Ernüchternde Zahlen in Sachen Trinkverhalten

Vor allem Heranwachsende haben zunehmend ein Problem mit Alkohol.
Vor allem Heranwachsende haben zunehmend ein Problem mit Alkohol.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
111 junge Leute unter 20-Jahren wurden 2013 kreisweit stationär in einem Krankenhaus behandelt, weil sie zu viel Alkohol getrunken hatten.

Altkreis..  Die Nachricht aus Düsseldorf passt in die närrische Zeit. Und sie geht im ersten Moment runter wie Likörwein. Bei näherem Hinsehen ist sie aber dann doch eher ernüchternd: Im Jahr 2013 wurden in NRW mit 5269 Fällen so wenig Heranwachsende im Alter von zehn bis 19 Jahren wegen alkoholbedingter Verhaltensstörungen durch akute Alkoholvergiftung stationär im Krankenhaus behandelt wie seit 2007 nicht mehr. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als statistisches Landesamt aktuell mitteilt, waren das 14,7 Prozent weniger Behandlungsfälle als 2012.

Bricht man die Zahlen aber einmal für den HSK oder für unsere vier Krankenhäuser herunter, so sind das immer noch erschreckende Daten. Denn wir sprechen nicht von einem leichten Schwips, sondern von schweren Fällen. Demnach waren es 2013 im HSK 111 junge Leute (66 Jungen und 45 Mädchen), die den Bogen so richtig überspannt hatten. 2004 waren es einmal 60 Fälle, 2005 waren es 50 und 2010 sogar 126.

Eine interessante Beobachtung hat Dr. Ralf Beyer, Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie und Ärztlicher Direktor im St.-Marien-Hospital Marsberg gemacht: „Unsere Statistik zu Alkoholintoxikationen zeigt, dass die Anzahl dieser Patienten insgesamt in den letzten acht Jahren zwar gleichgeblieben ist. Verändert hat sich aber ihr Alter Während immer weniger Erwachsene und ältere Menschen mit einer Alkoholvergiftung behandelt werden, steigt die Zahl Jugendlicher langsam, aber stetig an.“ Gerade für die Gruppe der 15- bis 19-Jährigen ist seiner Meinung nach Aufklärung über die Risiken des Alkoholkonsums auf Augenhöhe und ohne erhobenen Zeigefinger unerlässlich. Dr. Beyer: „Ich kann mich der bundesweiten Kampagne da nur anschließen: Kenn dein Limit!“

Bei den 15- bis 19-Jährigen kannten im vergangenen Jahr offenbar 18 Leute im Großraum Marsberg ihre Grenzen nicht. Sie wurden wegen Alkohol stationär im dortigen Marien-Hospital behandelt. 2011 waren es nur 12. Im Jahr 2013 waren es 11. Alarmierend: Von insgesamt 37 Fällen im vergangenen Jahr kommen aber 26 aus der Gruppe der 10- bis 25-Jährigen.

Viele Feste, viel Alkohol

Niedriger fallen die Zahlen für die Elisabeth-Klinik Bigge aus. Insgesamt acht Fälle mit Unter-20-Jährigen (fünf Jungen, drei Mädchen) waren es 2013. Elf im vergangenen Jahr (sieben Jungen und vier Mädchen). Auffällig dort: „Ein gewisser Zusammenhang mit Festen wie Karneval oder Schützenfest ist erkennbar. Denn von den insgesamt 19 Fällen in diesen beiden Jahren wurden lediglich vier im Zeitraum August bis Dezember aufgenommen“, so Klinik-Geschäftsführer Frank Leber. Das ist die festfreie Zeit.

Die Diagnose „Akuter Rausch durch Alkohol“ wurde im Winterberger St.-Franziskus-Hospital 2014 in 32 Fällen gestellt. Die Hälfte davon waren 19 Jahre oder jünger, elf davon sogar minderjährig. 2013 waren es 35 Fälle (davon 17 unter 20 Jahre), 2012 sogar 53 Fälle (davon aber nur neun Jugendliche).

Eine wirkliche Tendenz ist aus den Zahlen des Briloner Maria-Hilf-Krankenhauses nicht abzulesen. 2012 waren es 34 der 15- bis 19-Jährigen, die stationär wegen Alkoholmissbrauchs behandelt wurden, 2013 waren es 17 und im vergangenen Jahr 31.