„Fremde können ja auch Bereicherung sein“

Madfeld..  Die Tapeten sind runter von den Wänden, die alten Bodenbeläge rausgerissen. Tim Kompernaß, Leon Röttger, Simon Busemann, Alexander Schmidt und Julian Amen haben ordentlich zugepackt. Die jungen Leute bringen Grund ins seit Jahren leerstehende Pfarrhaus von Madfeld. Anlass: Dechant Kleineidam hat das Gebäude der Stadt Brilon zur Unterbringung von Flüchtlingen angeboten.

„Zwei Familien können hier bestimmt gut wohnen“, sagt Ortsvorsteher Heinz Bickmann (SPD). Anfang der 60er Jahre haben die Madfelder das Haus neben St. Margare­tha gebaut. „Das war viel Eigenleistung, da haben wir viel für gespart“, erinnert sich Franz Nolte, der Vorsitzende der CDU-Ortsunion. Was die Gemeinschaft im Ort und das soziale Miteinander angeht, da ziehen die beiden politischen Kontrahenten an einem Strang.

Beide finden es gut, dass sich im Ort Integrationspaten für die Betreuung von Flüchtlingen gefunden haben. Bisher hat die Stadtverwaltung Madfeld bei der Unterbringung ausgespart. Grund: die Entfernung zur Kernstadt.

Mittlerweile hat sich bei der Infrastruktur etwas getan. Der eigene Lebensmittelladen vor Ort läuft unter neuer Regie prima, erwähnt Heinz Bickmann. Somit sei auch die Versorgung der Flüchtlinge mittlerweile sichergestellt. Das sah vor wenigen Monaten noch anders aus. Deshalb hatte der Rat es damals abgelehnt, die alte Schule für die Aufnahme von Flüchtlingen herzurichten.

Die Sanierung des Pfarrhauses übernimmt das Erzbistum. Das hat im vergangenen Jahr für diese Zwecke eine Budget von einer Million Euro zur Verfügung gestellt.

Die Kirchengemeinde wollte das Haus der Stadt für den symbolischen Preis von einem Euro zur Verfügung stellen. Das allerdings sei ein Missverständnis gewesen, ließ der Gemeindeverband kath. Kirchengemeinden Hochsauerland-Waldeck in Meschede, zu dessen Aufgaben die Verwaltung der kirchlichen Immobilien gehört., die Stadt wissen.

Daran soll das Projekt aber nicht scheitern. Karin Wigge, Fachbereichsleiterin bei der Stadt Brilon, zur WP: „Wir finden sicher eine tragbare Lösung. In Madfeld gibt es ein gutes Netzwerk.“

Das, so erzählt Franz Nolte, habe auch schon Anfang der 90er Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs funktioniert. Und er erzählt das Beispiel eines damals 13-jährigen Jungen und seiner Familie aus Kasachstan, der hier die Schule abschloss, eine Tischlerlehre absolvierte, den Meister machte und der heute mit seinem Montagebetrieb vier Arbeitsplätze unterhält und der mit seiner eigenen Familie im Ort voll integriert sei.

Franz Nolte: „Wenn fremde Menschen kommen, kann das ja auch eine Bereicherung für das Sauerland sein.“

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