis zum 18. Geburtstag läuft eigentlich alles gut: Inzwischen machen zwei von drei jungen Sauerländern den Führerschein mit 17 Jahren – Tendenz steigend (von 29,8 Prozent in 2011 auf 68,1 Prozent in 2014). Das begleitete Fahren, um früh Fahrpraxis zu gewinnen, nennt auch Jakobi „ein Erfolgsmodell“. Ein einziger Unfall mit einem 17-Jährigen am Steuer ereignete sich im letzten Jahr.

Unfallfolgen werden fataler

Doch mit dem 18. Geburtstag ist alles vorbei: „Es ist, als ob die alles vergessen“ – der mahnende, erwachsene Beifahrer fällt weg. Dadurch wächst die Risikobereitschaft rapide. Jetzt wird gerast und riskant überholt – beides die Hauptunfallursachen junger Leute.

Generell gibt es einen Rückgang der Unfallzahlen im Hochsauerlandkreis, von 7365 auf 6818. Der Rückgang ist aber unbedeutend, sagt selbst Fachmann Jakobi, weil er sich auf weniger Unfälle mit Blechschäden zurückführen lässt. Viel gravierender ist: Die Unfälle werden schlimmer. 18 Menschen starben 2014 auf den Straßen, zwei mehr als 2013. Jakobi hat die Sorge, dass man sich dem Höchststand von 22 Toten im Jahr 2008 annähert. Hinzu kommen 276 Schwerverletzte, auch hier ein Anstieg um 17.

Strukturelles Problem im HSK

Sechs der Toten und 49 Schwer-, dazu 155 Leichtverletzte waren junge Leute zwischen 18 und 24 Jahren. Die Polizei weiß um das strukturelle Problem, das der Flächenkreis gegenüber Großstädten hat: „Wenn ich von einer Randgemeinde ins Kino will, muss ich ein Auto nehmen“, sagt Jakobi. Und auf gut ausgebauten Strecken geben die Jungen Gas.

„Crash-Kurs“ zur Prävention

Die Polizei setzt auf Prävention und Repression. Jungen Leuten werden weiter „Crash-Kurse“ angeboten. Im Jahr 2014 waren rund 2500 Zuhörer dabei, denen Helfer, Seelsorger, aber auch Unfallopfer oder deren Angehörige eindringlich die Folgen von Unfällen aufzeigen. Aber die Polizei hat ein Dilemma: „Mit 18 Jahren, nach der Schule, gehen die uns verloren“, sagt Jakobi, „wir können sie nicht mehr ansprechen“.

Da kommt die Repression ins Spiel. Sie setzt auf die Überwachung der Geschwindigkeit: Ohne die Fahrer anzuhalten (per Radarwagen) zum einen; lieber, aber personalintensiver, mit Anhalten – „die Kollegen führen dann stressige Gespräche mit den Betroffenen“.

Zu viele Unfallschwerpunkte

Davon verspreche sich die Polizei mehr als „von der Anonymität eines Bußgeldbescheides“. Nachteil: Die Größe des Kreises. Die Polizei führt 41 Unfallhäufungspunkte im HSK. Sie verteilen sich übers ganze Kreisgebiet (nur die B 55 ist kein Unfallschwerpunkt). 41 Stellen sind jedoch mit den Ressourcen der Polizei nicht ständig zu kontrollieren.