Farbe bekennen zu ihrer neuen Heimat

Bilder und so genannte Türsteher werden im ersten Kunstworkshop von den Asylbewerbern ge- bzw. bemalt. Begeistert dabei sind auch Sozialarbeiterin Alexandra Sauerwald und Mariethres Schröder.
Bilder und so genannte Türsteher werden im ersten Kunstworkshop von den Asylbewerbern ge- bzw. bemalt. Begeistert dabei sind auch Sozialarbeiterin Alexandra Sauerwald und Mariethres Schröder.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Elmar Beckers und Ingrid Petz veranstalten Kunstworkshop für Asylbewerber in Marsberg.

Marsberg..  Das Atelier am Schützenberg atmet Geschichte. Früher war es die Werkstatt vom Kirchenmaler Mühlenbein. Heute gehört das Atelier Elmar Beckers. Seines Zeichens freischaffender Künstler, Maler und Dichter. Gemeinsam mit Ingrid Petz führt er die Galerie No.1 in der oberen Hauptstraße. 2007 hat Ingrid Petz mit der Malerei angefangen. Jetzt haben beide für die Asylbewerber in Marsberg einen Kunstworkshop durchgeführt.

„Denn die Kunst ist eine prima Sache, um miteinander in Kontakt zu treten und gemeinsam etwas zu schaffen“, sagt der 61-jährige Sonderpädagoge. In seinem früheren Leben war Elmar Beckers Sonderschullehrer und Handballtrainer. Krankheitsbedingt hatte er 2004 beides an den Nagel gehängt. Seit 1998 hat er acht Gedichtbände veröffentlicht, zahlreiche Bilder gemalt und Skulpturen gefertigt. Momentan arbeitet er mit der Kettensäge an einer Holzskulptur „Ja und Nein“: Zwei Figuren. Auf der einen Seite lehnen sie sich ab, auf der anderen zeigen sie sich ihre Zuneigung. Ein Renner auf dem letztjährigen Weihnachtsmarkt waren seine so genannten Türsteher. Glatt gehobelte, etwa 1,50 Meter lange Holzplanken werden bunt angemalt und vor das Haus gestellt. „Sie beschützen das Haus vor bösen Geistern“, ist Beckers überzeugt.

Sieben junge Asylbewerber haben sich vom Kunstworkshop inspirieren lassen. „Marsberg wird bunter“, so das Thema. Begleitet wurden sie von der Sozialarbeiterin Alexandra Sauerwald und dem ehrenamtlichen Helferehepaar Günter und Mariethres Schröder.

„It is nice to meet you here“ („Es ist schön, dass Ihr gekommen seid“), begrüßt Elmar Beckers die Kursteilnehmer. An den Atelierwänden hängen selbstgemalte Bilder von ihm, in Regalen stehen Farben, Pinsel, Utensilien. Ein Holzofen mit Ofenrohr hält im Winter das Atelier warm. Eine alte Standuhr in der Ecke ist stehengeblieben. Die Asylbewerber schauen sich zunächst etwas ratlos um. „Malt, was Eure Seelen Euch sagen“, fordert Elmar Beckers sie auf.

Dawid aus Eritrea und Ahmed aus Somalia haben sich für Türsteher aus Holz entschieden. Vor der Werkstatt hobeln sie zuerst die Holzplanken glatt, bevor sie mit bunten Lack- und Acrylfarben bemalt werden können. Rouhullah aus Afghanistan malt eine Landesfahne in grün-rot-schwarz und Valid einen großen Baum auf die gepresste Spanplatte. Ein großes blaues Herz, durchbohrt von einem roten Pfeil, hat sich Mohammad aus Afghanistan als Motiv ausgewählt. Darunter schreibt er den Satz: „Marsberg ist bunt und soll noch bunter werden.“ Er hält sein fertiges Bild in die Luft. Alle sind begeistert. Mohammad hat in seiner Heimat Germanistik studiert und als Deutschlehrer gearbeitet. Er spricht und schreibt fließend Deutsch.

Grün wird oft verwendet

Auch die Bilderrahmen aus Holz werden passend zum Bild bemalt. Xharden aus dem Kosovo hat erst einmal sein Bild mit Bleistift vorskizziert und möchte es am anderen Tag in Ruhe ausmalen. Auffällig: Die Asylbewerber greifen immer wieder zur grünen Farbe. „Sie sind so begeistert von den sprießenden grünen Pflanzen und Bäumen hier“, erklärt sich das Mariethres Schröder. „Mit ihren farbenfrohen Kunstwerken wollen die Asylbewerber „Farbe“ zu ihrer neuen Heimat bekennen, in der sie sich einbringen und integrieren möchten.“ Die Sozialarbeiterin ist begeistert von dem Projekt und hat auch selbst zu Farbe und Pinsel gegriffen.

Lauter zufriedene und glückliche Gesichter also zum Ende des Workshops.