Historische Protokolle zum Ablauf des Konflikts

Deifeld/Wissinghausen..  Bis auf den letzten Platz gefüllt war der – vom Duft leckerer Waffeln durchdrungene – Kulturspeicher des Heimatvereins Düdinghausen beim Geschichtscafe über die Weiberschlacht zu Wissinghausen, eine blutige Steuerrebellion der westfälischen Dörfer der Freigrafschaft Düdinghausen vor 250 Jahren, im Januar 1765.

„Volltreffer gelungen“

Das Leitungsteam, Horst Frese für den Heimatverein Düdinghausen, Matthias Grebe für den Heimatverein Deifeld und Edeltraud Grosche für dessen Projektgruppe „Infozentrum Kapelle Wissinghausen“, gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass mit dem Thema hinsichtlich des Interesses ein Volltreffer gelungen sei.

Im Mittelpunkt des Nachmittags stand ein Bildervortrag von Horst Frese, welcher dazu 60-Seiten lange – teilweise minutiöse - historische Protokolle und Berichte zu dem Vor- und Ablauf des Konflikts und auch seinen Nachwirkungen ausgewertet hatte. Fehlendes Beurteilungsvermögen der Rechtslage auf Seiten der Grafschaftler, Leseunkundigkeit gepaart mit miserabler Beratung und auch einer gewissen westfälischen Sturheit, auf Seiten der kurkölnischen Verwaltung dann Hitzköpfigkeit und die Unfähigkeit, mit besorgten Menschen umzugehen, waren aus seiner Sicht Hauptgründe für die nicht gelungene Vermeidung des blutigen Zusammenstoßes der Dorfbewohner sämtlicher Grafschaftsdörfer, darunter auch viele „Weibsbilder“, mit 100 kurkölnischen Soldaten. Er kostete einem Mädchen das Leben, zwei weitere Frauen wurden schwer verletzt. Nach der Schlacht zogen sich die Soldaten zwar frustriert zurück, dafür überfielen sieben Monate
später 600 Schützen aus kurkölnischen Städten des Sauerlandes die Dörfer, soffen und fraßen sich durch und erzwangen die Übergabe von 1800 Reichsthalern.

Besonders eindrucksvoll waren die Darstellungen des Referenten über das persönliche, gesellschaftliche und soziale Umfeld der Hauptakteure. Er machte deutlich, dass spätere demokratische Reformen auch mit dem Ziel eingeführt worden seien, solche katastrophalen Konflikte zwischen dem Staat und seinen Bürgern zu verhindern: so die Einrichtung der Amtsverfassung durch die Preußen, wodurch mit dem Amtsdirektor ein vertrauenswürdiger, des Lesens, Interpretierens und Vermittelns kundiger Mittler zwischen Staat und Bevölkerung zur Verfügung stand, vor allem durch die Einführung der Schulpflicht, damit die Leute nicht ausnahmslos auf die mündlichen Informationen Dritter angewiesen waren, später auch das Wahlrecht, die Gewaltenteilung, nicht zuletzt auch eine gute Berufsausbildung der Funktionsträger.

Wiederholung geplant

Der Heimatverein Deifeld/Wissinghausen beabsichtigt, so Projektleiterin Edeltraud Grosche, die kürzlich erworbene ehemalige Maria-Hilf-Kapelle in Wissinghausen zu einem kulturellen Informations- und Begegnungszentrum umzunutzen. Der Aufarbeitung und Inszenierung der Weiberschlacht soll dabei ein besonderer Rang zukommen. Die Besucher zeigten sich sehr beeindruckt von allem – ein rundum gelungener Nachmittag. Wegen der großen Nachfrage ist eine Wiederholung dieses höchst spannenden Geschichtscafés ins Auge gefasst.