In Brilon beginnt das Aufräumen

Gleich mit zwei Karren ziehen die Post-Zusteller wieder durch Brilon. Doch das Postamt beherbergt noch haufenweise Kisten, randvoll mit überfälligen Briefen, erzählt eine Postbotin.
Gleich mit zwei Karren ziehen die Post-Zusteller wieder durch Brilon. Doch das Postamt beherbergt noch haufenweise Kisten, randvoll mit überfälligen Briefen, erzählt eine Postbotin.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
In der Nacht zu Dienstag endete der Poststreik offiziell. Jetzt füllen sich auch die Briefkästen im Altkreis wieder. Bis Normalität einkehrt, vergehen dem Konzern zufolge noch einige Tage.

Altkreis..  Mit einer großen und einer kleinen Karren zog die Post-Zustellerin am gestrigen Montag durch den Ortskern. Sonst ist sie alleine unterwegs, ihr Gepäck auf ein kleines Vehikel beschränkt. Aber an diesem Morgen hatte sie sogar Hilfe von zwei Ferienarbeiterinnen. „Die Post von vier Wochen muss raus.“ Die Botin deutet auf die vollen gelben Wagen. „Das hier ist nur ein kleiner Teil. Im Postamt stehen noch einige Kisten.“

Seit Mitternacht hat der Poststreik zwischen der Deutschen Post und der Mitgliedsgewerkschaft Verdi ein Ende. Die Postangestellten erhalten mehr Geld. Auch der Kündigungsschutz wurde verlängert. Die angestrebte Einstellung der neu gegründeten Gesellschaften oder eine Arbeitszeitverkürzung konnte die Gewerkschaft aber nicht durchsetzen.

Gehaltserhöhungen enttäuschen

„Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis. Auch wenn ein Kompromiss immer zwei Seiten hat“, sagt Christoph Stein, für die Post AG zuständiger Bezirksfachbereichs-Vorsitzender bei Verdi. Der vierwöchige Streik habe sich gelohnt, die Gehaltserhöhungen seien zwar „kein großer Wurf“, aber „für uns war insbesondere die Beschäftigungssicherung in der Aktiengesellschaft wichtig. Und das haben wir geschafft“, so Stein.

Jetzt stehe erst einmal Aufräumen auf dem Plan – besonders in Brilon. „Die Stadt hat schon sehr gelitten. Aber mit vereinten Kräften schaffen wir das.“ Schließlich seien die Kollegen ebenfalls darauf bedacht, dass zügig wieder Normalität einkehre.

Kein Verständnis für Streikende

Auch die Post ist sich sicher: Der Rückstand werde in den nächsten Tagen aufgeholt. „In stärker betroffenen Regionen kann es vielleicht einige Tage länger dauern“, sagt Post-Sprecher Rainer Ernzer. Festlegen wolle er sich nicht. Auch innerhalb des Unternehmens sei man mit der Lösung zufrieden.

Verständnis für den vergangenen Arbeitsstreik habe man jedoch nur bedingt: „Vier Wochen Streik, Kunden wurden verprellt und auch die Kollegen sind sich untereinander nicht mehr so grün.“ Hinzu käme, so Ernzer, dass einige Forderungen wie Gehaltserhöhungen bereits vor einigen Wochen erfüllt worden wären, wäre es zu Verhandlungen gekommen. Mit dem jetzigen Kompromiss aber käme man zurecht.

Vielerorts kommt die Post schon seit Montag

Nun wolle die Post so schnell wie möglich die Verzögerungen aufarbeiten, „mit allem, was uns zur Verfügung steht.“ Dass bereits am Montag einige streikende Kollegen unterwegs waren, könne er sich zudem gut vorstellen.

Für Brilon allerdings gab es bereits am vergangenen Freitag Zusicherungen, dass die Briefkästen ab Montag wieder befüllt werden. Beamtete Postboten wollten die bestreikten Bezirke übernehmen, kündigte zumindest die Deutsche Post AG nach einer Gegen-Demo von Unternehmern im Ort an.

Doch Speditionschefin Ursula Klaholz hatte davon zunächst noch nichts mitbekommen. „Bis jetzt blieb der Briefkasten leer.“ Weil der Streik aber nun generell ein Ende hat, wolle sie noch bis zum heutigen Dienstag die Füße still halten. „Wenn die Post dann nicht da ist, muss ich das Streikbanner wieder rausholen.“