Fünf Generationen im Gasthof Schnier

Neue Pächter im Landgasthof Schnier in Scharfenberg: Familie Gierse (l.) mit Angelika und Karl-Theo Schnier.
Neue Pächter im Landgasthof Schnier in Scharfenberg: Familie Gierse (l.) mit Angelika und Karl-Theo Schnier.
Foto: WP
Fünf Generationen der Familie Schnier führten über 165 Jahre die Gastwirtschaft in Scharfenberg. Nun hat ein Pächter den Gasthof übernommen.

Scharfenberg..  Eine lange Familientradition ist seit ein paar Tagen beendet. Angelika (56) und Karl-Theo Schnier (59) haben ihren Landgasthof im Herzen von Scharfenberg an Pächter übergeben. Fünf Generationen der Familie führten über 165 Jahre die Gastwirtschaft. Der Name Schnier stand dabei immer für gutbürgerliche Gastlichkeit. Und so soll es auch weitergehen.

Hinter der Fassade des Gasthofes verbergen sich viele und ausgefallene Anekdoten. Einige davon möchten wir hier erzählen. Dabei müssen wir weit zurückblicken. Genauer gesagt bis zum 14. März 1849, dem Gründerdatum des ungewöhnlichen Familienunternehmens. Joseph Schnier zu Velmede erhält an diesem Tag „die Erlaubnis zum Betreiben einer Fuhrmanns-, Gast- und Schankwirtschaft in der Gemeinde Velmede“.

Schankerlaubnis vom 14. März 1849

Ausgestellt wird die Schankerlaubnis vom Mescheder Landratsamt. Sie ist damals ein Kalenderjahr gültig und kann nach Ablauf verlängert werden. Gleichzeitig wird im Gewerbeschein auch eine Warnung ausgesprochen: Dass nämlich „eine Verabreichung geistiger Getränke an anerkannte von der Polizeibehörde als solche bezeichnete Süffer den Verlust der Conzession zur Folge hat“.

Elf Jahre später erwirbt Schnier von Ludwig Schlüter („Schütteler“) den Gasthof in Scharfenberg. Der ehemalige Besitzer hat seit dem Dorfbrand 1847 hohe Schulden. Diese kann er nur mit dem Verkauf des Anwesens in der Mittleren Straße sowie des Grundbesitzes von 40 Morgen begleichen. 3000 Taler und 30 Scheffel Hafer beträgt schließlich der Kaufpreis.

Streng genommen reicht die Geschichte des Gasthofes in Scharfenberg noch viel weiter zurück. Denn im Jahr 1724 taucht Johann Heinrich Schlüter erstmals als Gastwirt auf. In alten Schreiben ist nachzulesen, dass es damals erhebliche Probleme mit Trunkenbolden gibt. Um die zumeist durch einen zu hohen Schnapskonsum ausgelösten Schlägereien unter Kontrolle zu bekommen, erlässt die Obrigkeit immer neue Verordnungen. So wird u.a. „das Brandtwein-sauffen vor dem Gottesdienst sunderlich in Wirtshäusern verbotten“.

Doch wieder zurück zu den Zeiten von Joseph Schnier.

Damals ist es allgemein üblich, dass eine Schankwirtschaft nur ein kleines zusätzliches Einkommen ermöglicht. So lebt auch die Familie Schnier hauptsächlich von der Landwirtschaft und betreibt nebenbei noch einen Kolonialwarenladen. Aus dem entsteht später ein Lebensmittelgeschäft.

In den folgenden Jahrzehnten wird der Gasthof viermal umgebaut. 1983 stellt Familie Schnier die Landwirtschaft endgültig ein. Nur ein Jahr später wird auch das Lebensmittelgeschäft geschlossen.

Nach Joseph, Karl, Wilhelm und noch mal Wilhelm haben Karl-Theo und Angelika Schnier mehr als 30 Jahre die Scharfenberger in ihrem Gasthof bewirtet. Dieses Kapitel ist nun beendet.

Einziger Gasthof im Dorf

Karl-Theo, der eigentlich Landwirt werden wollte und Koch lernte, meint, dass jetzt ein guter Zeitpunkt gekommen ist. „Unsere Tochter wollte das Haus nicht weiter führen. So haben wir uns schon früh nach Pächtern umgeschaut. Unser Ziel war es, den einzigen Gasthof im Dorf als kommunikativen und sozialen Mittelpunkt für die Bewohner zu erhalten.“ Vier Jahre dauerte die Suche, da die „Nachfolger“ möglichst vom Fach kommen sollten. Mit Familie Gierse - Volker (40) ist Küchenmeister und arbeitete u.a. im Hotel Rech in Brilon und Carina (32) ist Hotelfachfrau - hat man nun das richtige Pächterpaar gefunden. Beide wagen den Schritt in die Selbstständigkeit, wohnen im Gasthof und werden von Familie Schnier unterstützt. Angelika ist froh, noch etwas helfen zu können und Karl-Theo ist mitten in der Renovierung des Gebäudes. Aufgeatmet hat auch die ganze Dorfgemeinschaft. Denn ihr Gasthof lebt weiter.

Klar, dass Familie Gierse eigene Vorstellungen hat und sie auch umsetzen möchte. Fest steht aber auch, dass in dem Landgasthof mit seinen 16 Gästebetten, zwei Sälen und einer Bundeskegelbahn weiterhin eine gutbürgerliche Küche und nachmittags auch Kaffee und selbstgebackener Kuchen angeboten werden.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE