„Jeder kann einen Bio-Beitrag leisten“

Jugendherbergsleiterin Dorothee Wenken
Jugendherbergsleiterin Dorothee Wenken
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Was wir bereits wissen
Die Jugendherberge Brilon bietet einen Workshop für Schulleitungen, Verpflegungsbeauftragte und Caterer an.

Brilon..  „Bio kann jeder – Nachhaltig essen in Kita und Schule.“ Unter diesem Thema bietet die Jugendherberge Brilon einen Workshop an. Eingeladen sind Schulleitungen, Verpflegungsbeauftragte, Caterer und alle, die Schul- und Kindergartenküchen beliefern. Wir sprachen mit Jugendherbergsleiterin Dorothee Wenken.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diesen Workshop anzubieten?

Dorothee Wenken: Seit 2013 gehöre ich als Einkaufsverantwortliche der Umwelt-Jugendherberge Brilon dem Kreis der Bundesdeutschen Bio-Mentoren an. Wir fühlen uns verantwortlich, durch unseren Einkauf von Lebensmitteln und Ge- und Verbrauchsgütern einen Beitrag zum Schutz der natürlichen Ressourcen unserer Erde in Verbindung mit Gesundheit zu leisten. Die Aktionswoche zur Nachhaltigkeit bietet sich besonders an, auf die Thematik aufmerksam zu machen. Unser Anliegen als Umwelt-Jugendherberge ist es seit weit über 20 Jahren, Kindern auf Klassenreisen eine gute und gesunde Verpflegung anzubieten, verbunden mit entdeckenden Lernprogrammen zu Umweltthemen. Denkanstöße geben, aufmerksam machen, Bewusstsein wecken, Zusammenhänge erkennen und spielerisch die Sinne fordern und fördern, das bezeichnen wir als unsere Aufgabe. Kitas und Schulen sind auch unsere Gäste und haben oft den Wunsch und den Auftrag, gesundheitsförderlich zu arbeiten, da möchten wir Beispiele geben und unsere Erfahrungen gerne teilen und mitteilen.

Kann wirklich jeder Bio?

Wenn das Bewusstsein geweckt ist, kann wirklich jeder einen „Bio-Beitrag“ leisten durch geschickte Auswahl beim Einkauf zum Beispiel.

Wie wichtig sind die Themen Bio und Nachhaltigkeit in den verschiedenen Einrichtungen, die mit der Verpflegung von jungen Menschen zu tun haben?

Es gibt immer mehr Einrichtungen, die sich den Themen stellen wollen. Bioverpflegung ist ein wichtiger Punkt in der Nachhaltigkeitsstrategie, aber ebenso die Regionalität und Saisonalität. Immer mehr Betriebe machen ökologische Fußabdrücke und stellen fest, dass der Bereich Verpflegung mit Transporten, Verpackungen und Logistik sehr belastend ist. Das Thema Bio ist in vielen großen Küchen, der Gastronomie und Betriebsgastronomie durchaus angekommen. Im Bereich der BioMentoren NRW zum Beispiel die Gesamtschule in Ronsdorf, Berufsbildende Schulen in der Ausbildung von KöchenInnen (Köln), die Betriebsküchen von Henkel und Esprit. Die berufsbildenden Schulen in Olsberg haben dem Thema auch immer größeren Raum gewährt und die Jugendherberge Brilon arbeitet gern als Praktikumsort mit ihnen zusammen.

Worauf kommt es an?

Auf eine einfache Basisauswahl an guten Rohstoffen, Transparenz und klare Produkte. Wichtig ist es, die Einstellung zu ändern. Alles Weitere ergibt sich dann daraus.

Laut Bertelsmann-Studie zahlen Eltern den Kitas 2,40 Euro für ein Mittagessen ihrer Kinder. Damit hängt, so das Institut, die Qualität des Mittagessens der Kinder von den Entscheidungen und Zuschüssen der jeweiligen Träger oder der Kommune ab. Eine gesunde und ausgewogene Mittagsverpflegung, die den DGE-Standard erfüllt, kostet der Studie zufolge mindestens 4 Euro. Wie sehen Sie die finanzielle Seite?

Die geschälten Bio-Kartoffeln vom Naturlandbetrieb Gutshof Warstein kostet uns zum Beispiel nur wenige Cent im Kilo mehr, aber sie haben eine Top-Qualität, die sich sehr im Geschmack ausdrückt und uns quasi direkt in den Kochkessel geliefert wird. Der Gepa-Kaffee bio und fair kostet etwa einen Cent pro Tasse mehr. Bio- Nudeln sind sogar günstiger als konventionelle. Es kommt eben auf die Auswahl an. Wir rechnen mit Mischkalkulationen, da sind Schwankungsbreiten. Außerdem muss man genau schauen, was man vergleicht: Wir können nicht alle Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau anbieten, aber Gemüse und Obst und viele Trockenwaren haben wir in unserem Biozertifikat ausgelobt, ebenso Kaffee und Milch bio und fair.

Die Jugendherberge setzt ja schon seit längerer Zeit auf Bio-Produkte, Nachhaltigkeit und vollwertige Ernährung. Wie kommt das bei den Gästen an?

Ja, seit 1992 setzen wir uns mit dem Thema auseinander, der Umweltschutz hat vor unserer Küchentür nicht Halt gemacht. Wir haben viele einfache Basis-Speisen entwickelt, die es immer wieder bei uns zu essen gibt, günstig in der Herstellung, die saisonalen Gemüse und Früchte bringen die Veränderung, und unsere Gäste, groß und klein, bescheinigen uns immer wieder, die Mühe lohnt sich.

Was muss man kochen, damit es jungen Leuten schmeckt und gleichzeitig gesund ist?

Was ist gesund? Hier gibt es so viele Facetten, ich denke an die unglaublich steigende Zahl an Allergikern und Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Mir ist es wichtig, dass die Umwelt gesund bleibt, Boden, Wasser, Luft, Menschen, Tiere und Pflanzen, dann können wir auch gesunde Speisen aus gesunden Lebensmitteln produzieren und damit unseren Kindern eine gesunde Basis bieten. Gar nicht auf den Tisch gehören meiner Meinung nach Gentechnik-Produkte. Ich kann allen nur raten: Kochen Sie selbst, wählen Sie gute, klare Produkte, geben Sie ihnen ihre persönliche Note, schätzen Sie die Lebensmittel wert! Schauen Sie, wo die Lebensmittel herkommen und wer Sie bearbeitet hat. Eignen Sie sich Wissen um Zusammenhänge an. Wir „veredeln“ Trendspeisen.