IG Metall Olsberg hat Azubis im Visier

Helmut Kreutzmann, Andreas Geyer und Florian Steinhausen (v.l.) von der IG Metall Olsberg ziehen Bilanz.
Helmut Kreutzmann, Andreas Geyer und Florian Steinhausen (v.l.) von der IG Metall Olsberg ziehen Bilanz.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die IG Metall Olsberg will sich verjüngen und um neue Mitglieder werben - dabei hat sie vor allem Azubis, Frauen und Angestellte im Blick.

Olsberg..  Als junger Mensch schon an die Rente denken - nichts liegt da ferner. Trotzdem setzt die IG Metall Olsberg auf die Jugend, auf Aufklärung und auch auf die Anwerbung von jungen Mitgliedern. „Wir versuchen, uns zu verjüngen und sind auf einem guten Weg“, sagt der politische Sekretär Andreas Geyer von der IG Metall Olsberg. Im vergangenen Januar lag die Quote der bis 26 Jahre alten Mitglieder bei 11,4 Prozent - das liegt über dem NRW-weiten Trend von 8,2 Prozent.

Wie wichtig das über die Jahre erhaltene Entgelt nicht nur für die aktuelle Situation, sondern auch für die spätere Rente ist, versucht der 1. Bevollmächtigte, Helmut Kreutzmann, vor allem jungen Leuten immer wieder klarzumachen. „Das ist elementar wichtig.“ Sein Beispiel aus der Holz- und Kunststoff-Branche geht von einem Stundenlohn von knapp 17 Euro und Weihnachtsgeld (65 Prozent) und Urlaubsgeld (56 Prozent) aus: Ein Unterschied von knapp drei Euro beim Stundenlohn und ein Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld kann zu mehr als 7000 Euro jedes Jahr weniger auf dem Konto führen - und dann im Ruhestand auch zu knapp 300 Euro Rente monatlich weniger. Kreuzmann betont: „Jeder Verzicht, den ich mache, habe ich ein Leben lang. Das ist vielen nicht bewusst.“

4000er-Marke

Mit diesen Argumenten versuchen die IG Metaller, neue Gewerkschafter zu werben. Die Mitgliederzahlen entwickeln sich seit Jahren positiv: Im vergangenen Dezember lagen sie bei 3961, im Jahr davor bei 3920 - das ist ein Zuwachs von einem Prozent. „In diesem Jahr wollen wir die 4000er-Marke knacken“, sagt Kreutzmann. Laut Statistik verteilen sich die Zuwächse auf die Gruppierungen Ein-Prozent-Zahler, Jugendliche, Angestellte, Frauen, Arbeitslose und Rentner.

Ein deutliches Minus von 19,4 Prozent gibt es laut der Statistik bei den Auszubildenden. Doch so negativ seien die Zahlen in Wirklichkeit nicht, erklärt Jugendsekretär Florian Steinhauer. Zum einen hat sich eine Bestandsbereinigung niedergeschlagen - einige Mitglieder, die schon längst keine Azubis mehr waren, wurden herausgenommen. Und zum anderen: „Es wurden auch weniger Auszubildende eingestellt“, so Steinhauer. Ein Grund sei der demografische Wandel: „Bis 2030 fallen Einwohner in einer Größenordnung der Stadt Winterberg weg. Die Firmen werden sich in Zukunft um die Azubis reißen.“

Neben den Azubis stehen bei der IG Metall auch die Angestellten und Frauen als potenzielle Gewerkschafter im Fokus. „Die Arbeitswelt wandelt sich. Das sind die Mitglieder der Zukunft“, sagt Kreutzmann.

Tarifrunden

Mit dem Tarifergebnis für die Metall- und Elektroindustrie ist die IG Metall Olsberg zufrieden. Von den großen Warnstreiks seien auch die Unternehmen beeindruckt gewesen. Grundsätzlich sei jeder Streik, jeder Tarifabschluss und jede errungene Lohnerhöhung für alle gut, da die Rentenanpassung von diesen Entwicklungen abhängig sei.

Vor der IG Metall liegt nun laut Kreutzmann „ein spannendes Jahr“: Aktuell laufen die Tarifverhandlungen für das Elektrohandwerk, im Mai geht es um die Bedingungen für die Landmaschinen-Branche. Über den Sommer werden die Tarifverträge für die Schlosser und wahrscheinlich auch für die Kfz-Branche neu verhandelt. Im Herbst ist dann das Sanitärhandwerk dran.