Haus ist wie ein weiteres Familienmitglied
19.04.2011 | 14:00 Uhr 2011-04-19T14:00:00+0200
Marsberg.Ein Gebäude ist zuweilen wie ein weiteres Familienmitglied. Das merkt man ganz besonders beim Obermarsberger Detlev Steinhoff, wenn man mit ihm durch sein kleines Fachwerkhaus geht.
In ihm ist er aufgewachsen, deshalb gibt es keine Ecke, die ihn nicht in Erinnerungen schwelgen lässt.
Der Obermarsberger steht in seiner kleinen Küche und schaut versonnen zum Fenster. „Früher war genau hier ein Schweinestall“, erinnert er sich. Er zählt die Tiere auf, die die Familie in seiner Kindheit bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts gehabt habe: ein Schwein, eine Ziege und Hühner. Und er erzählt lächelnd von den tollen Festen, die sie hier gefeiert hätten und von der Enge des Zusammenlebens in einem so kleinen Haus.
1980 habe er das Gebäude von seiner Mutter Katharina Steinhoff übernommen. Das alte Fachwerkhaus von 1778 diente bis dahin als Bauernhaus. Ursprünglich erbaut von den Eheleuten Leven und Margareta Prior befindet es sich seit 1900 in Familienbesitz. Mutter und Tante hätten noch im Haus gewohnt, als Detlev Steinhoff mit dem Umbau begann. Er baute den Dachboden, bis dato Lager für Heu und Stroh der Tiere, zum Wohnraum aus, verkleinerte die Ställe und vergrößerte die Wohnfläche. Der neue Hausherr legte alte Fachwerkbalken frei, erneuerte den Fußboden und baute den Keller um.
Professionelle Hilfe
Beim Ständerwerk des Dachbodens und bei der Installation der Gasheizung habe er sich professionelle Hilfe geholt. Alles andere „habe ich in mühseliger Arbeit selbst gemacht“, so Steinhoff. Das sei aber auch zuweilen ein Mittel zum Zweck gewesen, „denn der Geldbeutel spielt auch eine Rolle“, kommentiert er und fügt hinzu: „Ich kann nur das machen, was ich auch wirklich finanzieren kann.“
1995 zog er dann selbst ein und machte sich nach den großen Restaurierungen an die geschmackvolle Gestaltung der Inneneinrichtung. Tüftelei und das Gespür für die richtige Form und Atmosphäre sei en gefragt.
Das zeigt auch die Sache mit dem Eingangsportal. Eine ganz besondere Tür wollte er entwerfen, schildert Detlev Steinhoff. Deshalb sei er quer durchs Sauerland gefahren, nach Paderborn und noch in viele andere Orte - auf der Suche nach der perfekten Tür, die es nachzubauen galt. Nirgends habe er sie entdeckt. Bis der Obermarsberger in Niedermarsberg in der damals noch alten Bücherstube von Marianne Steinhoff in der Karlstraße gelandet sei. Am heutigen Haus der Familie Schirmann, die uns bereits in unserer Serie ihren Jugendstilbau präsentierte, habe er endlich „seine“ Eingangstür entdeckt. „Man fährt Gott weiß wohin und findet sie dann Zuhause“, kommentiert er den Zufall lachend. Er habe sie mit Erlaubnis der damaligen Hausherrin abfotografiert und in seiner persönlichen Art in Obermarsberg kopiert.
Haus ist 300 Jahre alt
„Das Haus ist dreihundert Jahre alt – und steht immer noch“, beschreibt Detlev Steinhoff den wichtigsten Grund für sein absolutes „Ja“ zur Restaurierung seines Eigenheims, das seit 2001 unter Denkmalschutz steht. Alte Häuser und deren Schutz durch Institutionen wie die Denkmalbehörde sind für Detlev Steinhoff ohnehin enorm wichtig für eine Stadt. Das würde gerade das Beispiel seiner Heimat Obermarsberg zeigen. „Hier gab es früher so viel altes Fachwerk, und heute ist so gut wie nichts mehr vorhanden“, beklagt er. Unendlich schade sei dies, gerade bei einem Ort mit so viel Geschichte.
Mittlerweile ist Detlev Steinhoff an dem Punkt angelangt, an dem er sagt: „Ich bin so gut wie fertig“. Doch aufhören kommt für ihn trotzdem nicht in Frage. Vielmehr sind es die kleinen, besonderen Träume, die nun auf Verwirklichung warten. „Einen kleinen Laden mit Teestube würde ich gerne eröffnen, damit die Leute was vom Haus sehen können“, erklärt er sein nächstes Ziel. „Aber das ist nur so ein Traum, ich weiß noch gar nicht, ob das wirklich klappen würde.“
0mitdiskutieren