Figuren für das neue Hallenberger Rathaus

Drei Figuren für das Hallenberger Rathaus entstehen zurzeit in der Werkstatt des Bildhauers Boris Sprenger.
Drei Figuren für das Hallenberger Rathaus entstehen zurzeit in der Werkstatt des Bildhauers Boris Sprenger.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Das Rathaus in Hallenberg ist wieder aufgebaut - dort finden jetzt drei besonderen Figuren eine neue Heimat.

Hallenberg..  „Brand im Hallenberger Rathaus!“ Am bitterkalten 25. Januar 2013, ein schwarzer Freitag, steht der Dachstuhl des Verwaltungssitzes in Flammen. Eine Katastrophe. Erst am Tag danach wird klar, dass die ehemalige Schule eigentlich ein Fall für die Abrissbirne wäre. Doch die Hallenberger machen aus der Not eine Tugend und bauen das Gebäude nach neuesten technischen Auflagen wieder auf.

Auch wenn die Schlussrechnungen noch nicht alle vorliegen: Rund zwei Millionen Euro reine Baukosten, von denen die Stadt rund 680 000 Euro tragen muss, schlagen für den Wiederaufbau zu Buche. Hinzu kommen 370 000 Euro für das Inventar, wovon 120 000 Euro bei der Stadt bleiben. Doch mit Fug und Recht kann man heute sagen, die kleinste Kommune im HSK hat heute eines der schönsten Rathäuser.

Architekt Jörg Arlt hat die Arbeitsgruppe „Rathausbau“ gut beraten und es verstanden, Altes und Neues perfekt miteinander in Einklang zu bringen. Auch 2014 stehen diese aufwändigen Arbeiten immer wieder im Blickpunkt der Berichterstattung. Am 26. Juli ist dann endlich die Einweihung des neuen/alten Gebäudes. Die Rathaus-Crew zieht aus dem Übergangsheim Stadthalle wieder in ihre neuen Büros. Was jetzt noch fehlt, ist das Tüpfelchen auf dem i – und das entsteht zurzeit in der Werkstatt des Madfelder Bildhauers Boris Sprenger.

„Durch die Neugestaltung haben wir einen großen Lichtraum im Foyer bekommen. Erst haben wir über Lampen gesprochen, die dort hängen könnten. Aber eigentlich ist der Bereich ohnehin schon sehr hell. Dann kam die Idee, dass sich ein beleuchtetes Kunstwerk gut machen würde. Und weil das Rathaus für die Hallenberger ohnehin ihre alte Schule ist und bleibt, sollte ein Bezug dazu hergestellt werden“, umreißt Bürgermeister Kronauge die Zielvorgabe. Bei Sparkassendirektor Peter Wagner stieß die Idee auf offene Ohren; das Geldinstitut schenkt der Stadt die drei Schüler-Skulpturen, die im Laufe des Jahres ihren endgültigen Platz finden sollen.

Dem Raum gerecht werden

„Es soll etwas werden, das der Höhe des Raumes gerecht wird. Keine Figur, die auf dem Boden steht. Hier soll etwas passieren“, erklärt der 44-jährige Bildhauer in seiner Madfelder Werkstatt. Zwei etwa 1,40 Meter große Mädchen aus hohlem Bronzeguss werden demnächst ins Rathaus einziehen. Sie werden an Stahlseilen von der Decke schweben. Die untere sitzt auf einer Schaukel, die andere nimmt etwa im ersten Obergeschoss Blickkontakt mit den Rathausbesuchern auf und lässt einen Drachen steigen. Die dritte Figur – ein Junge – wird vor dem Rathaus stehen. Startbereit, um zum Beispiel Hüpfkästchen zu spielen – wie man es halt früher und (hoffentlich) auch heute noch auf Schulhöfen macht.

Boris Sprenger hat sich mit den Entscheidungsträgern für das Projekt beraten. Es kamen gute Anregungen und Vorschläge von allen Beteiligten, die der Künstler nun zu einer gemeinsamen Idee manifestiert hat. Die drei Figuren sind an die Natur angelehnt, aber trotzdem sehr abstrakt gehalten. Sie sind sehr schlank, filigran und wollen mit ihrer Form der Höhe des Raumes schmeicheln. Man darf gespannt sei, inwieweit sie sich dort einleben und wie sie ihm gerecht werden.

Ganz bewusst sitzt zum Beispiel ein Mädchen auf der Schaukel, das sich bei näherem Hinsehen mit Buch und Federkiel beschäftigt. Ein Wink in Sachen gesellschaftliches Rollenverständnis? In dieser Konstellation ist es das Weibliche, das hier mit Wissenschaft umgeht und Intellekt verkörpert.

Symbol für das Kindsein

Der Junge draußen ist für Boris Sprenger ein Symbol für das Kindsein. Er ist frei von räumlichen Zwängen. Forsch und selbstbewusst steht er da. Er weiß, dass er etwas kann. Er fordert andere zum Mitspielen auf. Wichtig ist dem Bildhauer in der Gesamtsymbolik, dass Schule nicht als Ort der Strenge dargestellt wird. Lernen soll immer auch etwas Spielerisches haben. Dafür steht zum Beispiel die Schaukel, auf der das Mädchen sitzt.

Neben dem eigentlichen schöpferischen Prozess nimmt auch der handwerkliche Part einen großen Stellenwert ein. „Die Überlegung, ob die Figur naturalistisch oder abstrakt sein soll, dass sie Offenheit und Freundlichkeit ausdrücken und den Betrachter anschauen soll – all das ist der bildhauerische Prozess. Danach geht es ans Handwerkliche“, beschreibt Boris Sprenger die Vorgehensweise.

Wie beim Schokonikolaus

Dafür wird erst ein Modell aus Ton erstellt, dann ein mehrteiliger Negativ-Abdruck aus Gips. Der wird wiederum mit heißem Wachs ausgefüllt. Ähnlich, wie bei einem Schokoladen-Weihnachtsmann. Ganz zum Schluss – nach einer weiteren Schicht aus Schamott- und Einbettmasse – wird die Figur bei 1080 Grad in Bronze gegossen. Doch bis zu diesem Arbeitsgang dauert es noch ein Weilchen. Wenn alle drei Figuren fertig sind, machen sich weiblicher Intellekt, Spaß am Lernen und Kontaktfreudigkeit in Kunstform auf den Weg von Madfeld nach Hallenberg.