Einzigartige Hilfsaktion: Bürger streuen tausende Zentner Tausalz
12.12.2008 | 18:32 Uhr 2008-12-12T18:32:00+0100Altkreis. (wi) Wir blättern im Jahr 1978: Es geht um Weihnachtsmärkte, Hundesteuer und gefährliche Eisglätte.
Der Gedanke kommt von den Geschäftsleuten und begeistert schließlich auch die Vereine. Olsberg zieht am 9. Dezember erstmals einen Weihnachtsmarkt auf: An der Bahnhofstraße von der Drogerie Winterberg bis zum Marktplatz und an der Ruhrstraße vom Kino bis zum Markt. Kinder können dort ihre Teddys kostenlos reinigen lassen, Marzipan wird nach Wünschen des Kunden individuell geformt und eine Riesenwurst geht stückweise an die Besucher. Der Erlös ist für die Kegelbahn des Josefsheims bestimmt. Heute, 30 Jahre später, gibt es in Olsberg keinen Weihnachtsmarkt.
In Brilon rollt der Straßenverkehr regulär noch durch die Bahnhofstraße. Doch nach monatelangem Drängen wird die Hauptverkehrsader erstmals zur Fußgängerzone. An drei verkaufsoffenen Adventssamstagen wird dieses Modell ausprobiert. Von „Spitzenklasse” bis „mein Laden war tot” reichen die Kommentare der Geschäftsleute. Rundum begeistert sind dagegen die Bürger. Attraktion des Tages: der längste Christstollen im Hochsauerland wird angeschnitten.
In Marsberg sägen böse Buben den Weihnachtsbaum an der Haupstraße einfach ab. Die Stadtverwaltung setzt für Hinweise zur Ergreifung der Rowdies eine Belohnung aus. Oh Tannenbaum, wer hat Dich umgehauen?
Die WP berichtet über die Einführung einer neuen Postära: den Telefon-Nahdienst. Allein für Brilon und Winterberg kostet die Umstellung 14,3 Millionen Mark. Künftig soll es möglich sein, im Umkreis von rund 20 Kilometern im 8-Minuten-Takt für 23 Pfenige zu telefonieren. Das Wort „Flatrate” kennt damals vermutlich noch niemand.
Gefährlich glatt
Und es ist eisglatt im Kreis Brilon: Männer, Frauen und Kinder der Einrichtungen für geistig und körperlich Behinderte in Rösenbeck und Brilon werden die Nacht zum 9. Dezember nicht vergessen. Innerhalb weniger Minuten haben sich die Straßen in Eisflächen verwandelt. Die Kinder des Sonderkindergartens in Brilon sollen um 15 Uhr nach Rösenbeck gebracht werden, wo sie auf die entsprechenden Linienfahrzeuge verteilt werden. Aber schon an der Keffelkerstraße in Brilon bleibt der Zubringer liegen umd kommt erst um 20 Uhr in Rösenbeck an. Kurzfristig wird überlegt, die weinenden Kinder in Rösenbeck übernachten zu lassen. Viele Hilfskräfte und Privatleute greifen ein. „Tausende von Zentnern Salz werden dick auf die Straßen gestreut, um der Situation Herr zu werden”, schreibt die WP.
Das Olsberger Stadtoberhaupt bekommt eine Bürgermeisterkette. Künstler Jürgen Suberg hat drei Vorentwürfe erstellt: Schon zum Westfalentag 1979 in Olsberg soll der Bürgermeister den etwa acht Pfund schweren Halsschmuck tragen. Jedes Amt hat auch seine Last.
In Medebach wird heftig über die Hundesteuer diskutiert. Wenn es um den Dreck auf den Straßen gehe, müssten z.B. auch Pferdehalter zur Kasse gebeten werden, sagen die Einen. 36 Mark müssen für den ersten „Fiffi” bezahlt” werden, die Kosten für den zweiten steigen um das Doppelte auf 72 Mark je Tier. Zum Vergleich heute müssen die Medebacher 54 Euro pro Hund und Jahr bzw. bei zwei Tieren 84 pro Tier und Anno löhnen. Wuff!
Wintersportartikel sind im Dezember 1978 gefragt wie nie zuvor. Das sagt Schreinermeister Franz-Georg Hanfland aus Elleringhausen. Pro Tag stellt der Betrieb damals 60 bis 75 Paar Skier aus Eschenholz her. Von wegen Carving oder so.
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