Frederik Köster bringt den Jazz in die Mongolei

Frederik Köster unterrichtet  in Ulan Bator.
Frederik Köster unterrichtet in Ulan Bator.
Foto: WP
Sein Auftrag: den Jazz in die Mongolei bringen! Der gebürtige Olsberger Frederik Köster, Professor für Jazztrompete und mehrfach ausgezeichneter Musiker, fährt für das Goethe-Institut als Dozent nach Ulan Bator.

Olsberg/Ulan Bator..  Abends nach dem Auftritt in einer der Kneipen gibt es auch schon mal ein „Chinggis“. Der Mongolenherrscher Dschinghis Khan hat Pate gestanden für dieses Bier, das übrigens nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wird. Und natürlich Wodka. Aber die 14-stündige, 8300 Kilometer lange Reise, die der mehrfach ausgezeichnete Jazztrompeter Frederik Köster aus Olsberg heute von Frankfurt über Moskau nach Ulan Bator antritt, ist keine Vergnügungstour. Der 38-Jährige, der Professor für Jazz-Trompete an der Hochschule Osnabrück ist und außerdem einen Lehrauftrag in Hannover hat, begibt sich auf eine Art Missionsreise. Sein Auftrag: den Jazz in die Mongolei bringen!

„Das Musikstudium dort ist sehr an der Klassik orientiert. Und aufgrund der geographischen Nähe zu Russland herrscht ein fast militärischer Drill“, weiß Frederik Köster. Wenn sein Flieger morgen um 6 Uhr in dem am dünnsten besiedelten Staat der Welt landet, warten bereits 30 Musikstudenten auf den Gast aus Köln, der zum zweiten Mal in die 1,3-Millionen-Menschen-Stadt fährt. Das Goethe-Institut hat es sich zum Ziel gesetzt, die Musikszene dort zu bereichern und vielfältiger zu machen. Es will eine Plattform bieten für den Austausch und den Dialog im Bereich Popularmusik. „Stilrichtungen wie Jazz kennt man dort kaum“, erläutert Köster das zunächst auf zwei Jahre angelegte Projekt, das „Musiklabor Ulan Bator“ heißt. Angestrebt wird, an der führenden Ausbildungsstätte für klassische und traditionelle mongolische Musik in Ulan Bator einen parallelen Zweig mit moderner Musik zu etablieren. Für die Musiker würde das eine zusätzliche Qualifikation und bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bedeuten.

Netzwerk in Deutschland

Technisch kann Frederik Köster den fünf Trompetern aus dem „Labor-Kurs“ nicht mehr viel beibringen. „Die Leute sind schon verdammt gut. Meine Aufgabe ist es vielmehr, ihnen die Ästhetik des Jazz zu vermitteln, sich frei zu machen.“ Die jungen Leute werden zwei Jahre lang in Blues, Jazz, Rock, Latin und Pop ausgebildet. Musik wie es an den Hochschulen in Deutschland gelehrt wird, sei ein Luxus-Studiengang gesteht Frederik Köster. „Wir bieten hier mitunter 60 bis 90 Minuten Einzelunterricht an. So ein Studium muss aber auch sehr individuell funktionieren, um Talente und musikalische Persönlichkeiten zu fördern.“ Erst seit den 80-er Jahren gibt es hier bei uns ausgewiesene Jazz-Studiengänge an den Hochschulen. „Hinzu kommt in Deutschland aber ein ausgesprochen dichtes Netzwerk. Die Unis kooperieren untereinander, es gibt Einrichtungen wie das Bundes-Jugendjazzorchester. Und solche Verstrebungen existieren zum Beispiel in der Mongolei gar nicht.“

Im Zeitalter von Streaming-Diensten und Internet könnte man meinen, dass es ein Leichtes sei, sich auch in Zentralasien andere Stilrichtungen anzuhören. „Klar geht das. Aber man muss die Leute dort hinführen. Solche Musik funktioniert und begeistert in der Regel bei Live-Konzerten und nicht aus der Konserve“. Daher ist es auch Bestandteil des fünftägigen Workshops, dass sich Köster abends zum Teil mit seinen Studenten zu Konzerten in die Kneipen begibt. „Ich unterrichte tagsüber das, was ich abends mache“, bringt es der 38-Jährige auf den Punkt. Dass Musiker in einem Lokal für Gage auftreten, sei außerdem in der Mongolei nicht üblich. „Wir spielen anfangs erstmal nur für ein kleines Geld. Aber es geht um die Wertigkeit von Kunst und auch darum, dass die Musiker dort einmal davon leben können.“

Das Goethe-Institut bedient sich bei solchen Projekten ausschließlich erstklassiger Musiker, die als Gastdozenten in ferne Länder reisen. Auf diesem Weg hat der gebürtige Olsberger schon viel von der Welt gesehen. 2011 war er mit seinem Quartett auf einer dreiwöchigen Tour mit zehn Konzerten und drei Workshops in Mexiko, Costa Rica, Honduras und Nicaragua. Köster: „Das war auch die schönste Tour. Vielleicht auch, weil sie die erste und längste war mit sehr guter Organisation, einer perfekten Balance zwischen Konzert-/Workshoptagen, Reisetagen und Off Days.“ Unvergesslich ist ihm ein Konzert vor 7000 Leuten in Mexiko City geblieben. „Die Leute haben einfach ein anderes Temperament und ein Gefühl für Rhythmus.“

Inspiration aus anderen Ländern

Oft trifft der Olsberger dabei die Botschafter der Länder und lernt neue Leute kennen. Für den jungen Professor ist das auch immer wieder eine Form der Inspiration. 2012 war er in Portugal und in Indien: „Wenig Zeit, jeden Tag geflogen, fast nie geschlafen und in der Nacht nach dem letzten Konzert zurück, trotzdem inspirierend“, fasst er zusammen.

Nach der Mongolei geht es im Mai - erneut auf Einladung des Goethe Institutes – nach Malaysia, wo er in Kuala Lumpur und Penang gemeinsam mit einem Hochschulensemble Konzerte und Workshops im Rahmen des Internationalen Welt-Jugend-Jazzfestivals geben wird.

Das „Chinggis“ hat es geschafft, als mongolisches Bier nach deutschem Reinheitsgebot gebraut zu werden und sich einen Markt zu erschließen. Wäre doch gelacht, wenn sich nicht auch musikalische Einflüsse aus anderen Ländern dort etablieren könnten...

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