In Lokal-Politik und Vereinen engagiert
14.02.2012 | 18:35 Uhr 2012-02-14T18:35:00+0100
Marsberg. Momentan läuft in der Hauptschule die Wanderausstellung „Migration – Vielfalt und Leistung“ des Hochsauerlandkreises.
Die Fotos des in Wien geborenen und in Marsberg lebenden Fotografen Erich Latzelsberger zeigen 21 Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Sie alle haben eines gemeinsam. Sie haben in der Region eine Heimat gefunden und sind leuchtende Beispiele gelungener Integration. In loser Folge stellt die WP die einzelnen Menschen näher vor.
Einer von ihnen ist Nitesh Rathore aus Marsberg. „Als Sohn indischer Eltern habe ich mein ganzes Leben in Marsberg verbracht“, sagt er. 1976 ist er in Marsberg geboren und fühlt sich auch als Marsberger. Er ist dort in den Kindergarten gegangen, hat die Grundschule und das Gymnasium besucht. Er gehört dazu. Ausländerfeindlichkeit ist ihm fremd, hat er nie persönlich erleben müssen.
1982 bekam er die deutsche Staatsangehörigkeit und war auch bei der Bundeswehr, genauer gesagt bei der deutschen Luftwaffe. Das hat ihm sogar so gut gefallen, erzählt er weiter in Gespräch mit der WP, dass er damit geliebäugelt hätte, sich zu verpflichten. Er hat sich dann aber doch anders entschieden und eine Ausbildung zum Bauspar- und Finanzierungsfachmann absolviert. 2007 ist er von der Allianz-Versichung in Marsberg abgeworben worden. Heute sitzt er in einem schicken neuen Büro, hat zwei Halbtags- und eine Vollzeitkraft beschäftigt und überlegt, im Sommer einen oder eine Auszubildende einzustellen. Es geht ihm gut und er strahlt Zufriedenheit aus. Er lebt in einer Beziehung mit einer Marsbergerin ohne Zuwanderungsgeschichte. Im Gewerbeverein Marsberg ist er seit vielen Jahren ehrenamtlich engagiert, momentan als 2. stellvertretender Vorsitzender. Auch politisch mischt er mit als stellvertretendes CDU-Ratsmitglied. Selbstverständlich ist er auch Mitglied in der Schützenbruderschaft St. Magnus Niedermarsberg. Und einmal selbst den Vogel von der Stange zu holen? „Na klar, würde ich das machen!“
Ganz so wohl, wie er heute, habe sich sein Vater Vijay Rathore in der neuen, deutschen Heimat auch gefühlt, blickt Nitesh Rathore zurück. Auch er war in Marsberg bekannt und anerkannt. Das brachte schon sein Beruf mit sich. Er war Lehrer am Gymnasium, unterrichtete Mathe und Physik. Er ist allerdings schon in den 1990er Jahren verstorben. Viel zu früh. Kurz zuvor war er gerade pensioniert worden. Er ist in seiner indischen Heimat bestattet worden, auf eigenen Wunsch.
Nach Deutschland hat es seinen Vater Vijay allerdings eher zufällig verschlagen. Der Großvater hatte mit dem Vater gewettet, dass er es nicht schaffen würde, alleine im Ausland zu studieren, egal wo. Das wollte der junge Vijay natürlich nicht auf sich sitzen lassen und entschloss sich, nach Deutschland zu gehen. In Indien besuchte er ein internationales Internat und hatte dort auch deutsche Mitschüler. So war ihm die Mentalität der Deutschen nicht gänzlich fremd. Nach dem Studium in Braunschweig unterrichtete er am Gymnasium in Marsberg.
Nitesh Rathore hat noch einen jüngeren Bruder Ajay (33). Er lebt mit seiner Familie als Krankenpfleger in Köln. Und dann ist da noch seine Mutter Damyanti (59). Auch sie lebt in Marsberg vollkommen integriert. Sie engagiert sich ehrenamtlich im Eine-Welt-Laden und hat viele soziale Kontakte. Aber ganz ohne ihre indischen Wurzeln und Kultur kann sie nicht leben. Sie fliegt einmal im Jahr für mehrere Wochen nach Indien.
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