Hebammen droht weiterhin Geburtsstillstand

Altkreis..  Hebamme Yvonne Kolbe aus Siedlinghausen will nicht aufgeben:„Hebamme ist nicht mein Beruf, sondern meine Berufung.“ Seit Jahren begleitet sie in ihrer Praxis „Rundum“ Schwangere und junge Mütter ganz eng durch die aufregendste Zeit ihres Lebens und bietet neben Beleggeburten im Krankenhaus Meschede auch als mittlerweile einzige Hebamme im Altkreis Brilon mit ihrer Kollegin Gabi Baum aus Hallenberg noch Hausgeburten an.

Doch der Traumberuf Hebamme wird für sie immer mehr zum Alptraum - so titelte die WP im März. Hintergrund ist die im Juli 2016 auslaufende Haftpflichtversicherung für freiberuflich tätige Hebammen, ohne die sie weder Geburten noch Kurse leiten oder Wochenbettbesuche machen dürften. Die Haftpflichtprämien haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als vervierfacht und waren bisher für die Hebammen schon kaum zu finanzieren.

Grund für die derzeit hohen Prämien und den geplanten Auslauf der Policen sind die stark gestiegenen Entschädigungen für Geburtsschäden, die pro Fall derzeit bei rd. 2,6 Mio. Euro liegen, die Einzelfälle selbst sind dagegen gesunken.

Existenz-Aus droht

Mit dem Verlust der Haftpflicht droht vielen freien Hebammen das Existenz-Aus, was vor allem auf dem Land durch die weiten Wege zu Ärzten und Krankenhäusern eine Katastrophe bedeuten würde.

Dr. Juliane Wunderlich, die in ihrer gynäkologischen Praxis in Olsberg mit der Hebamme Carola Schumann zusammenarbeitet, sieht die Entwicklung mit Sorge: „Ich möchte die Zusammenarbeit mit den Hebammen sowohl vor als auch nach der Geburt nicht missen! Diese Arbeit und dieses enge Vertrauensverhältnis kann von Frauenärzten keinesfalls aufgefangen werden.“ In den letzten Monaten hatten sich daher viele junge Familien bundesweit und auch im Altkreis für ihre Hebammen mit Mahnwachen und Petitionen eingesetzt. In der Politik und bei den Versicherungen hat sich dadurch einiges bewegt (s. Infobox). Eine wirklich grundlegende Lösung, die es den Hebammen erlaubt, ihren Beruf ohne finanzielle Sorgen auszuüben, gibt es aber immer noch nicht.

Drei Geburten für Haftpflicht

„Wenn ich die umfassende Betreuung einer werdenden Mutter gewährleisten will, kann ich nicht mehr als drei bis höchstens fünf Geburten im Monat annehmen. Damit verbunden sind ja zwei Wochen vor und nach dem voraussichtlichen Entbindungstermin eine ständige Rufbereitschaft, die ich in mein Privatleben integrieren muss“, berichtet Yvonne Kolbe aus ihrem Praxisalltag. Drei Geburten pro Monat gingen derzeit finanziell alleine für die Haftpflicht drauf. Doch nicht nur die Versicherung sei ein Problem, sondern die gesamte Honorierung durch die Krankenkassen. So erstatten diese den Hebammen für maximal zwölf telefonische Beratungen in der Schwangerschaft jeweils 6,53 Euro, für acht Anrufe in der gesamten Stillzeit je 5,73 Euro. Alles darüber hinaus, z.B. auch Wege von mehr als 20 Kilometern, die in dieser Region an der Tagesordnung sind, werden nicht berücksichtigt.

Yvonne Kolbe: „Deutschland ist ein reiches Land. Es kann nicht sein, dass wir uns keinen guten Start ins Leben mehr leisten wollen.“