Erinnerung an 1000 Jahre Bergbau-Geschichte

Feierlich zünden Ehrengäste, Köhlermeister Tielke und Theo Schröder für die Köhler-Crew den Meiler an. Bis Fronleichnam brennt er auf der Meilerwoche in Giershagen.
Feierlich zünden Ehrengäste, Köhlermeister Tielke und Theo Schröder für die Köhler-Crew den Meiler an. Bis Fronleichnam brennt er auf der Meilerwoche in Giershagen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Meiler kokelt seit Sonntag in Giershagen. Die ganze Woche lang ist noch ein buntes Programm geplant.

Giershagen..  Der Meiler kokelt und mit ihm brennt ein ganzes Dorf für die Köhlerei und die Meilerwoche. Der Funke ist übergesprungen auf die Giershagener, die sich in großer Zahl in jedweder Weise einbringen - und auf die Gäste.

Am Eröffnungstag der Meilerwoche auf der Freizeitanlage Grube Reinhardt an der Diemel am Pfingstsonntag wollten viele dabei sein und erleben, wie der Köhlermeiler feierlich angezündet wurde unter der fachkundigen Regie von Karl-Heinz Tielke, Präsident des europäischen Köhlervereins aus Paderborn-Borchen. Mit ihm bestiegen Josef Freiherr von Twickel als Schirmherr, die Europaabgeordnete Birgit Sippel, MdB Dr. Patrick Sensburg, Bürgermeister Klaus Hülsenbeck und Theo Schröder, Vorsitzender des Fördervereins „Unser Giershagen“ die Holzstiege zum Kaminschacht auf dem Meiler.

Zuerst wurde gebetet zum Heiligen Alexander, dem Schutzpatron der Köhler. Dann füllte Köhlermeister Tielke einen Blecheimer Holzkohle in den Kaminschacht. Sie stammte aus dem gelöschten Meiler des Vorjahres. Theo Schröder für die Meiler-Crew und die Ehrengäste taten es dem Köhlermeister nach. Langsam stieg grauer Rauch aus dem Schlund nach oben. Mit dem extra gebrauten Meilerbier und dem eigens abgefüllten Meilertropfen stießen alle auf hoffentlich gelungene Holzkohle zum Ende der Meilerwoche auf Fronleichnam, Donnerstag, 4. Juni, an.

Drei neue Auszubildende

Mit der Meilerwoche wollen die Organisatoren aus der Dorfgemeinschaft an die 1000 Jahre Bergbau in Giershagen erinnern. Eisenerz, Kupfer und das seltene Zölestin wurden im großen Stil abgebaut. 25 Schmelzhütten und 26 Eisenhammer prägten im 16. Jahrhundert das Diemeltal um Giershagen. „Ohne die Köhlerei als Energielieferant lief nichts“, so Theo Schröder. Gruben und Hütten wurden nach und nach stillgelegt, weil es weit und breit keinen Baum und keine Tanne mehr gab. „So weit haben wir es diesmal für unseren Meiler nicht kommen lassen“, scherzte Schröder.

Köhlermeister Tielke, dessen Großvater selbst noch als Wanderköhler über Land zog, freute sich über das Engagement eines ganzen Dorfes für seine alte Handwerkstradition und auch über drei neue Köhler-Azubis aus deren Reihen: Johannes Götte, Willi Raffenberg und Reinhard Nolte hat er zum Meilerrichtfest offiziell in die Ausbildung übernommen. Der Meiler ist gut zwei Meter hoch und hat einen Durchmesser von etwa vier Metern. Der Holländer Ger van Marion kommt ins Schwärmen, wenn er die Funktion des Köhlermeilers erklärt. Er ist ebenfalls Präsidiumsmitglied des europäischen Köhlervereins und unterstützt Köhlermeister Tielke während der Meilerwoche.

Auf den erdigen Untergrund wurde zunächst ein Holzboden für den Meiler ausgelegt, erklärte er. In der Mitte wurde ein Schornstein mit Stangen errichtet, rundherum Buchenholzstücke aufgeschichtet. Dann eine Schicht Heu. Darauf ein Dach aus „Lösch“, einem Gemisch aus Erde, Asche und Holzkohle vom Meiler des vergangenen Jahres. Die Erdschicht muss immer feucht gehalten werden. Die Aufgabe der Köhler in den nächsten Tagen wird sein, den Meiler weder erlöschen, noch ihn durch zu viel Luftzufuhr abbrennen zu lassen. Dazu bohren und verschließen die Köhler Löcher an der Oberfläche. Tag und Nacht. Ger van Marion: „Darin besteht das Handwerk der Köhler. Er sieht und fühlt, wo Holz noch verglühen muss, wo Löcher geöffnet werden müssen und andere verschlossen. Und wenn es ganz still ist, hörst du, wie der Meiler mit dir spricht.“ Wenn der graue Rauch nach Tagen blau-dunkel aus dem Kaminschacht aufsteigt, dann ist die Holzkohle fertig.

Kindertag mit Kuhlotto

Den ganzen Eröffnungstag über gab es ein Kommen und Gehen und in der Meilerküche für die Gäste Sauerländer Sauerbraten mit Serviettenknödel. Denn auch der Speiseplan ist ein Highlight für die Gäste. Abgestimmt auf jeden Thementag gibt es etwas Besonderes auf die Gabel oder den Löffel.

Programm

Am Pfingstmontag war Kindertag mit Entenrennen, Kuhlotto, Mitmachzirkus, Kinderdisco und Abendwanderung zurück ins Dorf.

Am Mittwoch ist Heimattag am Meilerplatz. Los geht es ab 15 Uhr mit dem Seniorenkaffee 65 plus mit heimatlichen Beiträgen, Geschichten, Gedichten und Liedern aus der Heimat, musikalisch begleitet durch den Musikverein Giershagen.

Um 18 Uhr folgt die Maiandacht am Stollenmund der ehemaligen Grube Reinhardt, gegen 18.30 Uhr die Liederrunde am Lagerfeuer mit Karl-Heinz Nolte.

In der Meilerküche gibt es Kartoffelsuppe mit Speck, Salzkuchen aus dem Holzbackofen und Potthucke.