Faszinierende Zeitreise durch das Leben von Matthias Claudius

Brilon..  „Ich danke Gott, und freue mich wie’s Kind zur Weihnachtsgabe, dass ich bin…“ Mit diesen Worten von Matthias Claudius eröffnete Barbara Auer, eine der bekanntesten und eindrücklichsten Schauspielerinnen Deutschlands, den Abend in der Evangelischen Stadtkirche Brilon.

Klangvolle Stimme

Die Evangelische Kirchengemeinde und Brilon Wirtschaft und Tourismus hatten dazu eingeladen. Barbara Auers klangvolle Stimme, ihre natürliche Wärme und die Klarheit ihres Ausdrucks nahmen die Zuhörer mit auf eine faszinierende Zeitreise durch das Leben des Dichters und Theologen. In der Form eines Tagesablaufs entfaltete Pfarrer Werner Milstein das Leben dieses besonderen Menschen: von seiner Kindheit, seiner Ehe, seinen Kindern, seinen Gedanken zu den gesellschaftlichen Entwicklungen und der politischen Aktualität bis in die Gegenwart, und besonders berührend, seine Auseinandersetzung mit den Erfahrungen des Todes in seiner Familie. Und durch alles zog sich wie ein roter Faden sein Glaube, der auch der tiefsten Erschütterung standhielt.

Während Werner Milstein kommentierend und erläuternd durch das Leben von Matthias Claudius führte, sprach Barbara Auer Originaltexte, Gedichte und Gedanken des Autors. Wie ein Innehalten wirkte die Musik des Immanuel-Quartetts aus Leverkusen, die gemeinsam mit der Sopranistin Anna Pehlken Musik von Zeitgenossen Claudius‘ und Vertonungen seiner Texte musizierten: Carl Philipp Emmanuel Bach und Georg Philipp Telemann, die Matthias Claudius sogar familiär sehr verbunden waren, sowie Michael Haydn und Franz Schubert, die das wohl bekannteste Gedicht „Der Mond ist aufgegangen“ in unterschiedlicher Weise vertont haben.

Lieder voller Humor

Muntere kurze Zwischenspiele, Lieder voller Humor oder trauernder Innigkeit und ein liebevolles Geigenduett zur Silberhochzeit erklangen und verzauberten. Ein ganz besonders berührender Moment entstand, als nach den Worten des Gedichtes „Der Tod und das Mädchen“ Schuberts Vertonung erklang. Anna Pehlkens eindrucksvoller Sopran, einfühlsam begleitet vom Immanuel-Quartett, berührte die Herzen und manch einem stieg eine Träne ins Auge auf. Den Ausklang bildete das gemeinsam gesungene Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ mit der vertrauten Melodie.

Von den Einblicken in das Leben des Menschen Claudius fasziniert, von der Musik zutiefst berührt und der Stimme Barbara Auers und ihrer Ausdruckskunst verzaubert dankten die Zuhörer mit herzlichem und langem Applaus und tauschten sich anschließend mit den Mitwirkenden angeregt über das Erlebte aus.