„Ich stehe und lebe für die Kirche“

Vikar Matthias Kamphans aus Hallenberg
Vikar Matthias Kamphans aus Hallenberg
Foto: Rita Maurer
Was wir bereits wissen
100 Tage im Einsatz: Vikar Matthias Kamphans im Interview über Sauerländer, Glaubensfragen und die Zukunft in Hallenberg.

Hallenberg..  Im vergangenen Herbst sagte der Vater von Vikar Matthias Kamphans zu dessen Überlegungen, in den Pastoralverbund Hallenberg und zukünftigen pastoralen Raum Medebach/Hallenberg zu wechseln: „Mach es, Hallenberg passt zu Dir!“ Die Frage, ob er sich inzwischen eingelebt hat, braucht man Vikar Kamphans eigentlich gar nicht stellen, die positive Antwort strahlt ihm aus jedem Knopfloch. Die WP hat mit Vikar Kamphans nach seinen ersten 100 Tagen als Seelsorger in Hallenberg, Liesen, Hesborn und Braunshausen gesprochen.

Dem gemeinen Sauerländer sagt man ja nach, dass man mit ihm erstmal einen Sack Salz (fr)essen muss, um mit ihm warm zu werden. Wie viele Säcke stapeln Sie mittlerweile im Keller?

Matthias Kamphans: Keinen einzigen. Die Menschen und Vereine hier sind mir von Anfang an sehr offen, warmherzig und hilfsbereit entgegen gekommen. Man spürt ihre Freude, dass im Pfarrhaus in Hallenberg wieder Licht brennt.

Was gefällt Ihnen besonders gut?

Es gibt erfreulich viele Menschen jeden Alters, die mit Kirche noch etwas verbinden. Die Zusammenarbeit mit dem gesamten Pastoralteam und allen Mitarbeitern ist in Medebach und Hallenberg ganz unkompliziert. Pfarrer Dr. Achim Funder trägt als Leiter den Großteil der Verwaltungsaufgaben und die Verantwortung fürs Große und Ganze, so dass ich mich vor allem auf die Seelsorge konzentrieren kann.

Möchten Sie etwas verändern oder modernisieren?

Erstmal lasse ich alles mit Respekt und Interesse auf mich wirken, zumal es hier in allen Orten ja ganz besondere Strukturen und Traditionen gibt. Es steht mir nicht zu, als Neuer gleich von oben herab zu behaupten: „Ich weiß, was für Euch richtig ist!“ In meiner Ausbildung hat ein Pastor mal zu mir gesagt: „Im ersten Jahr guckst Du Dir alles nur an. Und wenn ein Birnbaum mitten in der Sakristei wächst, Du lässt ihn da stehen. Im zweiten Jahr kannst Du dann anfangen, den Birnbaum zurückzuschneiden, wenn Dir sein Sinn bis dahin nicht klar geworden ist.“ Aber ich werde sicher auch nach und nach ein paar Dinge hinterfragen. Wenn es dafür als Grund nur „Das war schon immer so“ gibt, kann man gemeinsam darüber nachdenken. Traditionen sind wichtig, aber sie müssen sich auch mit den Menschen und Zeiten bewegen. Sie dürfen keine starren Hülsen sein, die irgendwann niemand mehr versteht.

Sind Ihnen besonders typische Dinge für Hallenberg und seine drei Dörfer aufgefallen?

Die Nähe von und zu den Menschen. Mein Wunsch, dass ich ein Gesicht der Kirche vor Ort sein möchte, ist erfüllt worden. Hier bleibt man nicht anonym, sondern es gibt viele Berührungspunkte zwischen der Kirche und dem gesellschaftlichen Leben. Wenn ich ein Kind getauft habe und den Eltern draußen begegne, kennen wir uns mit Namen, ich kann in den Kinderwagen gucken und so ein bisschen an ihrem Leben teilnehmen. Wenn ich jemanden beerdigen muss, treffe ich Leute, die mir ihre Erlebnisse mit dem Verstorbenen erzählen, oder ich kann einige Zeit später die Angehörigen fragen, wie es ihnen mittlerweile geht. Viele Menschen sind hier sehr engagiert und Wege kreuzen sich immer wieder.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich stehe und lebe für die Kirche, aber ich bin kein Museumsdirektor einer verstaubten Institution, sondern ein noch relativ junger Mensch mit einem lebendigen Verständnis von Kirche. Die Menschen sollen mich nicht nur am Altar als übergeordnete, unnahbare Autorität wahrnehmen, sondern spüren, dass ich hier mittendrin wohne und lebe. Es geht mir neben dem Halten von Gottesdiensten auch um das Davor und Danach. Unser Glaube braucht lebendige Begegnungen auf Augenhöhe, gerade in den jetzigen Zeiten, wo das Vertrauen in die Institution Kirche gelitten hat. Mein Ziel ist es, Freude am Glauben zu vermitteln und Brücken vom Glauben hin zum alltäglichen Leben zu bauen. Unser Glaube muss mit dem Leben und dem Alltag der Menschen zu tun haben, um wirklich glaubhaft zu sein. Kirchenbesucher sollen nicht nur da sein, weil sie das immer schon so gemacht haben oder machen mussten oder sogar nur um gesehen zu werden; sondern weil sie für ihr Leben etwas damit verbinden und im Glauben eine Perspektive für ihr Leben entdecken.