In Brilon fliegen Hocker durch die Halle

Fangen, kicken, balancieren, tricksen oder rollen
Fangen, kicken, balancieren, tricksen oder rollen
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Schüler des Briloner Petrinums dürfen Trendsportarten ausprobieren, die nicht im Lehrplan stehen. Neben Einradfahren, Pedalotreten und Rhönradturnen gehört auch Sporthockern dazu.

Brilon..  In der Vierfachturnhalle fliegt ein Hocker durch die Luft, dreht sich einige Male um die eigene Achse, um dann rücklings aufgefangen zu werden. Weiter geht’s im hohen Tempo - abwechselnd werfen, fangen, kicken, balancieren, tricksen oder rollen. Dann noch rasch ein Handstand auf dem Gerät. Wahnsinn. Sporthockerer Merlin Roth (25) zeigt nur ein paar Übungen und begeistert.

Dass die Einsatzmöglichkeiten beim Sporthockern nahezu unbegrenzt sind, wird den Schülern des Petrinums schnell klar. Zwei Tage vor den großen Ferien dürfen sie sich im Rahmen eines etwas anderen Sportunterrichts an dem Gerät selbst einmal ausprobieren.

Vor den Hockern war Slackline angesagt

Schon im vergangenen Jahr hatte Dipl.-Sozialpädagogin Marie-Luise Lange-Nilius, die Projekte im Rahmen von Jugendarbeit am Gymnasium begleitet, mit Slackline (Balancieren auf einem Gurtband) eine Trendsportart in der Unterstufe vorgestellt. Und das mit großem Erfolg.

In diesem Jahr sind es vier Stationen oder Sporteinheiten, die Marie-Luise Lange-Nilius den Schülern von der 5. Klasse bis in die Oberstufe in Zusammenarbeit mit der Fachschaft Sport am Gymnasium anbietet. Neben dem Sporthockern sind es Übungen mit Einrädern und Pedalos, Rhönradturnen und Einführung ins Tennisspiel - Sportarten also, die nicht im Lehrplan stehen. „Die Geräte haben wir uns von der Rhönradabteilung des Skiclubs Brilon und dem Kreissportbund ausgeliehen“, so die Dipl.-Sozialpädagogin.

Keine Regeln

Im Mittelpunkt steht am Vormittag natürlich Merlin Roth mit seinen Hockern. Der junge Mann aus Paderborn ist vor sechs Jahren durch Freunde an den Sport gekommen. „Aus anfänglicher Begeisterung und viel Ehrgeiz entwickelten wir Videos, Tricks und Shows. Seither sind wir in jeder freien Minute beim Hockern. Das ist eine richtige Leidenschaft geworden“, berichtet der Student für Wirtschaftsinformatik.

Die Trendsportart mit Einflüssen von Skateboarding, Jonglage, Akrobatik, Breakdance und Parkour sei leicht zu erlernen und zeichne sich dadurch aus, dass es keine Regeln oder festgelegte „Übungen“ gebe, meint Merlin. Mit anderen Worten: Hier kann jeder seiner Kreativität freien Lauf lassen und eigene Tricks und seine Performance entwickeln.

Training strengt alle Muskelpartien an

Dass dabei alle Muskelpartien des Körpers trainiert werden, spüren auch die Schüler in den jeweils 15-minütigen Übungseinheiten mit Merlin. Der 25-Jährige bringt es gut rüber. Kein Wunder: In seiner Freizeit ist er Trainer in einem Kinder- und Freizeitzirkus und gibt Workshops.

Der Sporthocker selbst, der 2007 entwickelt wurde und rund 100 Euro kostet, ist eine Kombination aus Sportgerät und Möbel und eignet sich durch seine speziell entwickelte Form zum Werfen, Fangen, Balancieren und natürlich zum Sitzen.

Schon Preise gewonnen

Er ist in den Gewichten 1,8 kg, 2 kg und 2,2 kg erhältlich. „Die übliche Gewichtsklasse ist jedoch 2 kg“, erklärt Merlin Roth in einer kleinen Pause. Er nimmt mit seinen Freunden daran teil und hat in so genannten „Gruppensitzungen“ schon 1. Preise gewonnen. Die Sportart Hockern wird aber auch an mehreren Universitäten als Hochschulsport angeboten. Viele Medien, so Merlin, seien inzwischen auf den außergewöhnlichen Sport aufmerksam geworden.

Und was halten die Briloner Schüler davon? Lustig, abwechslungsreich und interessant finden es die meisten. Doch an einen Durchbruch in der Sportszene glaubt niemand so recht. Warten wir es ab.