Das aktuelle Wetter Brilon 10°C
Innovationspreis

„Grüne Kochfläche“ erfunden

09.02.2012 | 18:50 Uhr
„Grüne Kochfläche“ erfunden
Freuen sich über die Prämierung: Prof. Dr. Udo Ungeheuer, Vorsitzender des Vorstands der SCHOTT AG, und Dr. Friedrich Siebers aus Madfeld.

Madfeld/Mainz.Wenn Sie heute Mittag oder Abend am Herd stehen, dann schauen Sie mal genau hin, liebe Leser! Sollte dort auf der schwarzen Kochfläche ein Logo mit dem Schriftzug SCHOTT CERAN® zu lesen sein, dann kocht bei Ihnen womöglich ein Madfelder mit. Dr. Friedrich Siebers leitet seit 1994 die Abteilung „Materialentwicklung Glaskeramik“ beim Unternehmen SCHOTT. Für seine neueste Glaskeramikerfindung, eine „grüne“ Kochfläche, hat das Unternehmen zwei hochkarätige Auszeichnungen bekommen, weil es diese besonders umweltfreundlich herstellt. Wie, das erklärt der gebürtige Sauerländer im Interview.

Dr. Siebers, die erste Frage betrifft selbstverständlich Ihre Herkunft. Wie landet ein Madfelder in Mainz?

Dr. Friedrich Siebers: Ich habe 1973 am Petrinum Brilon mein Abitur gemacht. Meine Frau und ich, wir kommen beide aus Madfeld. Und weil unsere Mütter dort noch leben, sind wir zum Schützenfest oder jetzt auch um Karneval meistens in der Heimat. Zum Unternehmen SCHOTT bin ich gekommen, nachdem ich in Bochum im Bereich Mineralogie promoviert hatte. Dieses Spezialgebiet passte gut zum Wissenschaftlerprofil, das SCHOTT damals suchte. Denn bei der Herstellung dieser Glaskeramik ist es wichtig, kleinste Kristalle, auch Kristallite genannt, zu erzeugen.

Bevor wir zum Herstellungsprozess kommen: Was ist denn das Spezielle an der Glaskeramik, für die SCHOTT CERAN® als Marktführer steht? Ich frage mich zum Beispiel immer, ob mein Kochfeld ein heißes Backblech aushält.

Dr. Siebers: Das Wichtige bei dieser CERAN® Glaskeramik ist, dass sie sich bei hoher Temperatur nicht ausdehnt und damit sehr hitzebeständig ist. Zwischen den heißen und kalten Bereichen der Kochfläche entstehen so keine Spannungen. Solange Ihr Backblech nicht glühend heiß ist - und diese Temperatur erreicht es in einem herkömmlichen Backofen nicht - können Sie es also jederzeit aus dem Ofen auf den Herd stellen.

Außerdem konnten seit Einführung der CERAN® Glaskeramik im Jahre 1971 die Ankochzeiten stetig verbessert werden. Noch dazu muss dieser Werkstoff ja chemisch sehr stabil sein und z.B. überkochende Nahrungsmittel und einen starken Reiniger aushalten. Und alles soll auch gut aussehen und möglichst auch Anzeigen in anderen Farben als Rot erlauben, so wünscht es sich der Kunde.

Sie haben es all diese gewünschten Eigenschaften berücksichtigt und es trotzdem hinbekommen, dass Sie einen giftigen Stoff nicht mehr einsetzen müssen: Arsen.

Dr. Siebers: Das stimmt. Wir sind stolz darauf, der Pionier der umweltfreundlichen Glaskeramik zu sein. Unsere schwarzen CERAN® Kochfelder werden seit einigen Jahren ohne Zugabe der giftigen Schwermetalle Arsen und Antimon zum Schmelzprozess hergestellt. CERAN® wird wie folgt hergestellt: pulverförmige Rohstoffe werden entsprechend der Rezeptur vermischt und zu einem homogenen Glas geschmolzen. Dies alles bei mehr als 1600 Grad Schmelztemperatur. Dabei entstehen auf ein Kilogramm Glas bis zu 200 Liter Gas. Einige Gasbläschen bleiben im Produkt, und wenn wir diese entfernen wollten, mussten wir früher Arsen oder Antimon zugeben. Wir nennen den Prozess „Läutern“. Auch wenn die Stoffe in der Glaskeramik fest gebunden sind und somit in der Küche vollkommen unschädlich, mussten sie dennoch als Rohstoff abgebaut und im Prozess eingesetzt werden. Das wollten wir der Umwelt zuliebe ändern und einen sauberen Prozess entwickeln.

Und das haben Sie tatsächlich geschafft.

Dr. Siebers: Vor rund 10 Jahren haben wir begonnen, die Idee intensiv zu verfolgen, weil sich SCHOTT das Ziel gesetzt hatte, umweltfreundlicher zu produzieren. Bei der Umsetzung ging es darum, sowohl eine neue Rezeptur zu finden, als auch das Läuter-Verfahren zu verändern. Wir haben ein ganz neues Produkt geschaffen, das jetzt mit der vierten Generation auf dem Markt ist. Für den neuen Prozess mussten wir auch eine eigene Schmelzwanne bauen. Diese ist in etwa so groß wie ein Einfamilienhaus. Und wir können auf den Einsatz von Arsen und Antimon verzichten und sparen den Einsatz von rund 180 Tonnen dieser Substanzen pro Jahr.

Aber Sie haben sicher erstmal im Kleinen geforscht.

Dr. Siebers: Das stimmt. Die ersten Versuchsschmelzen mit neuen Rezepturen fanden im Litermaß statt. Dabei wird streng darauf geachtet, dass keine gefährlichen Stäube entstehen. Aber dank der neuen Zusammenstellung der CERAN® Kochfläche brauchen wir im gesamten Unternehmen keine diesbezüglichen Messungen der Luft mehr durchzuführen.

Wie streng gehütet ist die neue Formel?

Dr. Siebers: Die endgültige Zusammensetzung lässt sich in unserem Patent nachlesen. Aber dennoch lässt sich das Ganze nicht so leicht nachahmen. In Bezug auf das Herstellungsverfahren hüten wir so einige Geheimnisse.

Sonja Funke

Empfehlen
Themenseiten
Rund ums Thema
Kommentare
Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6333841/create

Aktuelle Fotos und Videos
Autosalon Brilon
Bildgalerie
Autosalon
Krimi-Einkauf
Bildgalerie
Criminale 2012
Brilon blüht auf
Bildgalerie
Fest
Mediforum in Brilon
Bildgalerie
Gesundheit
Aus dem Ressort
Gemeinsam sind sie noch erfolgreicher
Brilon Kultour
Gemeinsam sind sie noch erfolgreicher als in ihren Spezialbereichen. Die Rede ist von allen Kulturfreunden in der Stadt Brilon, die ihr unglaublich weit gefächertes und qualitativ hoch angesiedeltes Programm jedes Jahr im Brilon Kultour-Heft bündeln. Gestern war es wieder soweit. BWT-Geschäftsführer
„BRI“-kannt wie ein bunter Hund
Kommunalpolitik
Im Hochsauerlandkreis ist sein Lkw - Kennzeichen „BRI DP 68“ - bekannt wie ein bunter Hund: Bernhard Mühlenbein aus Rösenbeck fährt mit seinem blau-roten Hanomag Henschel F 223 von Baustelle zu Baustelle. Er sei der letzte Lkw im Einsatz mit einem Briloner Kennzeichen, weiß Mühlenbein. Das kann sich