Eiskalte Revanche für heiße WP-Streetbob-WM

Winterberg..  Im September waren sie noch bei sonnigen 30 Grad auf dem heißen Asphalt unterwegs, am Donnerstag trafen sich 14 Streetbob-Teams unter eiskalten Bedingungen an der Winterberger Bobbahn. Ihr Ziel: Das Abschlusstraining für die große Revanche der ersten WP-Streetbob-WM auf Eisbobs.

André Schweins, Mitglied der WP-Chefredaktion, und Bobbahn-Chefin Petra Sapp begrüßten 24 Testpilotinnen und -piloten und gaben dem Training mit Bahnmeister Stefan Knipschild und Zeitmesser Dietmar Sonntag einen professionellen Rahmen. Die Eisbob-Strecke ist knapp 500 Meter lang und führt den Anstieg am Zielauslauf umgekehrt hinunter bis zur Kurve 14.

Trainingsschnellster war am Ende Michael Ternes vom Hot Racing Air-Team aus Hüsten mit 18,38 Sekunden. Er zeichnete sich zusätzlich durch seinen sehr entschlossenen Gesichtsausdruck und seine windschnittige Haltung auf dem Eisbob aus. Teamchef Alexander Hiby zeigte sich daher hochmotiviert für die WM in zwei Wochen. Das Erfolgsrezept von Hot Air Racing wollte er selbstverständlich nur ansatzweise lüften: Geheim-Rennwachs und Mamas Bügeleisen!

Über diese Ambitionen konnten Manuel Stuckmann und Kevin Fleßenkämper vom Team „Lenne-Dragonfighter Winkhausen“ nur müde lächeln, denn nicht umsonst lautet ihr Schlachtruf „Der Drache wird das Eis erobern“ - auch wenn sie beim ersten Start das Ziel erst nach zwei Minuten zu Fuß erreichten.

Sitzheizung als Sonderausstattung

Die einzigen Damen im Starterfeld waren Heike Lingenauber und Linda Rickert von den Volksbank-Flitzern. Sie kamen mit beachtlichen 25 Sekunden ins Ziel und düpierten damit die meisten männlichen Kollegen. Verbessern würden sie daher nur noch eins: „Die Eisbobs brauchen unbedingt eine Sitzheizung.“

Christian Friedrich vom Team „Winterberg 1“ kennt die internationalen Eiskanäle nach über zehn Jahren Leistungssport als Bob-Anschieber in- und auswendig. Aber der kleine Eisbob erwies sich doch als ungewohnt für den fast zwei Meter großen Lokalmatadoren - direkt am Start kippte er erstmal auf den Rücken. Beim kraftvollen Anschub war sein jahrelanges Training deutlich erkennbar, doch dann touchierte er bei beiden Testläufen jeweils die Banden. „Meine Erfahrung hat mir heute nicht wirklich viel gebracht, ich fahre ja normalerweise nie rückwärts die Bahn runter.“

Wettkampfgewicht anfuttern

Auch den amtierenden Streetbob-Weltmeister Kevin Kemp von „Bob Marley“ aus Olsberg haute es bei drei Startversuchen aus der Spur. Er und seine Team-Kollegen Jan Hengsbach und Frederik Baumann befürchten deshalb jedoch keine mentale Blockade für die Eisbob-WM, ganz im Gegenteil: „Das war reine Taktik, damit wollten wir die anderen von unserer Kompetenz ablenken.“ Wie werden sich die Titelverteidiger weiter vorbereiten? „Auf jeden Fall ganz viel essen, wir müssen mehr Gewicht auf den Eisbob bringen.“ Ähnliche Methoden will auch M-K-R (Männer-Kultur-Reisen) aus Neheim anwenden und sich nächste Woche im Trainingslager an der Mosel stärken.

Der heimische Vizeweltmeister „Asten Lawine“ musste beim Training passen, weil die komplette Mannschaft mit Grippe flach lag. Sport-Direktor Jörg Hampel ließ den gegnerischen Teams jedoch ausrichten, dass die Asten Lawine auf den Tag fit sein und nach der knappen Niederlage um nur drei Zehntelsekunden im September den WM-Titel zurück nach Winterberg holen werde. Die Revanche bei der Eisbob-WM kann kommen!