Flüchtlinge in Winterberg sollen Willkommenskultur erleben

Hilfe für Asylbewerber in Winterberg
Hilfe für Asylbewerber in Winterberg
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ein Runder Tisch diskutiert in Winterberg die Voraussetzungen der Unterbringung von Flüchtlingen. Für die Asylbewerber soll eine Willkommenskultur geschaffen werden. Dazu gehören lebenswürdige Wohnungen und Sprachkurse.

Winterberg.. Was ist der größte Traum des jungen Iraners Mahdi Sanaei Moghadan? „Ich möchte gut deutsch sprechen, eine Ausbildung als Mechaniker und ein normales Leben.“ Für deutsche Gleichaltrige fast selbstverständlich, für Mahdi die einzige Möglichkeit, in seinem neuen Leben in Winterberg Fuß zu fassen. Mahdi musste fliehen, weil er als Christ im Iran religiös verfolgt wurde. Er stand im Winterberger Rathaus stellvertretend für die 76 Asylbewerber, die bereits jetzt in Winterberg und den umliegenden Dörfern wohnen, und für die vielen neuen Flüchtlinge, die zukünftig noch kommen werden.

Zu einem ersten „Runden Tisch“ hatten daher die beiden Kirchen und die Stadt Winterberg eingeladen, um gemeinsam mit Vertretern der örtlichen sozialen Verbände, Schulen und Parteien zu überlegen, wie man eine Willkommenskultur für die Winterberger Asylbewerber schaffen kann. Weit über 50 Teilnehmer waren dieser Einladung gefolgt. Bürgermeister Werner Eickler freute sich über die positive Resonanz und betonte die Wichtigkeit dieses Themas: „Diese Menschen flüchten nicht aus Wirtschaftsgründen, sondern aus Not und Angst um ihr Leben. Unser Ziel ist, dass sie sich in Winterberg aufgenommen und sicher fühlen.“

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien

Derzeit wohnen 64 Erwachsene und 12 Kinder aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern - die meisten aus Syrien - in 16 Wohnungen im Stadtgebiet Winterberg. Ein Dach über dem Kopf und eine Grundversorgung seien elementare Bedürfnisse, aber auch eine sinnvolle Gestaltung der freien Zeit. Der Schlüssel zur Integration und zur Bewältigung des Alltages sei die Sprache. Die staatlichen Mittel reichten dazu nicht aus, deshalb seien alle Bürger gefragt, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Tafel Bei Pfarrer Norbert Lipinski hätten kürzlich zwei Männer und ein Kind aus Syrien am Pfarrhaus geklingelt: „Es ist kein gutes Gefühl, Menschen vertrösten zu müssen, die um Hilfe bitten. Wir müssen etwas tun und gleichzeitig das Selbstwertgefühl dieser Menschen respektieren. Es ist nicht damit getan, ihnen ausrangierte Kleidung und Möbel zu geben.“ Gisela Riedel vom Arbeitskreis „Leben“ verdeutlichte, dass dringend Freiwillige benötigt würden, die mit den Asylsuchenden die einfachsten Wörter und Grundsätze der deutschen Sprache für den Alltag erarbeiten; dazu sei kein pädagogischer Hintergrund erforderlich.

Leerstehende Wohnungen gesucht

Außerdem appellierte Werner Eickler an alle, sich nach leerstehenden Wohnungen umzuhören. Die Zuweisung von Flüchtlingen erfolge sehr kurzfristig, deshalb sei es wichtig, Wohnungen verfügbar zu haben. So sei kurz vor der Versammlung noch ein Fax von der Bezirksregierung gekommen, dass am kommenden Montag eine neue asylsuchende Familie nach Winterberg käme.

Integration Aus der regen Diskussion kamen Vorschläge wie Patenschaften bei Alltags-, Arzt- und Behördengängen, geeignete Räumlichkeiten für private Sprachkurse oder auch regelmäßige Begegnungen. Die neu eingerichtete Caritasgruppe „Aufeinander zugehen“ aus Siedlinghausen mit Vikar Klaus Engel berichtete von ihren ersten, sehr positiven Erfahrungen. Alle Bürger, die auf Mithilfe angesprochen worden seien, hätten zugesagt, darunter mehrere Lehrer, die künftig Sprachunterricht geben wollen.

Nächstes Treffen am 26. Januar 2015

Eickler bat alle Teilnehmer, sich als Multiplikatoren in ihrem Umfeld nach Hilfsmöglichkeiten und Ideen umzuhören und sich bei der Stadt zu melden. Der nächste Termin, der dann offen für alle Winterberger Bürger ist und in dem die ersten Ideen weiter entwickelt und strukturiert werden sollen, findet am Montag, 26. Januar 2015, statt. Der Ort wird noch rechtzeitig bekanntgegeben.