Es hat großen Spaß gemacht
03.08.2010 | 17:23 Uhr 2010-08-03T17:23:00+0200
Marsberg.Gefährlich schön schaut die Schlange in der Steinskulptur von Enrico Goldammer (26) dem Betrachter entgegen. Stolz, Anmut, Würde, Kraft - all das hat der junge Patient des LWL-Therapiezentrums für Forensische Psychiatrie Marsberg beim Skulpturenworkshop auf seine Arbeit übertragen.
Für Goldammer war es schon zu Beginn der Arbeit klar, dass er sein Lieblingsmotiv ausarbeiten wollte. Trotzdem musste er sich, genauso wie Michael Peters (23), Ekrem Dülger (20) und Tobias Krawczyk (24), zunächst auf das Material Stein einlassen. So war bereits das gemeinsame Heben der 300 kg schweren Dolomitblöcke fester Bestandteil des Workshops. Es zeigte den vier jungen Künstlern die Schönheit und Kraft des jahrtausend alten Rohstoffs, den sie zwei Wochen lang unter fachkundiger Anleitung des Marsberger Steinmetzmeisters Norbert Köchling bearbeiten konnten. Herausgekommen sind beeindruckende Skulpturen nach frei gewählten Motiven.
So entstanden neben der Schlange, eine Fantasiereise, die vier Elemente sowie ein steinerner Bachlauf.
„Sie haben bei ihrer Arbeit die Form des Steins aufgenommen und bei der Gestaltung konsequent durchgezogen“, lobte Köchling die Arbeiten der Teilnehmer. Das besondere beim dritten Skulpturenworkshop war, so Köchling, dass durch das vierseitige Bearbeiten der Steine immer wieder neue Formen entstanden, die für die Künstler neue Herausforderungen darstellten. So ist es nicht verwunderlich, dass, obwohl die Steine kleiner als im letzten Jahr waren, deutlich mehr Schutt produziert wurde.
Die Workshopidee kam Köchling bereits 2005 während der ersten „arte ex“-Ausstellung im Therapiezentrum. Über die Marsberger Künstlerin und frühere Vorsitzende des Beirats am Therapiezentrum, Isolde Jaspert, wurde der Kontakt zum ehemaligen ärztlichen Leiter der Einrichtung, Dr. Bernhard Wittmann, vermittelt. Auch die neue ärztliche Direktorin Anja M. Westendarp ist vom Workshopkonzept begeistert. Es bietet Patienten die Möglichkeit, außerhalb der Therapie etwas Eigenes zu gestalten und unter Anleitung eines externen Fachmanns zu arbeiten.
„Es war für uns die größte Motivation, jeden Tag mehr vom Ergebnis zu sehen“, sagt Ekrem Dülger zufrieden. Trotz sengender Hitze arbeiteten die vier jeden Tag fast sieben Stunden unermüdlich an ihren Werken. Stolz zeigt Dülger seine blutig gearbeiteten Hände. „Es war anstrengend, hat aber auch Spaß gemacht“, resümiert Tobias Krawczyk. Für ihn ist das Erlernen von handwerklichen Fertigkeiten für die Zeit nach der Therapie ein wichtiger Effekt des Workshops.
Beeindruckt von den Werken zeigte sich auch Anja M. Westendarp, die den Künstlern zu ihrer Ausdauer und Leistung gratulierte. Aus Sicht des Ärztlichen Direktorin der Marsberger Einrichtung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) sind mit dem Workshop zwei Ziele verwirklicht worden: Zum einen konnten die Patienten beweisen, welche Fähigkeiten und kreativen Ideen in ihnen stecken. Zum anderen könne damit aber auch der Bevölkerung gezeigt werden, was hinter den Mauern der Einrichtung geschieht und welches Potential in jedem Menschen steckt, wenn man ihn akzeptiert und fördert.
Davon überzeugen können sich Interessierte bei der kommenden Kunstausstellung in der Galerie „arte ex“ des Therapiezentrums, in der ab dem 27. August die Skulpturen neben anderen Kunstwerken präsentiert werden.
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