Impulse aus der Natur in Holz und Stein meißeln

Brilon..  Bereits zum siebten Mal in Folge lud der Kunstverein östliches Sauerland zu Pfingsten ins idyllische Wiesental an der Hiebammen-Hütte am Rothaarsteig ein, um unter der Leitung des Künstlers Johannes Dröge aus Sundern die Techniken der Bildhauerei in Holz oder Stein zu erlernen. Vier von zehn Teilnehmern waren zum ersten Mal mit dabei.

Wer an diesem sonnigen Pfingstwochenende unbedarft im Hilbringsetal wandern war, staunte wohl nicht schlecht. Von Richtung Hiebammen Hütte ertönten Hammer- und Sägegeräusche. Geräusche, die auf Arbeit schließen ließen. An einem Wochenende aus einem Stein oder einem Stück Holz eine Skulptur, eine Stele oder ein Relief entstehen zu lassen, ist eine Herausforderung, die nicht nur körperliche Arbeit und Ausdauer verlangt. „Hände und Augen, Herz und Kopf sind gleichrangig tätig“, sagt der 84-jährige Künstler, Meister und Vermittler.

Johannes Dröge, auch bekannt als der „Steineflüsterer“, ist nicht nur ein Meister der Bildhauerei, sondern auch ein geduldiger und nachsichtiger Lehrer. Er gibt sein Wissen gerne in Sommeraka­demien, Schulen oder Workshops weiter. „Dabei bedarf es keiner ­großen Worte. Dröge lehrt durch Vormachen und Zeigen“, sagt ­Helmut Schulte, Lehrer an einem Gymnasium, der diesen Workshop zusammen mit Elisabeth Mette, Konrektorin einer Realschule, begleitete.

Dröge drängte seine Schüler in keine Richtung. Auch bestimmten die Teilnehmer selbst, welches Material sie verwenden und wie sie ihre Idee umsetzten.Wer noch keine Anregungen zur plastischen Gestaltung hatte, konnte sich auf die Anregungen des Künstlers verlassen. Der Meister der Bildhauer-Kunst gab Hilfestellungen, Ideen und Tipps, die über die Vermittlung der einschlägigen handwerklichen Kenntnisse hinausgingen. Aussagen wie „Das würde ich nicht so machen“ oder „Hier ist es noch ein bisschen rauh und hier fühle ich eine Delle“, spornten an.

Nach Reduktion streben

„Jeder wird da abgeholt, wo er steht, ob Anfänger oder Fortgeschrittener“, so Elisabeth Mette.Die Teilnehmer sollen in die Lage versetzt werden, Wesentliches zu erkennen, um Sekundäres wegzulassen. Das ist Dröges Prinzip: nach Reduktion zu streben. Dadurch, dass alles Überflüssige weg gelassen wurde, kommt – wie auch in den Werken des Skifahrers und passionierten Bergsteigers Johannes Dröge – nur das Wesentliche zum Tragen. Denn dem Künstler geht es nicht um die Nachahmung der Natur. Es geht ihm um einen viel weiter gespannten Interpretationsbereich bei der Betrachtung der Kunstwerke. Dröge: „Ich erhalte von der Natur viele Impulse. Kunst und Natur treffen sich dort, wo der Mensch die Pflicht und die Freiheit hat, die Natur zu bewahren.“

Pfingstmontag waren alle Skulpturen fertig gestellt – oder auch nicht ganz. Manch einer muss noch Kleinigkeiten vervollständigen oder nachbessern. Entweder macht er dieses zuhause oder in der Werkstatt von Dröge in Sundern. „Hier wird keiner alleine gelassen“, sagt Elisabeth Mette. Die meisten Teilnehmer waren mit ihrem Ergebnis mehr als zufrieden.

Den Garten des Briloners Reinhard Rohlmann verschönert demnächst ein Brunnen aus Sandstein. André Kahmen aus Brilon hat eine eine Echse aus Akazienholz geformt. Thomas Haugwitz aus Brilon zauberte eine Säule mit einer Viertel Drehung. Georg Steden aus Züschen hat sich ein Grundmodell für eine spätere Gartenskulptur aus Douglasienholz gebaut. Was auf den ersten Blick wie ein Herz aussieht, sind zwei Tauben.

Ein authentischer Lehr-Meister, die idyllische Atmosphäre, das enge Miteinander, der Unterricht in der Natur, all das machte aus einem arbeits- und lehrreichen Wochenende ein wundervolles Pfingstwochenende.

Dröge macht weiter

Und neue Interessenten gibt es auch. „Wenn ich das gewusst hätte“ - sagten einige Gäste. Vielleicht wird Jürgen Lüke im nächsten Jahr ein weiteres Zelt aufbauen müssen. Johannes Dröge macht auf jeden Fall weiter. Denn über 500 Ausstellungen im In- und Ausland und sein Erfolg als Lehr-Meister„sind eine treibende Kraft, die mich dazu bewegen, immer weiter zu machen“. Dazu kommen zahlreiche von ihm geschaffene Monumentalplastiken im öffentlichen Raum und Auszeichnungen wie der Staatspreis des Landes NRW.