Fanfiction-Liebesgeschichte mit echtem Suchtpotential

Hast du schon einmal Fanfiction gelesen? Ich nicht, um ehrlich zu sein. Auf Wattpad und anderen Schreibplattformen veröffentlichen Autoren ja mittlerweile zahlreiche solcher Geschichten, darunter auch die Amerikanerin Anna Todd: Als riesiger Fan von One Direction schrieb sie die „After“-Serie, deren Protagonist an Harry Styles erinnern sollte, und veröffentlichte diese auf Wattpad.

Was bei Wattpad begann, ist mittlerweile weltbekannt: In viele verschiedene Sprachen übersetzt, hat der zweite Band der Serie „After truth“ es mittlerweile auf den ersten Platz der Spiegel-Bestseller geschafft, während der erste Band „After passion“ auf dem dritten Platz steht. Inzwischen sind auch die Filmrechte an dem Roman verkauft.

Worum es in dem Roman geht? Im Mittelpunkt steht Teresa, eigentlich lieber Tessa genannt, gerade erst achtzehn Jahre alt geworden und ganz frisch am College angekommen.

Good Girl vs. Bad Boy

Ein „Good Girl“ nennt der Klappentext sie. Tessa stellt sich täglich mehrere Wecker, um ihren Tag durch zu planen, arbeitet hart für ihre Zukunft und ist geschockt, als sie ihrer neuen Zimmernachbarin gegenübersteht: Steph. Punk, übersät mit Tätowierungen und Piercings.

Hardin gehört zur Stephs Clique, scheint Tessa nicht ausstehen zu können und wird auf dem Klappentext als „Bad Boy“ bezeichnet. Generell scheint er nicht besonders viele Menschen zu mögen, aber gerade Tessa gibt er das Gefühl, sie zu hassen. Er ist impulsiv, oft voreilig und immer temperamentvoll. Nach einer langen Partynacht braucht Tessa aber seine Hilfe, um die betrunkene Steph nach Hause zu bringen – und dann wirkt Hardin gar nicht mehr so unausstehlich wie anfangs.

Dass der Roman nicht ohne Klischees auskommt, ist direkt klar. Die Charaktere kennen wir ähnlich gestrickt bereits aus anderen Romanen und auch zahlreiche Punkte des Plots kommen dem Leser hier und da bekannt vor. Dennoch hat der Roman eine Sogkraft, die den Leser in seinen Bann ziehen kann – auf seine ganz eigene Art und Weise.

Drei weitere Bände

Obwohl das Konzept zuerst einmal so simpel klingt, schafft Anna Todd es, damit immerhin knapp 700 Seiten und drei weitere Bände zu füllen. Zwischen Tessa und Hardin ist es ein ständiges Hin und Her. Sie streiten, sie versöhnen sich, sie streiten, sie versöhnen sich. Dennoch wird es nie langweilig, was vor allem Anna Todds Schreibstil zu verdanken ist.

Ihr gelingt es, die Emotionen ihrer beiden Protagonisten so real darzustellen, dass der Leser alles direkt nachempfinden kann: Sei es Hardins Wut, wenn Tessa seine SMS liest, sei es Tessas Enttäuschung, als sie ihn mit einem anderen Mädchen sieht, sei es Hardins Hoffnung oder Tessas Überraschung.

Dass es einer Autorin gelingt, einen Liebesroman auf so vielen Seiten spannend zu halten, ist allerhand – und macht süchtig. Der Folgeband „After truth“ ist inzwischen erschienen und im Juni folgt „After love“ - wir sind gespannt!